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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bulgarien

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Bulgarien (Geographisches, politische Einteilung, Bewohner).

chen; sie bilden seine zweite Religion, die sich an den vielen Festen und Feiertagen offenbart. Vgl. Kanitz, Donau-Bulgarien, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1879).

Bulgarien, selbständiges, aber tributpflichtiges Fürstentum in der europäischen Türkei unter der Suzeränität des Sultans, durch den Vertrag von Berlin vom 13. Juli 1878 dazu erhoben (s. Karte "Türkisches Reich" und "Rumänien"). Nach Artikel 2 desselben verläuft die Grenze Bulgariens von der Mündung des Timok längs des rechten Donauufers bis östlich von Silistria, von da in gerader (nach der spätern Festsetzung mehrfach sich krümmender) Linie nach der Küste des Schwarzen Meers südlich von Mangalia, dann längs der Küste des Schwarzen Meers bis südlich von Fyndykly, im Thal des Baches, an welchem die Dörfer Hodschaköj, Selamköj, Aiwadschyk etc. liegen, aufwärts, schneidet den Deli Kamtschyk unweit oberhalb seiner Mündung und folgt dann im allgemeinen in westlicher Richtung dem Kamm des Chodscha-Balkans bis zum Gipfel Kozitza. Von dort zieht sie in südwestlicher Richtung, Ichtiman und Banja aus-, Nowichan und Samakow einschließend, nach dem Kopetnik-Balkan, folgt dessen Kamm nach SW., zieht dann östlich, schneidet den Struma nördlich von Dschuma, schließt Köstendil ein und läuft endlich in vielfach aus- und eindringenden Winkeln zwischen 22° 20' und 22° 50' östl. L. v. Gr. nach N., bis sie bei dem Wachtturm Smiljawa Tschuka die alte serbische Grenze erreicht. Der Hauptsache nach liegt B. danach zwischen Donau und Balkan, umfaßt aber im SW. noch das Quellgebiet des Isker und der Struma und reicht dort bis fast an den 42. Breitengrad, im W. bis 22° 13' östl. L. v. Gr., im N. bis 44° 12' nördl. Br., im O. bis 28° 37' östl. L. v. Gr. Im W. grenzt es an Serbien, im N. an Rumänien, im O. an das Schwarze Meer, im S. an Ostrumelien und die Türkei.

Das Hauptgebirge des Landes ist der Balkan (s. d.), dessen Nordabhang zu B. gehört. Im SW. greift es über denselben hinüber und umschließt außerdem den einzeln über Sofia zu 2300 m ansteigenden Witosch und weiter südlich den Rilo (s. d.). Die Flüsse des Landes gehören mit wenigen Ausnahmen dem Donaugebiet an, so namentlich Cibritza, Ogust, Skit, Isker (s. d.), Wid (s. d.), Osma, Jantra (s. d.) und Lom. Zum Schwarzen Meer fließen der Prawadi Su und der Kamtschyk (s. d.). Außerdem umschließt B. das Quellgebiet der Struma (zum Ägeischen Meer) und des Timok (durch Serbien zur Donau). Von Seen findet sich außer einigen Sumpfseen längs der Donau nur der Dewno westlich von Warna. Das Land ist zur größern Hälfte gebirgig und hügelig. An Ebenen sind namentlich das Thalbecken von Sofia zu nennen und die Lößterrasse, welche unmittelbar südlich von der Donau 20-130 m senkrecht ansteigt und, ältere Gesteine (Kreide, kristallinische und eruptive Formationen) in großer Mächtigkeit überlagernd, sich weit südlich nach dem Balkan hin erstreckt. In dieselbe haben die im Sommer und Herbst wasserarmen Donauzuflüsse sich ihre Betten tief eingegraben. Über die Geologie, welche noch sehr der nähern Erforschung bedürftig ist, und für welche wichtige Beiträge von Professor Toula zu erwarten sind, vgl. Balkan.

Das Klima Bulgariens ist, vom Gebirge abgesehen, mild. Selbst im August steigt das Thermometer selten über 37° C., und im Winter erreicht die Kälte noch seltener -22° C. Die Nordseite des Balkans und der ganze Westen desselben haben rauheres Klima und frühe Winter. Die höchsten Gipfel sind mitunter schon im Oktober beschneit und bilden dann einen herrlichen Kontrast zu der noch in voller Frische prangenden Vegetation der Thäler und Hochebenen. Auf den Lößplateaus freilich erstirbt im Sommer das pflanzliche Leben. Das Klima ist im ganzen gesund, und der Fremde akklimatisiert sich leicht; nur die Donauniederungen bei Widdin und Silistria sind in der heißen Jahreszeit berüchtigte Fieberherde.

B., das im ganzen dem frühern türkischen Tuna-Wilajet entspricht, umfaßt ein Areal von 63,972 qkm (1161,8 QM.) mit einer Bevölkerung von 1,998,983 Einw. (nach der ersten Zählung vom 13. Jan. 1881), wovon höchstens ein Sechstel in Städten wohnt. Die Einteilung des Landes hat seit der russischen Okkupation schon drei- bis viermal gewechselt. Zuerst zerfiel B. in 5 Gouvernements und 31 Kreise, dann wurde es Anfang 1881 in 21 Kreise (Okružie) und 59 Arrondissements (Okolijas) geteilt, von letztern Anfang April 1881 neun eingezogen, Anfang Mai aber eins davon wieder errichtet. Am 23. Aug. 1882 hat der Staatsrat die bisherigen 21 Kreise auf 14 und die Arrondissements auf 56 reduziert; dieselben nebst ihrer für 1882 geschätzten (?) Bevölkerung sind:

Kreise Bewohner Kreise Bewohner

Sofia (8 Arrond.) 226490 Rasgrad (3) 121412

Tirnowo (5) 216731 Lom-Palanka (3) 102983

Schumna (5) 178725 Silistria (3) 101225

Warna (5) 169270 Widdin (3) 99926

Wratza (4) 160503 Sewliewo (3) 119254

Köstendil (4) 143172 Swischtow (2) 76680

Rustschuk (4) 132613 Plewna (4) 155039

Zusammen: 2004023

Davon waren nach den vorläufigen Zählungsresultaten 51,2 Proz. männlichen und 48,8 Proz. weiblichen Geschlechts; auf 1 qkm kommen 36 Menschen. Die Zahl der Haushaltungen wurde zu 349,905, die der Häuser zu 339,870 angegeben. Die Auswanderung ist in den letzten Jahren besonders unter den Bekennern des Islam stark gewesen; über Warna sollen in den ersten fünf Monaten 1883 über 100,000 Personen ausgewandert sein. Von den 1387 Gemeinden Bulgariens sind die volkreichsten und wichtigsten: Rustschuk mit 26,867, Warna mit 24,649, Schumen oder Schumla mit 22,921 und Sofia, die Hauptstadt, mit 20,541 Einw.; 9 haben zwischen 20,000 und 10,000, 3 zwischen 10,000 und 8000, 10 zwischen 8000 und 6000, 4 zwischen 6000 und 5000 Einw. Der Nationalität nach befinden sich unter je 1000 Einw. im Durchschnitt 667 Bulgaren, 306 Türken, 13 Rumänen, 5 Griechen, 5 Juden, 3 Deutsche. In den Kreisen Trn und Wratza gibt es nur Bulgaren, im westlichen Balkan machen sie über 94 Proz. der Gesamtbevölkerung aus; Türken finden sich namentlich in den östlichen Kreisen Eski Dschumaja (79,4 Proz.) und Silistria (75 Proz.) und bilden mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Schumen, Prowadia, Rasgrad und Rustschuk; Rumänen finden sich namentlich im Kreis Rahowo. Der Religion nach sind unter 1000 Einw. 688 Christen (fast durchweg griechisch-orientalische), 307 Mohammedaner und 5 Juden. Ein Teil der Bulgaren im Kreis Lowetsch, die sogen. Pomaken, bekennt sich zum Islam. Weiteres s. Bulgaren.

Bildung. Bis 1878 gab es in B. nur Schulen privaten Charakters, deren erste 1835 errichtet worden war. Seit 1879 gibt es einen eignen Unterrichtsminister. Dem Prinzip nach ist der Schulbesuch vier Jahre lang obligatorisch; doch da es keine bezüglichen Spezialgesetze gibt, so kommt vieles auf den guten Willen der Bevölkerung an. Unter dem Minister stehen 16 Schulinspektoren für ebenso viele Schulbezirke. Im Schuljahr 1878/79 gab es 1088 bulgarische Volksschulen, 1880/81 schon 1365 mit 1580