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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bucheckernöl; Bücheler

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Bucheckernöl - Bücheler.

Alpen geht sie bis 1370 m, als Strauch bis 1510 m, in den norddeutschen Gebirgen nur bis etwa 650 m; im norddeutschen Flachland findet sie auf besserm thonigen oder mergeligen Sandboden gedeihlichen Standort, besonders in der Seenähe (Holstein, Alsen). In Norwegen findet sie sich bis zum 59.° nördl. Br. Ihre nördliche Grenze berührt die schwedische Westküste von Gotenburg, geht an der Ostküste nur bis Kalmar (57°) und durchschneidet fast geradlinig den Kontinent von Königsberg aus über Polen bis Podolien. Jenseit dieser Linie würde die Vegetationsperiode auf weniger als fünf Monate beschränkt werden, was die B. nicht erträgt. Sie beginnt gewöhnlich erst im Alter von 60-70 Jahren zu blühen und Frucht zu tragen; besonders reichlich und früh tragen aus Stockausschlag erwachsene Buchen (Stöcke von mehr als 40 Jahre alten Bäumen schlagen meist gar nicht mehr aus). Ein reiches Samenjahr kehrt in guten Lagen nach 3-4, in rauhen kaum nach 10-15 Jahren wieder. Mit 120-150 Jahren vollendet die B. gewöhnlich ihr Wachstum und kann dann bei 0,9-1,25 m Stammdurchmesser über 30 m hoch sein. Die B. liebt volle, geschlossene Bestände und gedeiht nur dann, wenn der Boden vollkommen gedeckt ist. Sie erträgt in der Kindheit einen bedeutenden Schirmdruck des Oberbestandes und verlangt Schutz, da sie gegen Dürre und Frost überaus empfindlich ist. Noch im Stangenholzalter leidet sie durch Sonnenbrand an den südlichen Bestandsrändern.

Die Verjüngung oder Begründung von Buchenbeständen erfolgt durch Samen- oder Schirmschläge, d. h. unter dem Schatten der den Samen abwerfenden Mutterbäume oder unter dem Schirm andrer, nicht zu stark verdämmender Holzarten (Birke, Kiefer). Der Anbau der B. im Oberholz des Mittelwaldes ist nicht zweckmäßig, da sie zu stark verdämmt; auch im Niederwald ist sie wegen geringer Dauer der Stöcke nicht empfehlenswert, eher noch im Unterholz des Mittelwaldes. Die B. war einst mit der Eiche im ganzen westlichen und in ausgedehnten Waldgebieten des südlichen und mittlern Deutschland herrschend. Seit 1780 ist sie aber vielfach den Nadelhölzern gewichen. Übertriebene Weide- und Streunutzung, Plaggenhieb und ungeordnete Plenterwirtschaft haben den Boden erschöpft. In neuerer Zeit hat die allgemeine Verbreitung fossiler Brennstoffe ihren wirtschaftlichen Wert herabgedrückt, und es ist heute Ziel einer rationellen Laubholzwirtschaft, nicht reine Buchen-, sondern aus Eichen, Buchen, Ahorn, Eschen etc. gemischte Bestände zu erziehen, in welchen die B. den Boden schützt und durch reichlichen Blattabfall verbessert, auch die genannten Nutzholzarten durch kräftigen Bestandsschluß zu günstiger Stammausformung zwingt. Die B. selbst gibt selten mehr als 5-10 Proz. der gesamten Holzmasse als Nutzholz. Eine bedeutsame Rolle spielt die B. als Bodenschutz- oder Treibholz im ältern Eichen- und Kiefernbestand (Lichtungsbetrieb). Bei voller Mast sammelt man pro Hektar ca. 100 Scheffel Bucheln im 120jährigen Bestand. Man erzieht die B. leicht in Saatbeeten und verpflanzt sie drei- bis vierjährig in Büscheln (mehrere Pflanzen zusammen) ins Freie oder fünf- bis zehnjährig nach mehrmaligem Umpflanzen im Pflanzbeet als sogen. Loden oder Heister. Letztere müssen aber gegen Sonnenbrand (Rindenbrand) sorgfältig geschützt werden, und die aufzuwendenden bedeutenden Kulturkosten werden selten durch den spätern Ertrag verzinst, bez. amortisiert. Die Massenerzeugung der Buchenbestände ist eine bedeutende. Hundertjährige Bestände, in denen pro Hektar 600 Festmeter Gesamtholzmasse stehen, sind nicht selten. Der Durchschnittszuwachs pro Jahr und Hektar schwankt je nach dem Standort zwischen 3 und 9 Festmeter. Vgl. Baur, Die Rotbuche in Bezug auf Ertrag, Zuwachs und Form (Berl. 1881).

Das Buchenholz ist hell braunrötlich, und nur sehr alte Stämme haben einen dunkler rotbraunen Kern von geringem Umfang; es ist ziemlich fein, sehr spaltbar, ziemlich schwer, mäßig fest und elastisch, im Wasser sehr dauerhaft, weniger im Freien und unter Dach, brennt lebhaft und ruhig und besitzt ziemlich hohe Heizkraft. Man erkennt es leicht an der Farbe und den Markstrahlen, welche an Breite nur von denen der Eiche übertroffen werden. Es wird vom Wagenbauer und Stellmacher, zu Möbeln, beim Mühlenbau und imprägniert auch zu Eisenbahnschwellen benutzt. Als Brennholz hat es sehr hohen Wert; es gibt eine vorzügliche Meilerkohle und eine an Pottasche sehr reiche Asche. Der Teer enthält sehr viel Kreosot. Die Bucheckern (Bucheln, Buchnüsse) schmecken süß, mandelartig, enthalten Stärkemehl, Zucker und 16-17 Proz. fettes Öl und werden zur Gewinnung des letztern und zur Schweinemast benutzt; auch das Geflügel frißt gequetschte Bucheckern gern und wird davon schnell fett. Die nach dem Auspressen des Öls bleibenden Kuchen sind für Pferde sehr schädlich und können in Mengen von 0,5-0,75 kg schon tödlich wirken; auch ist nicht ratsam, Kühen mehr als 2-2,5 kg täglich zu verabreichen. Die giftige Substanz findet sich in den Häuten und im Kern, aber nicht im Öl, sie wirkt auf das Rückenmark und tötet durch Lungenlähmung und Erstickung. In Gartenanlagen kultiviert man mehrere Varietäten, von denen die Blutbuche (F. sylvatica purpurea Ait.), mit rotbraunen Blättern, herrliche Kontraste hervorbringt. In Nordamerika vertritt die rostfarbene B. (F. ferruginea Ait.), ein 15-20 m hoher Baum mit eilänglichen, gesägten, stark zugespitzten Blättern, unsre B. von Labrador bis Florida über den ganzen Osten, und auf der südlichen Halbkugel bilden antarktische Formen große Wälder. F. obliqua Mirbel (Roble), in Valdivia als herrschender Waldbaum einer der wenigen chilenischen Bäume mit abfallendem Laub, liefert gutes Nutzholz. In Australien ist die Gattung durch sechs Arten vertreten. F. Cunninghami Hook., ein immergrüner Baum von Victoria und Tasmania, liefert das Myrtenholz. - Unsre Hain- oder Weißbuche gehört zur Gattung Carpinus.

Bucheckernöl, das aus den Samen der Rotbuche (Bucheckern) gepreßte fette Öl, ist, aus geschälten Samen kalt gepreßt, fast wasserhell, mild schmeckend, geruchlos; heiß aus ungeschälten Samen gepreßt, ist es gelblich und schmeckt scharf adstringierend. Es hat das spez. Gew. 0,922, erstarrt bei 16-17°, trocknet nicht, läßt sich sehr lange aufbewahren, gibt eine weiche Seife und dient auch als Speise- und Brennöl. Man gewinnt es besonders im nördlichen Frankreich und in Hannover, auch in Thüringen.

Bücheler, Franz, namhafter Philolog, geb. 3. Juni 1837 zu Rheinberg, studierte seit 1852 in Bonn, habilitierte sich 1857 daselbst, wurde 1858 außerordentlicher, 1862 ordentlicher Professor der klassischen Philologie zu Freiburg, 1866 zu Greifswald, 1870 zu Bonn. Er vertritt hauptsächlich die kritischen, grammatischen und epigraphischen Studien. Bis jetzt erschienen von ihm Ausgaben des "Pervigilium Veneris" (Leipz. 1859), des Petronius (Berl. 1862); eine Textausgabe des Petronius und des "Liber Priapeorum" (das. 1862; 2. Ausg. mit den Satiren