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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buckingham

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Buckingham.

Haus Villiers wieder, worauf das Haus Sheffield folgte, das aber mit dem Sohn des durch die Königin Anna 1705 zum Herzog von B. erhobenen John Sheffield 1735 gleichfalls ausstarb. Im J. 1784 wurde der Titel eines Marquis von B. an Georg, Grafen Temple (geb. 1753, gest. 11. Febr. 1813), aus der Familie Grenville, verliehen. Von diesem vererbte der Titel auf seinen ältesten Sohn, Richard, geb. 20. März 1776, der 1822 zum Herzog von B. und Chandos erhoben wurde und auf seinem Schloß Stowe 17. Jon. 1839 starb. Seine Titel erbte sein einziger Sohn, Richard Plantagenet, Herzog von B., nach dessen Tod (1861) sie auf seinen gleichnamigen Sohn übergingen; s. Buckingham 4) und 5).

Buckingham (spr. buckingham), 1) George Villiers, Herzog von, Günstling Jakobs I. und Karls I. von England, geb. 20. Aug. 1592 auf Schloß Brookesby in Leicestershire aus altem normännischen Geschlecht. Schön, liebenswürdig, ein vollendeter Hofmann, aber keck und ehrgeizig, wurde er seit 1615 der entschiedene Günstling des schwachen Jakob I., der sich von seinen Launen völlig beherrschen ließ und ihn zum Mundschenken, Kammerherrn, Oberstallmeister, Marquis und Herzog von B., Großsiegelbewahrer etc. beförderte. Er betrieb eifrig den Plan Jakobs, den Prinzen von Wales, Karl, mit der spanischen Infantin Maria zu vermählen, begleitete den Prinzen nach Madrid, benahm sich aber dort sehr anstößig, so daß teils deswegen, teils aus andern Gründen die beschlossene Verbindung nicht zu stande kant. Nach seiner Rückkehr nach England veranlaßte B. den König im Einvernehmen mit dem Parlament und der öffentlichen Meinung, an Spanien den Krieg zu erklären, vor dessen Beginn jedoch Jakob 1625 starb. Als nun aber B. die französische Heirat Karls I. vermittelte, erhob sich eine lebhafte Opposition gegen den vom Vater auf den Sohn übergegangenen günstling. Freilich schützte Karl denselben, löste, um ihn vor einer drohenden Anklage zu retten, das Parlament auf und bestätigte ihn in allen seinen Würden. Als aber sowohl der Krieg gegen Spanien als ein andrer gegen Frankreich, den B. leichtsinnig begann, höchst unglücklich geführt wurden, als insbesondere die von B. persönlich befehligte Expedition nach La Rochelle und der Insel Ré 1627 kläglich scheiterte, steigerte sich die Erbitterung gegen den Herzog immer mehr, und das Volk betrachtete es fast als eine Erlösung, daß derselbe 23. Aug. 1628 von einem verabschiedeten Leutnant, John Felton, aus Privatrache zu Portsmouth ermordet wurde. Der König ließ den Leichnam zu London in der Kapelle Heinrichs VII. beisetzen. Um die Universität Cambridge machte sich B. durch eine in Holland angekaufte Sammlung orientalischer Manuskripte verdient. Vgl. Gardiner, History of England under the duke of B. and Charles I., 1624-28 (Lond. 1874).

2) George Villiers, Herzog von, Sohn des vorigen, geb. 30. Jan. 1628 zu London, studierte in Cambridge, bereiste Frankreich, focht seit 1648 auf seiten der Royalisten und floh 1651 nach Frankreich, wo er sich bei den Belagerungen von Arras und Valenciennes auszeichnete. Dann ging er nach England zurück, wo er die Tochter des Lords Fairfax, der die ihm vom Parlament verliehenen Güter der Familie B. großmütig mit der Mutter des Herzogs teilte, heiratete und als Privatmann aus den Gütern seines Schwiegervaters lebte, bis er auf Befehl Cromwells 1658 in den Tower gebracht wurde. Erst nach Rich. Cromwells Rücktritt wurde er freigelassen. Karl II. ernannte ihn in rascher Folge zum Kammerherrn, Mitglied des Geheimen Rats, Lord-Lieutenant der Grafschaft York, Großstallmeister etc. und gab ihm seine Güter und den Herzogstitel zurück. 1669 war er Mitglied des absolutistischen und papistischen Cabalministeriums (s. d.), trat nach dessen Auflösung in das Parlament und erklärte sich gegen den Testeid und die vom König verfügte Parlamentsverlängerung, weshalb er sogar aus kurze Zeit im Tower saß. Nach Karls II. Tod zog er sich von allen öffentlichen Geschäften zurück und verfaßte unter andern Schriften ein Lustspiel: "The Rehearsal" (Lond. 1671), eine geistreiche Satire auf Drydens dramatische Modedichtung; auch beschäftigte er sich mit alchimistischen Experimenten, in denen wie in unsinnigen Ausschweifungen er sein Vermögen vergeudete. Mit seinem 16. April 1688 erfolgten Tod erlosch die Hauptlinie des alten Hauses Villiers; von Nebenzweigen desselben stammen die Grafen von Jersey und von Clarendon. Eine (unvollständige) Sammlung seiner Werke erschien in London zuletzt 1764 in 2 Bänden.

3) John Sheffield, Herzog von Normanby und B., als Dichter, Krieger und gewandter Hofmann bekannter Günstling Karls II. von England, geb. 1649 als Sohn des Grafen Edmund von Mulgrave, in Frankreich erzogen, ward 1672 zum Kapitän eines Kriegsschiffs und Obersten eines Infanterieregiments ernannt, diente dann kurze Zeit in Frankreich unter Turenne und wurde nach seiner Rückkehr Kommandant eines Gardekavallerieregiments, Lord-Lieutenant von Yorkshire und Gouverneur von Hull. Im J. 1608 befehligte er die 2000 Mann Hilfstruppen, welche das von den Mauren belagerte Tanger entsetzten. Als Jakob II. den Thron bestieg, wurde B. zum Mitglied des Geheimen Rats und zum Großkammerherrn ernannt, näherte sich der katholischen Kirche und ward Mitglied der kirchlichen Kommission, unterwarf sich aber nach Jakobs Flucht 1688 Wilhelm III., der ihn 1694 zum Marquis von Normanby und Mitglied des Kabinettsrats ernannte. Nach der Thronbesteigung der Königin Anna, nach deren Hand er früher einmal vergeblich gestrebt hatte, wurde er zum Geheimsiegelbewahrer und 1703 zum Herzog von Normanby und B. ernannt, legte aber, mit Marlborough zerfallen, seine Ämter nieder und ging zu den Tories über. 1710 wurde er nach Marlboroughs Sturz Lordkammerherr des königlichen Haushalts und Präsident des Geheimen Rats. Nach Annas Tod war er bis zur Ankunft Georgs I. von Hannover Mitglied der Regentschaft. Später trat er nur in der Opposition gelegentlich hervor und widmete sich der Ausarbeitung zweier Trauerspiele: "Cäsar" und "Brutus", unglücklicher Nachahmungen Shakespeares. Seine "Memoirs" sind geistreich, unterhaltend und elegant geschrieben. Seine Hauptwerke sind: "Essay on poetry" und "Essay on satire", voll Witz und Geschmack, aber ohne originale Schöpferkraft. Das erstere Gedicht verdankt viel der Feile des jungen Pope. Die gesammelten Werke erschienen zu London 1723 und 1729 (2 Bde.). Er starb 24. Febr. 1720; mit seinem einzigen Sohn, Edmund, erlosch 1735 das Haus Sheffield.

4) Richard Plantagenet, Herzog von B. und Chandos, geb. 11. Febr. 1797, führte bis 1822 den Namen Graf-Temple, von da an bis zum Tod seines Vaters, des am 17. Jan. 1839 verstorbenen Richard B., ersten Herzogs von B., den eines Marquis von Chandos. Er kam früh ins Parlament, wo er sich den Tories anschloß und für die Korngesetze und die Interessen der großen Grundbesitzer eintrat, machte sich aber zugleich bei der Landbevölkerung durch populäres, gastfreies Wesen so beliebt, daß er den Na-^[folgende Seite]