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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burgos

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Burgos.

meister, ward 1806 Musikdirektor in Düsseldorf und starb als solcher 21. Aug. 1824, nachdem er noch an der Gründung der seit 1818 alljährlich stattfindenden niederrheinischen Musikfeste eifrigen Anteil genommen. - Von seinen Söhnen war der ältere, Friedrich B., geb. 1804 zu Regensburg, seit 1832 in Paris als Klavierlehrer und Komponist wirksam und hat sich durch seine leicht ansprechenden und auszuführenden Klavierkompositionen, unter denen sich die "Kinder-Etüden" auszeichnen, in den weitesten Kreisen bekannt gemacht. Er starb im Februar 1874 zu Beaulieu in Frankreich. Ungleich höher begabt als er war sein jüngerer Bruder, Norbert B., geb. 8. Febr. 1810 zu Düsseldorf, der nach gründlichen Kompositionsstudien bei Spohr und Hauptmann in Kassel eine für seine kurze Lebensdauer (er starb schon 7. Mai 1836 in Burtscheid bei Aachen) erstaunliche Produktivität entfaltete. Von seinen fast durchweg hochbedeutenden Werken (Symphonien, Klavierkonzerte, eine Rhapsodie, eine Sonate, Quartette etc.) ist neuerdings eine Auswahl erschienen. Von seinen Liedern berichtet unter andern R. Schumann in seinen "Gesammelten Schriften" (Bd. 3) mit höchster Anerkennung. - Der als Arrangeur von Opernpotpourris bekannte François B. gehört nicht zur obigen Familie.

Burgos, span. Provinz in Altkastilien, grenzt im N. an die Provinzen Santander und Viscaya, im O. an Alava und Logrono, im S. an Soria und Segovia, im W. an Valladolid und Palencia und hat ein Areal von 14,635 qkm (265,8 QM.). Das im allgemeinen gebirgige Land wird im N. vom Kantabrischen Gebirge, im SO. von den zum iberischen Gebirgssystem gehörigen Sierras de la Demanda und de Urbion, im zentralen Teil von den niedrigern Bergzügen Sierra de Oca, Montes Obarenes etc. durchzogen. Diese großenteils unbewaldeten Bergzüge enthalten ausgezeichnetes Weideland und reiche Lager von Erzen und Kohlen, welche aber noch wenig ausgebeutet werden. Auch das Hügelland hat wenig Bäume, dagegen viel Gebüsch und ausgedehnte Triften. Die wichtigsten Flüsse sind: der Ebro, der Duero und dessen Nebenfluß Pisuerga mit Arlanzon und Arlanza. Das Klima ist rauh, Schneefällen und heftigen Winden unterworfen. Die Bevölkerung beläuft sich (1883) auf 337,110 Einw., 23 auf das QKilometer. Die Hauptprodukte der Provinz sind Getreide, namentlich Roggen, dann Wein, etwas Obst und Gemüse. Die stark betriebene Viehzucht liefert namentlich Wolle, Käse und Leder; der Bergbau ergibt Salz, Kupfer und Silber. Die in frühern Jahrhunderten blühende Industrie ist jetzt von geringer Bedeutung. Als Hauptkommunikation dient die von Madrid über B. nach Frankreich führende Nordbahnlinie. Die Provinz umfaßt zwölf Gerichtsbezirke (darunter Aranda de Duero, Lerma und Miranda de Ebro).

Die gleichnamige Hauptstadt, amphitheatralisch an einem Hügel am rechten Ufer des Arlanzon und an der Spanischen Nordbahn liegend, hat eine verfallene Citadelle (die ehemalige Zwingburg der kastilischen Könige), 9 Thore und 9 öffentliche Plätze (einen mit König Karls III. Statue). Das hervorragendste Baudenkmal ist die schöne gotische Kathedrale (s. Tafel "Baukunst X", Fig. 4) aus dem 13. Jahrh., welcher in den Jahren 1442-56 von dem deutschen Meister Johann von Köln eine reich ausgestattete Fassade und zwei 90 m hohe Türme mit durchbrochenen Helmen, ferner im Jahr 1487 eine prächtig dekorierte Kapelle mit den Grabmälern des Connetable Velasco von Kastilien und seiner Gemahlin hinzugefügt wurden. Außerdem sind mehrere andre Kirchen, der erzbischöfliche Palast, das Rathaus und der zu Ehren des ersten Grafen von Kastilien, Fernando Gonzalez, errichtete Triumphbogen sehenswerte Bauten. Links am Arlanzon liegt die große Vorstadt La Vega, im W. die Vorstädte Las Huelgas und San Pedro, welche der Fluß, über den drei Brücken führen, scheidet. Die Stadt zählt (1884) 28,836 Einw. Vormals eine durch Industrie und Handel blühende Stadt, ist sie durch die unaufhörlichen Bürgerkriege gänzlich herabgekommen. Hervorragendere Erwerbszweige sind nur der Woll- und Käsehandel und die Tuchfabrikation. B. ist Sitz eines Gouverneurs, eines Erzbischofs und eines Appellationsgerichts, ist einer der ersten Waffenplätze Spaniens, hat 2 Kollegien, ein Seminar, eine chirurgische Schule, Kunstakademie, mehrere Hospitäler und Armenhäuser, ein Blinden- und Taubstummeninstitut. Bei B. liegt die Abtei Santa Maria de las Huelgas, von Alfons IX. für 150 adlige Nonnen gestiftet, deren Äbtissin Bischofsrechte und die Herrschaft über 17 Klöster, 14 Städte und 50 Dörfer hatte. B. (oder vielmehr der benachbarte Flecken Vivar) ist der Geburtsort des spanischen Nationalhelden Cid (s. d.), dem an der Stelle seines Wohnhauses ein Denkmal gesetzt worden ist, und dessen Gebeine gleich denen seiner Gemahlin Irmena sich bis 1842 in dem 8 km entfernten ehemaligen Kloster San Pedro de Cardena befanden, seither aber im Rathaus von B. ruhen. Unfern der Stadt befindet sich auch die berühmte Kartause Miraflores mit den Grabmälern König Johanns II. und seiner Gemahlin. - B. wurde im 9. oder 10. Jahrh. an der Stelle der zerstörten Stadt Cauca (Auca) oder des alten Deobrigula erbaut und die Residenz der Grafen und Könige von Altkastilien. Alfons VI. verlegte den Bischofsitz von Gamonal hierher, und 1574 wurde B. zu einem Erzbistum erhoben. In der neuern Kriegsgeschichte ist die Stadt merkwürdig durch den Sieg der Franzosen (40,000 Mann) unter Soult über die Spanier (20,000 Mann) unter dem Marquis von Belveder 10. Nov. 1808 und durch die erfolglose Belagerung durch Wellington 19. Sept. bis 29. Okt. 1812.

Burgos, Francisco Javier de, span. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 22. Okt. 1778 zu Motril in der Provinz Granada, widmete sich der Theologie, dann der Jurisprudenz, ward unter König Joseph Bonaparte Unterpräfekt von Almeria und mußte beim Sturz der französischen Herrschaft nach Frankreich fliehen, wo er den Horaz übersetzte und kommentierte (1820-24, 4 Bde.) und ältere spanische Werke herausgab. 1817 nach Spanien zurückgekehrt, redigierte er seit 1819 eine Zeitschrift: "Miscelanea de comercio, artes y literatura", der er 1820 einen politischen Teil hinzufügte. Als angesehener Publizist erhielt er auch die Redaktion des "Imparcial". Nachdem er 1824 die Guebhardsche Anleihe in Paris negoziiert und dem König einen freimütigen Bericht über die innere Lage Spaniens und die Mittel zu ihrer Heilung vorgelegt hatte, wurde er 1827 Intendant beim Zollrat, dann Oberfinanzrat und Mitglied der spanischen Akademie der Wissenschaften. Seine damals ausgeführte, zehn Jahre früher verfaßte Komödie "Las tres iguales" sollte das klassische spanische Lustspiel verjüngen, ebenso die Stücke: "El baile de Máscara" und "El optimista y el pesimista". 1835 von der Regentin Christine zum Minister des Innern ernannt, entwickelte er eine außerordentliche organisatorische Thätigkeit und übernahm später auch das Portefeuille der Finanzen. Dem Ministerium Martinez de la Rosa gehörte er ebenfalls an und nahm,