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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burke

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Burke.

Als Rockingham aus dem Ministerium schied, trat B. in entschiedene Opposition gegen das Kabinett Pitt. Damals gab er sein "Short account of a late short administration" (1766) heraus. 1768 verteidigte er, als Wilkes aus dem Parlament ausgestoßen werden sollte, die Unverletzlichkeit des Wahlrechts und schrieb "Thoughts on the cause of the present discontents" (1773), worin er seine Ansichten über die englische Konstitution niederlegte und den Vorschlag machte, hervorragende Männer der Whigpartei in oligarchischer Weise an die Spitze der Regierung zu stellen. Die Versuche, die amerikanischen Kolonien ohne ihre Einwilligung zu besteuern, fanden an B. fortgesetzt den entschiedensten Gegner, so daß ihn 1771 die Kolonie New York zu ihrem Agenten in London ernannte. Bei den Neuwahlen von 1774 wurde er für Bristol gewählt, und in dem neuen Parlament ward die enge Verbindung zwischen ihm und Fox begründet, die bis zur französischen Revolution dauerte. Am 22. März 1775 legte B. dem Parlament 13 Vorschläge vor, um die Zwistigkeiten mit den Kolonien beizulegen, was aber durch die ministerielle Majorität vereitelt wurde. 1780 ward er von Bristol nicht wieder gewählt, weil er für die Beseitigung der Schranken, welche den Handel Irlands fesselten, und für die Aufhebung der Strafgesetze gegen die englischen Katholiken gewirkt hatte; doch wählte ihn Malton. Unter Rockingham, der im März 1782 wieder ans Staatsruder trat, wurde B. Mitglied des Geheimen Rats und Generalzahlmeister der Armee, dessen Gehalt er in uneigennützigster Weise zu gunsten des Schatzes verkürzte; eine von ihm durchgesetzte ökonomische Reformbill bewirkte eine Ersparnis von 80,000 Pfd. Sterl. im Staatshaushalt. Da das nach Rockinghams Tod gebildete Ministerium Shelburne in die völlige Unabhängigkeit Amerikas nicht willigte, trat B. mit Fox, Lord Cavendish u. a. wieder zur Opposition, gehörte indes dem 1783 gebildeten Koalitionsministerium wieder als Generalzahlmeister an. Als aber die von Fox eingebrachte Bill zur Änderung der Regierung Indiens verworfen wurde, trat das Ministerium noch im Jahr 1783 ab, und B., seit 1784 Rektor der Universität zu Glasgow, hat seitdem der Regierung nicht wieder angehört. Dagegen behielt er im Parlament eine sehr einflußreiche Wirksamkeit. Er veranlaßte und leitete die Anklage, die 1785 vom Unterhaus gegen den ostindischen Generalgouverneur Warren Hastings wegen Erpressung und Tyrannei gegen die indischen Fürsten erhoben wurde; der Prozeß dauerte bis 1795, endigte aber mit der Freisprechung Hastings', dessen Schuld nicht ausreichend zu erweisen war. Burkes Popularität gewann nicht durch diesen Prozeß, da man die Heftigkeit seines Auftretens aus persönlicher Gereiztheit erklärte. Bei Verhandlung des Handelstraktats mit Frankreich (Januar 1787) griff er Pitt mit scharfen Waffen des Spottes an und bekämpfte 1788 in rücksichtsloser Weise die Einsetzung einer Regentschaft für den kranken, altersschwachen Georg III. Mit der französischen Revolution konnte B. sich nicht befreunden, da dieselbe alle Grundlagen eines gesunden Staatswesens umzustürzen schien; er trennte sich von Fox, als dieser in der Revolution ein glorreiches Ereignis erblickte, und bekämpfte mit Leidenschaft alles, was von Frankreich kam, sowohl in Reden als auch in seinem Werk "Reflections on the revolution in France" (Lond. 1790; deutsch von Gentz, Berl. 1793, 2 Bde.; 3. Aufl. 1838). Er trat jetzt entschieden zur Regierungspartei über und nahm 1793 von Georg III. eine Pension von 2500 Pfd. Sterl. an, verteidigte sich aber energisch gegen den Vorwurf, daß er sich damit der Bestechung zugänglich gezeigt habe. 1794 trat er aus dem Parlament und zog sich auf seine Villa Beaconsfield zurück, schrieb aber auch da noch für Fortsetzung des Kriegs gegen Frankreich die Schrift "Thoughts on a regicide peace" (1796). Die Peerschaft schlug er aus. Als eine Verteidigung seines politischen Lebens veröffentlichte er 1796 ein "Sendschreiben an Lord Fitzwilliam", welches in kurzer Zeit 16 Auflagen erlebte. Er starb in Beaconsfield 8. Juli 1797. Eine vollständige Sammlung seiner Schriften ward von Lord Fitzwilliam und Sir R. Burke (Lond. 1826-44, 20 Bde.) herausgegeben, seine Reden erschienen gesammelt 1816, 4 Bde. Vgl. J. ^[James] Prior, Memoir on the life and character of E. B. (4. Aufl., Lond. 1854, 2 Bde.); Macknight, Life and times of B. (das. 1861, 3 Bde.); Morley, Edmund B., a historical study (das. 1867); Derselbe, E. B. (Biographie, das. 1879); Robertson, Letters on the life, writings and times of E. B. (Dubl. 1876).

2) William, berüchtigter Mörder und Leichenverkäufer, ein Schuhmacher zu Edinburg, aus Irland gebürtig, nährte sich zum Teil dadurch, daß er, gleich den sogen. Auferstehungsmännern (s. d.), heimlich Leichen von den Kirchhöfen entwendete und an Ärzte verkaufte. Bald aber ward ihm dies Geschäft zu mühsam, und er erdrosselte 1828 nach und nach mit Hilfe seines Nachbars Hare 16 Personen, deren Leichen er an den Arzt Knox in Edinburg zum Behuf anatomischer Untersuchung verkaufte. B. wurde 1828 hingerichtet; burken heißt seitdem s. v. w. heimlich morden. Vgl. Mac Gregor, History of B. and Hare (Glasgow 1884).

3) Sir John Bernard, engl. Genealog und Heraldiker, geb. 1815 zu London, ward am Collège von Caen in der Normandie erzogen und 1839 Advokat im Middle Temple. 1853 erhielt er die Würde eines Wappenkönigs von Ulster und 1854 die Doktorwürde von der Universität Dublin; in demselben Jahr wurde er in den Ritterstand erhoben und 1868 zum Ritter des Bathordens ernannt. Die wichtigsten seiner zahlreichen Werke sind: "Dormant, abeyant and extinct peerages of the British empire" (neue Ausg. 1883); "Genealogical and heraldic dictionary of the landed gentry" (6. Aufl. 1883); "Anecdotes of the aristocracy" (1850); "Family romance, episodes in the domestic annals of the aristocracy" (3. Aufl. 1861); "The book of the orders of knighthood" (1858); "Vicissitudes of families" (neue Ausg. 1883); "The book of precedence" (1881); "General armory of England etc." (1883). Sein Hauptverdienst beruht in der Herausgabe des von seinem Vater John B. (gest. 1848) 1831 begründeten genealogischen Almanachs "Peerage and baronetage of the British empire", dessen jährliche Ausgaben (47. Aufl. 1885) er seit dem Tod seines Vaters allein besorgt.

4) Robert O'Hara, brit. Forschungsreisender in Australien, geb. 1821 zu St. Clevans in der irischen Grafschaft Galway, war für die militärische Laufbahn bestimmt und bildete sich auf der Akademie von Woolwich, dann in Belgien aus, worauf er in das österreichische Husarenregiment Radetzky eintrat. Zum Rittmeister vorgerückt, verließ er 1848 den österreichischen Dienst und kehrte nach Irland zurück, wo er ein Kommando in dem reitenden Konstablerkorps erhielt. Im J. 1853 ward er als Inspektor zur Polizei nach Melbourne in Australien versetzt und erhielt 1858 die ehrenvolle Aufforderung, die Führung einer großen Expedition zur Durchquerung des Kontinents zu übernehmen. B. kam dieser Aufforderung bereitwilligst nach, doch zeigte sich in der Folge, daß er einer sol-^[folgende Seite]