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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchhandel

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Buchhandel (im Altertum).

des Kapitals; 6) Konti des Unternehmens; 7) Konti des künftigen Jahrs. Diejenige B. des Landwirts ist die beste, welche sich an die einfache oder doppelte kaufmännische am engsten anschließt und, soweit irgend thunlich, Posten vermeidet, welche auf "Schätzung" beruhen. Um "Schätzungen" (von Dünger, Futter wie aller Artikel, die nicht Handelsware etc.) ganz vermeiden zu können, sind noch vielfache Vorarbeiten zu erledigen und offene Fragen durch die Wissenschaft zu beantworten. Vgl. Graf zur Lippe, Die landwirtschaftliche B. (Leipz. 1858); Howard, Landwirtschaftliche Rentabilitätsberechnungen etc. (das. 1873); Werner, Die landwirtschaftliche Buchführung (das. 1875); Nicklas, Die landwirtschaftliche doppelte Buchführung in ihrer Einwirkung auf den Ertrag der Landgüter (Stettin 1879); Else, Die Lehre von der B. für Landwirte (2. Aufl., Magdeb. 1880); Pohl, Landwirtschaftliche Rechnungsführung (Berl. 1878); Birnbaum, Katechismus der landwirtschaftlichen Buchführung (Leipz. 1879).

Buchhandel, die gewerbsmäßige Herstellung und Verbreitung von litterarischen Erzeugnissen als Handelsobjekt. Der B. zerfällt in 1) Verlagsbuchhandel (Herstellung der Bücher behufs Verkaufs); 2) Sortimentsbuchhandel (Vertrieb der Verlagsartikel der Verleger durch Ladengeschäft und Ansichtsversendung), Kolportagebuchhandel (Reise- und Hausierbetrieb) und Antiquariatsbuchhandel (Handel mit älterer Litteratur und mit Büchern aus zweiter Hand) und 3) Kommissionsbuchhandel (Vermittelung der Geschäfte der Buchhandlungen untereinander und Vertretung der Kommittenten). Ähnlich gegliedert sind Kunst-, Landkarten- und Musikalienhandel, je nach ihren Handelsobjekten. (Vgl. auch Musikalienhandel.)

Geschichtliches.

Ein B. scheint sich erst verhältnismäßig spät gebildet zu haben. Wenn man auch annehmen sollte, daß in allen alten Kulturstaaten, sobald die allgemeine Bildung eine gewisse Höhe erreicht hatte und das Interesse der Völker sich nicht mehr auf gottesdienstliche Angelegenheiten beschränkte, mündliche Tradition oder einzelne Abschriften der religiösen Urkunden dem Bedürfnis nicht mehr genügen konnten, daß sich da vielmehr überall ein dem spätern B. analoger litterarischer Verkehr hätte ausbilden müssen, sobald man einen Schreibstoff gefunden hatte, der die Objekte leichter transportfähig und zu Gegenständen des Handelsverkehrs geeignet machte, so findet sich bei Kulturvölkern von so hervorragender Bedeutung, wie z. B. die alten Ägypter und Hebräer waren, keine Spur eines solchen litterarischen Verkehrs. Die Veröffentlichung der vorhandenen Niederschriften scheint sich auf Vorlesen beschränkt zu haben. Erst im alten Griechenland, später in Rom hat nachweisbar B. bestanden und geblüht. Aus vielen beiläufigen Notizen und Beziehungen verschiedener der uns erhaltenen klassischen Schriftsteller läßt sich ein ziemlich sicheres Bild davon konstruieren. Wahrscheinlich schon vor dem 5. Jahrh. v. Chr., sicher aber von da an blühte der B., selbst als Exporthandel, vornehmlich in Athen. Neben der wissenschaftlichen und poetischen Litteratur gab es auch Volksschriften verschiedenen Inhalts, die durch fliegende Buchhändler oder Ausrufer unter das Volk gebracht wurden. Die seßhaften Buchhändler, wohl meist zugleich Abschreiber, pflegten in ihren Läden ihre Bücher vorzulesen, um dadurch Käufer heranzuziehen. In Rom entwickelte sich der B. eigentlich erst durch den Einfluß der griechischen Kultur und Einwanderung, besonders seit dem Ende des 3. Jahrh. v. Chr., dann aber schnell gewaltig, so daß der Besitz von Büchern zum Gegenstand des guten Tons wurde. Besonders von den letzten Zeiten der Republik an, als auch die römische Litteratur einen höhern Aufschwung nahm, entfaltete sich eine ungemein große Thätigkeit auf dem Felde des Buchhandels. Die Zahl derjenigen, welche die Herstellung und den Vertrieb von Abschriften schon vorhandener oder neuerschienener Werke zum Gegenstand ihres Geschäfts machten, der damaligen Buchhändler (bibliopolae), war nicht unbeträchtlich. Die Namen mehrerer derselben, z. B. des Pomponius Atticus, der Gebrüder Sosius, des Tryphon, des Atrectus, sind auf uns gekommen. Die Herstellung der Bücher erfolgte durch Schreiber (librarii, welche Benennung später auch auf die Buchhändler selbst übertragen wurde), entweder selbständig als Abschrift oder so, daß eine größere Anzahl Schreiber, um einen Vorleser versammelt, dessen Diktat nachschrieb. Die so hergestellten Exemplare wurden von Korrektoren durchgesehen und erhielten dann durch den Buchbinder ihre letzte Gestalt. Da dies alles die Arbeit von Sklaven und daher sehr billig war, so lag, abgesehen von etwaniger kostbarer äußerer Ausschmückung, der bedeutendste Kostenpunkt in dem verwendeten Material, dem Papyrus, auf dem ein nicht unbedeutender Eingangszoll lastete. Originalmanuskripte erreichten oft einen sehr hohen Preis; sonst aber waren die Bücherpreise, besonders für Schulbücher und gewöhnliche Ausgaben, überraschend niedrig. Honorare und der Begriff geistigen Eigentums lassen sich nicht nachweisen. Die Litteratur scheint vielmehr als ein Gemeingut betrachtet worden zu sein, und es mögen daher von gangbaren Sachen oft (nach unserm Gefühl unbefugte) Nachschriften vorgekommen sein. Verschiedene Ausgaben, der Ausstattung und dem Preis nach, gab es auch damals schon. Preßpolizei war unbekannt, wenn es auch vorkam, daß (schon aus Griechenland ist ein Fall überliefert) mißliebige Schriften, besonders in der römischen Kaiserzeit, konfisziert und verbrannt wurden. Die Bücher wurden in den Verkaufsläden der Buchhändler aufgestapelt. Für die Bekanntmachung sorgten Ankündigungen, die an den Ladenthüren und den Säulen der Vorhallen angebracht wurden, wohl auch Ausrufer; Neuigkeiten wurden vorgelesen; außerdem sorgte die zahlreiche und gewählte Gesellschaft, deren Sammelplatz die Buchläden waren, für weiteres Bekanntwerden des Neuerschienenen. Nach den Provinzen, in denen ohnehin Kommanditen der römischen Häuser bestanden, mögen die Bücher, besonders auch die in der Hauptstadt nicht mehr absatzfähigen, durch die zahlreichen Briefboten der vornehmen Staatsbeamten und Militärbefehlshaber, durch Kaufleute etc. befördert worden sein. Thatsächlich fanden die bedeutenden Erscheinungen der Litteratur bis in die entferntesten Teile des römischen Reichs, also fast durch die ganze damals bekannte Welt, Verbreitung. Hierfür sorgten außerdem die Provinzialbuchhandlungen, deren besonders in Alexandria, Lugdunum (Lyon), dann in Karthago, Antiochia, Smyrna, Massilia (Marseille), Athen, Mailand, Brundusium etc. bedeutende existierten. Die ansehnliche Zahl der alten Schriftsteller, von denen wir wenigstens die Namen kennen, und die Herstellung und Verbreitung von Exemplaren nach Tausenden berechtigen zu dem Schluß, daß damals eine geradezu unglaubliche Anzahl von Büchern existiert haben muß. Die Bibliothek zu Alexandria allein besaß deren 700,000. Die meisten gingen natürlich durch den