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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Buschmeister - Busento.

mit ihren Nachbarn, von denen sie gehetzt und vernichtet werden. Sie sind hager und klein von Statur (etwa 1½ m hoch), dabei von großer Häßlichkeit der Gesichtszüge, sonst aber wohlgebildet, äußerst gewandt und der unglaublichsten Anstrengung fähig. Ihre Farbe wechselt zwischen Hellgelb und Dunkelbraun. Sie haben kurzes Wollhaar, dessen einzelne Kräusel sich in zolllange Löckchen verlängern, welche herabhängen und bei vielen Stämmen mit Sorgfalt gepflegt werden. Ihrem Wesen nach sind sie träge, roh, grausam, rauf- und raubsüchtig; doch zeichnen die Frauen sich durch Keuschheit aus, und die nördlichen Stämme stehen weit über den südlichen. Sie gehen ganz nackt, nur auf dem Rücken tragen sie ein feines Fell. Sie leben in Höhlen, Felsspalten, an einer Bergwand, in einem ausgehöhlten Ameisenhaufen etc. oder in zerbrechlichen Hütten aus Matten und bauen höchstens etwas Dacha oder wilden Hanf zum Rauchen. Sonst ist ihnen Ackerbau wie Viehzucht fremd. Haben sie kein Wild, so nähren sie sich von Ameiseneiern, Heuschrecken, wildem Honig und den kleinen Zwiebeln der zahlreichen Irisarten ihres Gebiets. Wilde Tiere fangen sie in Gruben, durch giftiges Wasser etc. Bei ihren Raubanfällen bedienen sie sich fast ausschließlich der Bogen und vergifteter, schnell tötender Pfeile, die sie mit großer Sicherheit auf 100-150 Schritt zu schießen verstehen. Früher waren sie der Schrecken der Grenzdistrikten und noch in neuerer Zeit fürchteten Kolonisten wie Hottentoten trotz ihrer eignen Feuergewehr die Raubanfälle der B. Alle Bemühungen von Gouverneuren, Privatpersonen und Missionären, die B. zu zivilisieren, sind an ihrem unüberwindlichen Hang zum vagabundierenden Leben gescheitert. Nur jung gefangen, sind einzelne treue und nützliche Hirten der Bauern geworden und haben sich für gute Behandlung dankbar gezeigt. Sie haben eine unbestimmte Vorstellung von einem höchsten Wesen und eine noch unbestimmtere vom Mein und Dein. Die Sprache der B. zerfällt in mehrere untereinander sehr stark differierende Dialekte (Baroa, Khuai u. a.) und repräsentiert den niedrigsten aller bis jetzt bekannten Sprachtypen. Zahlwörter gibt es nur für eins und zwei; alles, was darüber hinausgeht, wird durch "viel" mit gleichzeitiger Aufhebung der entsprechenden Anzahl Finger ausgedrückt. An grammatischen Formen scheinen fast nur Bezeichnungen des Genitivs und der Mehrzahl vorhanden zu sein, welch letztere durch Wiederholung des Worts ausgedrückt wird. Am bezeichnendsten sind aber die mißtönenden Schnalzlaute, die fast in jedem Wort vorkommen. Es gibt mindedesten fünf Arten derselben, und sie scheinen im Buschmännischen heimisch und erst von da aus in das nicht damit verwandte Hottentotische, von letzterm aus in einige der Kaffernsprachen eingedrungen zu sein. Da die Sprache überall das Bestreben zeigt, harte und schwer sprechbare Laute mit weichern, geringere Muskelanstrengung erfordernden zu vertauschen, so darf man, nach Bleek, in denjenigen Sprachen, die von rauhen und fast unaussprechlichen Lauten voll sind, die altertümlichsten Sprachformen erblicken. Durch Bleeks (s. d.) Forschungen ist nebst der Sprache auch die merkwürdige Mythologie und Tierfabel der B. zuerst näher bekannt geworden. Bei Beginn der Kapansiedelung fanden sich die B. südlich bis zu Ribeekskastel unter dem Namen Sonqua, und die seltsamen Zeichnungen an den Wänden in ihren Höhlen findet man in fast jedem Teil der Kolonie. Gegenwärtig hat sich ihre Zahl infolge der Vernichtungskriege holländischer und englischer Kolonisten gegen sie sehr verringert, und die fortschreitende Kultur in Südafrika arbeitet emsig an ihrem gänzlichen Untergang. Vgl. Waitz, Anthropologie der Naturvölker, Bd. 2 (Leipz. 1860); Fritsch, Die Eingebornen Südafrikas (Bresl. 1872); Holub, Sieben Jahre in Südafrika (Wien 1881, 2 Bde.).

Buschmeister, s. Lachesis.

Buschneger, s. v. w. Maronneger.

Buschratte, s. Känguruhratte.

Buschspinne, s. Vogelspinne.

Buscht (Pauscht), s. Papier.

Buschtiehrad, Marktflecken in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Smichow, 15 km nordwestlich von Prag, mit einem kaiserlichen Schloß, Bierbrauerei und reichen Steinkohlengruben (Kladno-Buschtiehrader Flözzug, 1883 Ertrag 17,8 Mill. metr. Ztr.). Von B. hat ein ansehnlicher Eisenbahnkomplex Böhmens den Namen Buschtiehrader Eisenbahn erhalten, welcher Prag mit den wichtigsten Kohlenbecken des Landes (bei Kladno, Rakonitz, Komotau, Falkenau etc.) verbindet und zugleich den Anschluß an die sächsischen und bayrischen Staatsbahnen vermittelt. Der Ort B. führte bis 1880 den Namen Butzkow und hat seitdem den früher auf das Schloß beschränkten Namen angenommen.

Buschtruthuhn, s. Wallnister.

Büse (Heringsbüse, holl. Buis), ein niederländ. zweimastiges Fahrzeug, das besonders beim Heringsfang verwandt wird.

Busen (Sinus), die Vertiefung zwischen den beiden weiblichen Brüsten (s. d.); auch die letztern selbst; im alten deutschen Recht und der biblischen Ausdrucksweise s. v. w. Frauensperson, wie: das Erbe geht nicht außer dem B., solange ebenbürtiger B. vorhanden; das Kind folgt dem B. (s. Verwandtschaft); dann s. v. w. Herz, der Sitz von Gefühlen, Leidenschaften, Affekten und Begierden.

Busenbaum, Hermann, ein durch seine spitzfindige Moral bekannter Jesuit, geb. 1600 zu Notteln in Westfalen, lehrte seit 1640 zu Köln Moral und wurde später Rektor des Jesuitenkollegiums zu Münster, wo er als Beichtvater des kriegerischen Bischofs Christoph Bernhard v. Galen 31. Jan. 1668 starb. Er ist Verfasser des Werks "Medulla theologiae moralis" (zuletzt Löwen 1848, 2 Bde.), welches die Grundsätze der jesuitischen Moral in bequemer Übersicht behandelt. Als Damiens' Mordversuch auf Ludwig XV. den Jesuiten zur Last gelegt und die Anklage, daß der Orden Mord und Aufruhr im Dienst seiner Zwecke gutheiße, aus den Lehrbüchern desselben, namentlich aus Busenbaums "Medulla", bewiesen wurde, ließ das Parlament zu Toulouse das Werk öffentlich verbrennen, und die Superioren der Gesellschaft verleugneten es. Auch das Parlament zu Paris verurteilte das Buch, wogegen der italienische Jesuit Zaccaria die Verteidigung Busenbaums übernahm.

Busendorf, Stadt in Elsaß-Lothringen, Bezirk Lothringen, Kreis Bolchen, an der Nied und der Diedenhosen-Völklingener Eisenbahn, mit kath. Pfarrkirche, Amtsgericht und (1880) 1655 fast nur kath. Einwohnern.

Busenhuhn, s. Bedemund.

Busénto (der Pyxus der Griechen und Bucentius der Römer), Fluß in der unterital. Provinz Cosenza, entspringt am Monte Cocuzzo und vereinigt sich bei Cosenza mit dem Crati, welcher in den Golf von Tarent mündet. Im Bette des B. ist das sagenberühmte Grab des Westgotenkönigs Alarich (s. d.) und seines Streitrosses.