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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buochs; Buol-Schauenstein; Buon; Buonaccorsi; Buonarróti; Buoncompagni

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Buochs - Buoncompagni.

der ersten Teilung Schlesiens gehörte B. zum Herzogtum Glogau, später kam es zu Jauer. 1427 wurde es von den Hussiten erstürmt. Die Reformation fand schon 1524 in B. Eingang. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es von den Truppen beider Parteien wiederholt geplündert, und 1739 brannte es fast ganz ab. Am 30. Aug. 1813 bestanden hier die auf dem Rückzug von der Katzbach befindlichen Franzosen gegen Tetle der schlesischen Armee ein unglückliches Gefecht. Vgl. Dewitz, Geschichte des Kreises B. (Bunzl. 1884 ff.). -

2) Jungbunzlau (tschech. Mladà Boleslav), Stadt in Böhmen, an der Iser, Knotenpunkt der Österreich. Nordwestbahn und der Turnau-Kralup-Prager Bahn, teilt sich in die Alt- und Neustadt und zwei Vorstädte, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts, hat ein altes und ein neues Rathaus, 4 Kirchen, eine Kaserne (ehedem Schloß, 975 von Boleslaw II. gebaut), ein Piaristenkollegium mit einem Obergymnasium, eine gewerbliche Fortbildungsschule, Fabrikation von Wollwaren, Stärke, Zucker, Spiritus, Bier, Malz und Mehl, bedeutenden Handel, eine Sparkasse (2,9 Mill. Fl. Einlagen), Gasanstalt, Wasserleitung und einschließlich der Garnison (ein Infanterieregiment) (1880) 9681 Einw. Nördlich von B. an der Iser die großartige Kattundruckerei Josephsthal und dabei das Städtchen Kosmanos mit Schloß, Irrenanstalt und (1880) 2469 Einw. - B. wurde um 995 von Boleslaw II. gegründet und hatte seine Blütezeit im 16. Jahrh. Die Böhmischen Brüder hatten hier eine ihrer Hauptgemeinden, einen Bischofsitz und eine berühmte Schule. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde die Stadt gewaltsam katholisiert und kam während des Kriegs so herunter, daß sie sich erst nach langer Zeit zu erholen vermochte. -

3) Altbunzlau (tschech. Starà Boleslav), Marktflecken in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Karolinenthal, am rechten Ufer der Elbe und an der Österreichischen Nordwestbahn (Linie Wien-Tetschen), durch eine Brücke mit Brandeis verbunden, hat eine Kollegiatkirche (von 1036) mit Kapitel und (1880) 3531 Einw. Am Thor der Kollegiatkirche wurde der heil. Wenzel 935 von seinem Bruder Boleslaw ermordet; deshalb Ziel zahlreicher Wallfahrten.

Buochs, Dorf im schweizer. Kanton Unterwalden, an der Mündung der Engelberger Aa in den Vierwaldstätter See (dessen mittlerer Teil südlich vom Rigi Buochser See heißt), am Fuß des 1523 m hohen Buochser Horns, mit (1880) 1427 Einw. Der Ort hat Seidenindustrie (Spinnerei und Kämmlerei) und ist durch den sommerlichen Touristenzug belebt, noch mehr jedoch der benachbarte Uferort Beckenried (1542 Einw.), der hübsch gelegene Landungsplatz für den Kurort Schöneck (790 m ü. M.) sowie für das hoch über dem Rütli thronende Seelisberg (801 m ü. M.), zu dessen Kurhaus "Sonnenberg" die Straße über Emmatten durch ein liebliches Waldthal führt.

Buol-Schauenstein, 1) Johann Rudolf, Graf von, österreich. Diplomat, geb. 21. Nov. 1763, aus einem ursprünglich graubündischen Adelsgeschlecht, welches 1690 die Reichsfreiherrenwürde erhielt, ward 1790 Gesandter im Haag, 1792 zu Basel, 1794 Direktorialminister in Regensburg, später Gesandter am sächsischen Hofe, fungierte 1815-22 als erster Präsident des Bundestags, ging dann als Gesandter nach Karlsruhe und 1833 nach Stuttgart. Er starb als k. k. Wirkl. Geheimer Rat, Staatsminister und Präsident der Hofkommission in Wien im Februar 1834.

2) Karl Ferdinand, Graf von, österreich. Minister, Sohn des vorigen, geb. 17. Mai 1797, ward 1828 Gesandter in Karlsruhe, 1838 in Stuttgart, 1844 in Turin und 1848 in Petersburg, wo er während des ungarischen Revolutionskriegs eine sehr wichtige Stellung innehatte. Auch war er 1850 neben Fürst Schwarzenberg Vertreter Österreichs bei den Dresdener Konferenzen. 1851 wurde er Gesandter in London, wo er für Herstellung eines guten Einvernehmens zwischen Österreich und England bemüht war. Nach dem Tode des Fürsten Schwarzenberg 11. April 1852 zum Minister des Auswärtigen und des kaiserlichen Hauses sowie zum Präsidenten bei den Ministerkonferenzen ernannt, suchte er möglichste Mäßigung zu bewahren und das friedliche Verhältnis nach allen Seiten zu erhalten. Doch war seine Vermittelungspolitik nicht immer glücklich, am wenigsten im Krimkrieg; die Isolierung und Schwächung Österreichs war hauptsächlich eine Folge der Haltung desselben in der orientalischen Frage. 1855 führte er das Präsidium bei den Wiener Konferenzen und vertrat sodann Österreich beim Pariser Kongreß, wo er den Friedensvertrag vom 30. März 1856 unterzeichnete. Im Mai 1859 seines Ministerpostens enthoben, lebte er auf seinen Gütern und starb 28. Okt. 1865 in Wien.

Buon, ital. Architekten- und Bildhauerfamilie, seit etwa 1430-1530 in Venedig thätig. Während Giovanni B. (ca. 1375 bis ca. 1445) und sein Sohn Bartolommeo B. (ca. 1410 bis ca. 1470) noch im gotischen Stil die Porta della Carta und die anstoßende Halle des Dogenpalastes erbauten und an der Kirche Santa Maria dell' Orto arbeiteten, schloß sich Bartolommeo der jüngere (ca. 1450-1529) der Frührenaissance an, in welchem Stil er Teile des Dogenpalastes ausführte und den Bau der mit plastischen Reichtum überfüllten Scuola di San Rocco begann.

Buonaccorsi, Pietro, Maler, s. Vaga.

Buonarróti, 1) Michelangelo, s. Michelangelo.

2) Filippo, eifriger Anhänger der franz. Revolution, geb. 11. Nov. 1761 zu Pisa, war dort seit 1782 Advokat, wirkte unermüdlich für Rousseaus Ideen und gründete 1787 ein oppositionelles Journal, wurde daher aus Toscana verbannt und begab sich nach Corsica, wo er für die französischen Interessen wirkte und ein Blatt: "L'ami de la liberté italiennes" gründete. Im Mai 1793 bewirkte er in Paris die Vereinigung der kleinen Insel San Pietro mit der französischen Republik und ward selbst zum französischen Bürger ernannt. Seitdem war er unermüdlich für eine Verbindung Italiens mit Frankreich thätig. Nach Robespierres Sturz als dessen vertrauter Freund verhaftet, doch wieder entlassen, gründete er die Panthéonsgesellschaft zur Wiederherstellung der Konstitution von 1793 mit Babeuf (s. d.), an dessen Verschwörung er sich 1796 beteiligte. Nach deren Entdeckung ward er zu lebenslänglicher Deportation verurteilt, 1800 auf die Insel Oléron gebracht, vom Ersten Konsul jedoch als unschädlicher politischer Phantast in einer kleinen Stadt Ostfrankreichs unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Später begab sich B. nach Genf und von da nach Brüssel, wo er sein Buch "Conspiration de Babeuf" (Brüss. 1828) schrieb. Nach der Julirevolution nach Paris zurückgekehrt, nährte er sich ärmlich als Musiklehrer und starb 15. Sept. 1837.

Buoncompagni (spr. -pänji), 1) Baldassare, Gelehrter, geb. 10. Mai 1821 zu Rom als Sprößling des Fürstenhauses von Piombino, erhielt seine erste Bildung durch den gelehrten Abbate Domenico Santucci und widmete sich dann vorzugsweise mathematischen und physikalischen Studien. 1847 ward er Mitglied der Akademie der Nuovi Lincei und bald darauf Bibliothekar derselben. Durch seine gelehrten