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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burnet; Burnett; Burnettisieren; Burney

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Burnet - Burney.

Entlassung des russischen Agenten zu bewegen, u. ward 24. April 1838 nach Simla zurückberufen, wo er den Generalgouverneur mit Vorbereitungen beschäftigt fand, Schah Sudschah in Afghanistan wieder einzusetzen. Nachdem dies im September 1839 gelungen, wurde B., der inzwischen zum Ritter und Oberstleutnant ernannt worden war, politischer Agent der englischen Regierung in Kabul und fand hier 2. Nov. 1841 bei dem Aufstand der Afghanen seinen Tod. Während seines Aufenthalts in Kabul 1836-38 hatte er die Materialien zu seinem reichhaltigen Werk "Cabool, being a narrative of a journey to and residence in that city" (Lond. 1842; deutsch, Leipz. 1843) gesammelt.

Burnet (spr. boruet), 1) Gilbert, engl. Theolog und Historiker, geb. 18. Sept. 1643 zu Edinburg aus streng royalistischem Hause, studierte Jurisprudenz, dann Theologie, bereiste Holland (1664) und ward 1665 Pfarrer zu Saltoun in Schottland. Seine "Gespräche zwischen einem Konformisten und Nonkonformisten" (1669) führten ihn in den Kampf der religiösen Parteien. 1669 als Professor der Theologie nach Glasgow berufen, verteidigte er das Ansehen der Bischöfe gegen die Presbyterianer und die Duldung der Dissenters gegen die Episkopalen, machte sich aber durch seine toleranten Grundsätze bei beiden Parteien mißliebig. Seine Verteidigung der souveränen Macht der schottischen Krone (gegen Buchanans berühmtes Werk "De jure regni apud Scotos") erwarb ihm die Gunst König Karls II., die er aber durch seinen Freimut und seinen antipapistischen Eifer bald wieder verscherzte. Nach Niederlegung seines Lehramtes zu Glasgow (1673) wurde er Kaplan des Master of the Rolls in London und erwarb sich als entschiedener Gegner des katholischen Kultus einen Namen. Die Successionsrechte Jakobs I. bestritt B. öffentlich, daher begab er sich, als jener 1685 den Thron bestieg, auf Reisen und ward in Holland vertrauter Rat Wilhelms von Oranien, für welchen er in Flugschriften wirkte. Deshalb in England des Hochverrats angeklagt, ließ er sich in Holland naturalisieren. Er verfaßte 1688 eine Flugschrift, welche das Unternehmen des Prinzen von Oranien rechtfertigte, begleitete denselben nach England und ward 1689 Bischof von Salisbury. Seine Thätigkeit im Kirchenamt und im Parlament war seitdem vom größten Einfluß. Als er aber in einem Hirtenbrief die Herrschaft des Prinzen von Oranien auf die Eroberung zu gründen wagte, wurde derselbe auf Befehl des Parlaments durch Henkershand verbrannt. Dennoch wählte ihn der König 1699 zum Erzieher des Herzogs von Gloucester, des mutmaßliche Thronerben, welcher aber früh starb. B. verwendete sein Einkommen meist für wohlthätige Zwecke, wobei er keinen Unterschied der Nation, Sekte oder Partei machte. Bei seinem Tod (17. März 1715) reichte sein Nachlaß eben hin, um seine Schulden zu bezahlen. Für seine "History of the reformation of the church of England" (Lond. 1679-1714, 3 Bde.; neue Ausg. 1880, 2 Bde.) ward ihm vom Parlament eine Danksagung votiert. Seine "History of his own time" (hrsg. von seinem Sohn Thomas B., Lond. 1723-24, 2 Bde.; neue Ausg. mit den in der ersten unterdrückten Stellen und Anmerkungen, Oxf. 1823, 6 Bde., 1839 wiederholt; 1883, 1 Bd.) enthält schätzbare Beiträge zur Geschichte der englischen Revolution.

2) John, schott. Maler und Kupferstecher, geb. 20. März 1784 zu Fisher Row bei Edinburg, erwarb sich, als Kupferstecher 1805 nach London gelangt, namentlich durch die Wiedergabe der Hauptwerke seines Freundes und Landsmanns Wilkie Ruf, ging aber 1813 nach Paris, um nach den Meisterwerken des Louvre zu studieren, worauf er die Rassaelschen Kartons (damals zu Hampton Court, jetzt im South Kensington-Museum) u. a. im Stich herausgab. Als Maler schuf er kleine Genrebilder: die Invaliden von Greenwich, die kleinen Vögel, das Brettspiel etc. Auch als Schriftsteller war er von 1815 bis 1830 thätig, indem er in fünf Lehrbüchern Unterweisung über verschiedene Kunstzweige gab. Er starb 29. April 1868 in London.

Burnett (spr. bornet), ansehnlicher Fluß in der britisch-austral. Kolonie Queensland, entsteht am Südabhang der Daweskette und fällt nach vielfach gewundenem Lauf unterhalb Bundaberg, wohin Schiffe von 500 Ton. gelangen können, in den Stillen Ozean.

Burnettisieren, s. Holz.

Burney (spr. borni), 1) Charles, Musikhistoriker, geb. 7. April 1726 zu Shrewsbury, kam im Alter von 18 Jahren nach London, wo er seine musikalischen Studien unter Arnes Leitung absolvierte, und erhielt früh eine Stellung als Organist an einer der Londoner Kirchen sowie im Orchester des Drurylane-Theaters, für welch letzteres er die Operette "Robin Hood" komponierte. 1760 nahm er eine Stellung als Organist zu Lynn in der Grafschaft Norfolk an, kehrte aber auf Veranlassung des Herzogs von York nach London zurück, wo er durch seine Kompositionen bald so großen Ruf erlangte, daß ihn die Universität Oxford 1761 zum Doktor der Musik ernannte. Um Stoff zu einer ausführlichen Geschichte der Musik zu sammeln, unternahm er 1770 eine Reise durch Frankreich nach Italien, 1772 eine zweite durch Flandern, die Niederlande, Deutschland und Holland, deren Resultate zwei Werke: "The present state of music in France and Italy" (Lond. 1771, 2 Bde.) und "The present state of music in Germany etc." (das. 1772-1773; deutsch von Bode, Hamb. 1772-73, 3 Bde.), waren. Sein Hauptwerk ist die "General history of music from the earliest ages to the present period" (Lond. 1776-89, 4 Bde.; Bd. 1 deutsch von Eschenburg, Leipz. 1781). Außerdem schrieb er zu der 1784 in London veranstalteten Gedächtnisfeier für Händel eine kurze Lebensgeschichte desselben (deutsch von Eschenburg, Berl. 1785) sowie ein Leben Metastasios (Lond. 1796, 3 Bde.). An Kompositionen hinterließ er Sonaten und Konzerte für Klavier und für Violine, Kompositionen für Orgel, Kantaten u. a. Seit 1790 war er Organist am Chelseahospital in London, in welcher Stellung er 12. April 1814 starb.

2) Frances (nachherige Madame d'Arblay), engl. Romanschriftstellerin, Tochter des vorigen, geb. 13. Juni 1752, war eine Zeit lang Kammerfrau bei der Gemahlin Georgs III., heiratete 1793 einen französischen Emigranten, d'Arblay, ging mit ihm 1802 nach Paris, 1812 nach England zurück und starb 6. Jan. 1840 in Bath. Ihre auch ins Deutsche übersetzten und noch jetzt aufgelegten Romane: "Evelina" (Lond. 1773), "Cecilia" (das. 1782), "Georgina" (das. 1789) und "Camilla" (das. 1797) waren ihrer Zeit Moderomane und sind noch jetzt als lebendige Darstellungen der damaligen sozialen Zustände in den höhern Kreisen wertvoll. Der Roman "The Wanderer" (Lond. 1814) steht den frühern weit nach. Über das Leben ihren Vaters veröffentlichte sie "Memoirs of Dr. B." (Lond. 1831, 3 Bde.). Die nach ihrem Tod erschienenen "Diary and letters of Madame d'Arblay" (Lond. 1846, 7 Bde.; 2. Aufl. 1854) bieten manches Interessante, doch wird es von Details fast erdrückt. - Auch ihre Halbschwester Sarah Harriet B. versuchte sich in Romanen, obschon mit weniger Erfolg.