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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burlesk; Burletta; Burlingame; Burlington; Burlus; Burm.; Burmann

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Burlesk - Burmann.

Marias der Katholischen legte er seine Stelle nieder, wurde aber 1558 von Elisabeth wieder zum Staatssekretär und 1572 zum Großschatzmeister ernannt. Durch seine geschäftliche Haltung und persönliche Bedeutung von der königlichen Laune unabhängig, übte er viele Jahre den größten Einfluß auf die Regierung aus. Er stellte den Protestantismus in England wieder her, ließ durch das Parlament die Legitimität Elisabeths aussprechen, bewog die Königin 1568 zur Gefangenhaltung der um Schutz flehenden Maria Stuart und setzte (nach Entdeckung mehrerer papistischer Verschwörungen) die Hinrichtung derselben durch. Die auswärtige Politik Elisabeths, namentlich die Unterstützung des Aufstandes der Niederlande und die Bekämpfung der katholischen Restauration, mit welcher Philipp II. ganz Europa bedrohte, wurde wesentlich von ihm bestimmt, und die Erfolge dieser Politik sind zum großen Teil sein Verdienst. Seine innere Verwaltung war nicht minder geschickt, und namentlich für die Ordnung des Finanzwesens sorgte er mit Eifer und Erfolg. Im J. 1571 wurde er von Elisabeth zum Peer und Lord B. erhoben. Er starb 15. Aug. 1598, nachdem er 40 Jahre erster Minister gewesen war und bis zuletzt das volle Vertrauen der Königin besessen hatte. Von seinem ältesten Sohn, Thomas, stammt das Haus der Marquis von Exeter, von seinem zweiten Sohn, Robert, Staatssekretär unter Elisabeth und Großschatzmeister unter Jakob I., gest. 1612, das der jetzigen Marquis von Salisbury ab. Vgl. Nares, Memoirs of the life and administration of William Cecil. Lord B. (Lond. 1828-1832, 3 Bde.).

Burlesk (vom ital. burla, "Spott") unterscheidet sich vom Komischen überhaupt dadurch, daß es nicht nur Lachen zu erregen, sondern vielmehr andre lächerlich zu machen sucht, vom Feinkomischen insbesondere dadurch, daß es zur Erreichung dieses Zwecks niedrige Mittel nicht ausschließt. Durch erstere Eigenschaft ist das Burleske, wenn man von dem ihm fehlenden sittlichen Hintergrund absieht, mehr der Satire als dem reinen Schwank oder der auf bloße Lustigkeit abzielenden Posse verwandt; durch letztere Eigenschaft ist der Gebrauch aller Mittel, das Lächerlichwerden hervorzubringen, in vergrößertem Maßstab, Übertreibung äußerer wie innerer Deformität, ja selbst das Cynische und Ekelhafte zugelassen. Alle Künste daher, welche den Menschen darstellen, entweder direkt durch lebendige Menschen, wie die mimische Kunst, und sichtbare Bilder von solchen, wie die Bildner- und Malerkunst, oder indirekt durch das (gesprochene oder geschriebene) Wort, wie die dramatische und epische, insbesondere die Romanpoesie, vertragen das Burleske, während die Architektur es ausschließt, die Musik nur in Verbindung mit Text und Tanz oder doch wenigstens (wie in Haydns pastoralen Scherzos) nur durch Ideenverknüpfung mit solchen dasselbe gestattet. Goldoni und Gozzi, Goethe (im "Pater Brey" und "Götter, Helden und Wieland") haben in der dramatischen Burleske, Scarron, Rabelais und Fischart im burlesken Roman, Blumauer in der burlesken Travestierung des heroischen Epos sich ausgezeichnet. Vgl. Flögel, Geschichte des Burlesken (Leipz. 1793).

Burletta (ital.), kleines Lust- und Possenspiel.

Burlingame (spr. börrlingehm), Anson, amerikan. Staatsmann, geb. 14. Nov. 1822 zu Neuberlin in Chenango County im Staat New York, verbrachte seine Jugendjahre größtenteils an den westlichen Grenzen der Union, an Vermessungsarbeiten teilnehmend und mit Indianerstämmen Verträge abschließend, studierte aber dann auf der Harvard-Universität zu Cambridge Rechtswissenschaft und praktizierte als Advokat in Boston. 1852 betrat er die politische Laufbahn und ward in den Staatssenat von Massachusetts gewählt. Als Mitglied der republikanischen Partei that er sich im Kongreß hervor, unterstützte die Wahl Abraham Lincolns 1860 und wurde von diesem 1861 zum amerikanischen Gesandten in Wien ernannt, trat jedoch, da er als Freund Italiens der österreichischen Regierung nicht genehm war, diese Stelle nicht an und ging als Gesandter nach China. Hier gewann er das Zutrauen der chinesischen Regierung in solchem Grade, daß er unter Verleihung der höchsten chinesischen Würden beauftragt wurde, "zu den mächtigen Nationen der Erde zu gehen und sie zu bereden, so an den Chinesen zu handeln, wie sie selbst von den Chinesen behandelt zu sein wünschten". So trat er im Februar 1868 seine Reise nach den Vereinigten Staaten und nach Europa an und schloß eine Reihe von Verträgen, z. B. mit der nordamerikanischen Union, mit Frankreich, England und Preußen, im Namen Chinas ab. Als er mit der russischen Regierung Verhandlungen angeknüpft hatte, starb er 23. Febr. 1870 in Petersburg.

Burlington (spr. börr-), 1) Stadt im nordamerikan. Staat New Jersey, am Delaware, 16 km oberhalb Philadelphia, hat ein College der Episkopalen, ein Irrenhaus, lebhaften Handel und (1880) 6090 Einw. B. ward 1667 gegründet und hieß ursprünglich New Beverley. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Vermont, am Champlainsee malerisch gelegen, mit vorzüglichem Hafen (dem besten am See), lebhaftem Holzhandel und (1880) 11,365 Einw. B. ist Sitz der Universität des Staats (1791 gegründet) und hat ein Heim für arme Kinder. -

3) Stadt im nordamerikan. Staat Iowa, Grafschaft Des Moines, am Mississippi, über den eine Eisenbahnbrücke führt, ist hübsch gebaut und hat (1880) 19,450 Einw. B. ist Sitz einer Universität der Baptisten, hat Gießereien, Mühlen und Schweineschlächtereien und lebhaften Handel. Obst- und Weingärten umgeben die 1833 von Deutschen gegründete Stadt.

Burlus (Burollos, Burlos), salziger Lagunensee in Unterägypten, im Nildelta, östlich von Rosette, vom Mittelmeer durch eine schmale sandige Landzunge getrennt, an 60 km lang und etwa 24 km breit, 112,000 Hektar groß, aber sehr seicht, zieht sich von W. nach O. mehr als die halbe Basis des Delta entlang und nimmt mehrere Nilkanäle auf. Er ist sehr fischreich und dadurch sehr einträglich für den Fiskus. Durch die sebennytische Mündung steht der See mit dem Meer in Verbindung.

Burm., 1) bei zoolog. Namen Abkürzung für H. Burmeister (s. d.). -

2) Bei botan. Namen Abkürzung für J. ^[Johannes] Burmann, geb. 1706 zu Amsterdam, starb 1780 daselbst als Professor der Botanik, schrieb: "Rumphii herbarium amboinense"; "Thesaurus ceylanicus"; "Flora malabarica".

Burmann, niederländ. Gelehrtenfamilie, welche ursprünglich aus Köln stammt. Bemerkenswert sind:

1) Peter, genannt der ältere, Philolog, geb. 26. Juni 1668 zu Utrecht, studierte hier und in Leiden bis 1688 die Rechte und Humaniora, bereiste Deutschland und die Schweiz, praktizierte dann in Utrecht als Rechtsanwalt, ohne jedoch den klassischen Studien untreu zu werden, ward 1696 Professor der Geschichte und Beredsamkeit, später der griechischen Sprache und Politik an der Universität zu Utrecht, 1715 Professor der Geschichte, Beredsamkeit und griechischen Sprache zu Leiden und starb 31. März 1741 daselbst. Ohne