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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burroughs; Bursa; Bursae mucosae; Bursarius; Bursche; Burscheid; Bürschen; Burschenschaft

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Burroughs - Burschenschaft.

seinen schriftstellerischen Leistungen als seinen Bemühungen um Herstellung eines allgemeinen Weltfriedens. Schon als 20jähriger Jüngling hatte er, von tiefer, fast schwärmerischer Religiosität getrieben, einen Familienzirkel gebildet, dem er seine Ansichten vortrug, wobei er die Bibel zu Grunde legte. Seit 1840 bereiste er die Vereinigten Staaten, allenthalben den Frieden predigend und den Krieg als das Haupthindernis aller gedeihlichen Entwickelung der Völkerwohlfahrt darstellend. Im Juni 1846 begab er sich nach England, gab hier eine kleine Schrift: "Sparks from the anvil" ("Funken vom Amboß"), heraus und nahm dann an den hauptsächlich von ihm in Anregung gebrachten sogen. Friedenskongressen zu Brüssel, Paris, Frankfurt (1850) und London (1851) eifrigen Anteil. Seine in viele Sprachen übersetzten "Olivenblätter" ("Olive leaves") wurden in Millionen Exemplaren über ganz Europa bis nach Rußland verbreitet. Nach Amerika zurückgekehrt, veröffentlichte er hier die "Thoughts and notes at home and abroad" (New York 1854, Lond. 1868), worin er die auf seinen Reisen gemachten Beobachtungen niederlegte. Seine Wanderungen durch England und Schottland beschrieb er in "Walks from the Land's End to John O'Groat's" (Lond. 1864, neue Ausg. 1867). Er starb 7. März 1879 in New Britain (Connecticut). Seine letzten Schriften waren: "Sanskrit handbook for the fireside" (Lond. 1876); "Chips from many blocks" (1878). Eine Selbstbiographie enthält seine Schrift "Ten minutes' talk on all sorts of topics" (1874). Vgl. Northend, Elihu B. (New York 1880).

Burroughs (spr. borrös), John, amerikan. Schriftsteller, geb. 3. April 1837 zu Roxbury (New York), lebte, ohne Schulunterricht zu genießen, auf der Farm seiner Eltern, bildete sich jedoch selbst so weit heran, daß er später sein Examen als Lehrer bestehen konnte. 1864 erhielt er eine Anstellung im Schatzamt zu Washington, und gegenwärtig lebt er, schriftstellerisch thätig, im Dorf Esopus am Hudson. Er schrieb unter anderm: "Notes on Walt Whitman" (1867); "Wake-Robin" (1871); "Winter sunshine" (1876); "Birds and poets" (1877); "Locusts and wild honey" (1879); "Pepacton" (1881). B'. Sprache ist naturfrisch und kräftig; als naiver Naturschilderer steht er in der amerikanischen Litteratur unerreicht da.

Bursa (v. griech. byrsa, "Fell"), im mittelalterlichen Latein ein lederner Beutel, Säckel (Börse); dann Säckel oder Kasse zu gemeinsamem Unterhalt (vornehmlich der Schüler an den königlichen Schulen etc.); endlich die so zusammenlebende Genossenschaft selbst sowie das gemeinschaftliche Haus derselben. Namentlich hießen so am Ausgang des Mittelalters die an den Universitäten verbreiteten, teils auf Stiftungen beruhenden, teils von Privaten gehaltenen Wohn- und Kosthäuser für Studenten. Daher auch das deutsche Bursche (s. d.).

Bursae mucosae (B. synoviales), Schleimbeutel.

Bursarius (lat.), Verwalter einer gemeinschaftlichen Kasse, Säckelmeister, z. B. in einem Kloster; auch Genosse oder Anwohner einer Bursa (s. d.).

Bursche, Student (namentlich als Mitglied einer Verbindung); dann überhaupt s. v. w. junger Mensch, namentlich junger Diener (Offiziersbursche). Das Wort kommt vom lat. bursa (s. d.) und ist zu seiner heutigen persönlichen Bedeutung durch eine ähnliche Begriffswandlung gekommen wie das Wort Frauenzimmer.

Burscheid, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Solingen, an der Eisenbahn Lennep-Opladen, besteht aus mehreren Wohnplätzen und hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, Wollspinnerei, Fabrikation von wollenen und halbwollenen Stoffen, Plüsch- und Samtweberei, Färberei und Siamoisenfabrikation und (1880) 6550 Einw. (1018 Katholiken), wovon zur eigentlichen Stadt nur 1150 gehören. -

2) S. v. w. Burtscheid.

Bürschen, s. Birschen.

Burschenschaft. Unter dem erhebenden Eindruck des Befreiungskriegs gründeten Jenenser Studenten, deren viele Mitkämpfer dieses Kriegs gewesen waren, gegenüber den in überlebten Formen, kleinlichen Streithändeln und vielfach in Roheit und Unsittlichkeit befangenen Landsmannschaften am 12. Juni 1815 eine allgemeine B. von christlich-deutschem Charakter. Dieselbe nahm rasch an Zahl der Mitglieder so zu, daß sie die Herrschaft in der Studentenschaft gewann. Durch ihren guten Einfluß auf das sittliche Verhalten der Studenten erwarb sie die Gunst der meisten Professoren und der Regierung. Andre Universitäten folgten mit ähnlichen Gründungen. Namentlich waren es die von Jahn angeregten Turnerkreise, welche sich überall der B. anschlossen, aber auch einen gewissen übermütig bramarbasierenden Ton in dieselbe brachten. Mit der wachsenden Verstimmung zwischen den für Einheit und Freiheit Deutschlands schwärmenden Patrioten und den von Metternich beherrschten deutschen Regierungen trat auch in einem Teil der B. die deutsche Begeisterung in scharfen Gegensatz gegen die Polizeimaßregeln der Regierungen. Dieser Gegensatz trat am Schluß des übrigens in durchaus gesetzmäßige Weise zum Andenken der Reformation und der Leipziger Schlacht fromm und fröhlich gefeierten Wartburgfestes deutscher Burschen 18. Okt. 1817 hervor, indem eine Anzahl unpopulärer Schriften, darunter auch v. Kamptz' "Kodex der Gendarmerie", feierlich auf Anlaß einiger Hitzköpfe ohne Wissen des leitenden Ausschusses verbrannt wurde. Die Anzeige des Geheimrats v. Kamptz hierüber veranlaßte eingehende Untersuchungen, von denen trotz des im allgemeinen günstigen Ausganges starkes Mißtrauen bei den Regierungen der Großmächte zurückblieb. Die Spannung wurde verschärft durch die am 18. Okt. 1818 auf der Wartburg erfolgende Gründung der Allgemeinen deutschen B., die Katastrophe herbeigeführt durch die Ermordung des russischen Staatsrats v. Kotzebue durch G. ^[richtig: C.] L. Sand 23. März 1819. Sand hatte zwar für sich allein gehandelt, aber unleugbar die Anregung zu seiner That aus einem unter Karl Follenius' Leitung stehenden Kreis der "Schwarzen" oder "Unbedingten" empfangen, der, dem größten Teil der B. völlig unbekannt, doch auf dem Boden derselben erwachsen war. Es folgten die bekannten Beschlüsse der geheimen Ministerkonferenz der größern deutschen Staaten in Karlsbad (6.-31. Aug. 1819), welche der Bundestag 20. Sept. d. J. sich aneignete, und demgemäß tief ergreifende Maßregeln zur Beschränkung der Preßfreiheit, Aufhebung der Studentenverbindungen und namentlich der allgemeinen B., Überwachung der Universitäten, endlich Einsetzung der Bundeskommission zur Überwachung und Untersuchung demagogischer Umtriebe in Mainz. Während die zahlreichen Untersuchungen nur wenig Bedeutendes ergaben, griffen sie und die überstrengen Urteile, mit denen sie zu enden pflegten, tief in das Geschick vieler tüchtiger und patriotisch gesinnter junger Männer ein. Die Erbitterung wuchs, und alle Maßregeln hinderten nicht, daß bald unter anderm Namen ("Jugendbund" oder "Jünglingsbund" seit 1821), bald geradezu als B. der aufgelöste Verein