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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bußorden; Bußordnungen; Bußpsalmen; Bußstationen; Bußtage; Bussy-Rabutin; Bußzucht; Bustaménte

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Bußorden - Bustamente.

mit Hilfe eines Transporteurs (s. d.) aufs Papier übertragen, welches mit Nordlinien versehen ist, an die man den Transporteur anlegt; s. Markscheiderkompaß.

Bußorden, s. Tertiarier.

Bußordnungen, s. Bußbücher.

Bußpsalmen, diejenigen sieben Psalmen: 6, 32 (nach der Zählung der Vulgata 31), 38 (37), 51 (50), 102 (101), 130 (129), 143 (142), in welchen sich der Schmerz der Buße am ergreifendsten ausspricht, und von denen in der katholischen Kirche häufig ein seelsorglicher und liturgischer Gebrauch gemacht wird, wie namentlich vom Miserere 50 (51) und De profundis 129 (130).

Bußstationen (Bußgrade, Gradus, Stationes poenitentiae), die Stufen, welche die in der alten Kirche Ausgeschlossenen (s. Bann) durchschreiten mußten, ehe sie wieder aufgenommen wurden. Die vier Hauptstufen, deren jede mindestens ein Jahr in Anspruch nahm, waren: Fletus, Auditio, Substratio, Consistentia. Während der ersten lagen die Pönitenten im Bußgewand weinend vor der Kirche und flehten die Hineingehenden an, für sie zu beten; auf der zweiten durften sie im Hintergrund der Kirche die Schrifterklärung anhören, im dritten Stadium im Schiff der Kirche knieend beten, im vierten wieder aufrecht stehend dem Gottesdienst bis zur Kommunion beiwohnen.

Bußtage (früher gewöhnlich Buß-, Bet- und Fasttage genannt), solche dem Gottesdienst gewidmete Tage, welche den besondern Zweck haben, die Kirchengemeinden auf ihre sittlichen Notstände aufmerksam zu machen. Man unterscheidet außerordentliche, für besondere Fälle angeordnete B. (dies supplicationum) und feststehende, jährlich wiederkehrende (dies rogationum). Als feststehende Bußzeit kannte die Kirche anfangs nur die Advents- und die österliche Fastenzeit; hierzu kamen dann die vier Quatemberfasttage. Jetzt sind die B. in den meisten deutschen Ländern auf zwei oder auf einen im Jahr reduziert. Bei der Zersplitterung der kirchlichen Gebiete gehört es noch zu den frommen Wünschen der deutschen evangelischen Kirche, daß auch in der Feier der B. eine allgemeine Übereinstimmung hergestellt werden möge.

Bussy-Rabutin (spr. büssi-rabütaug), Roger, Graf von, franz. Schriftsteller, geb. 18. April 1618 zu Epiry in Nivernais, zeichnete sich frühzeitig durch glänzenden Witz, geistreiche Lieder und Epigramme, als Krieger, während der Fronde, durch Verwegenheit und Tapferkeit aus. Aber seine Anmaßung und Spottsucht, die ihn selbst die höchsten und heiltgsten Personen nicht schonen ließ, brachte ihn 1665, einen Monat nach seiner Aufnahme in die Akademie, in die Bastille, die er nach einem Jahr nur verließ, um mit strenger Verbannung auf seine burgundischen Güter bestraft zu werden. Diese Strafe hatte er sich zugezogen durch seine "Histoire amoureuse des Gaules", welche, schon länger auszugsweise bekannt, 1665 zuerst in Holland gedruckt wurde. Es werden darin die galanten Abenteuer einiger vornehmer Damen des Hofs in geistreicher und pikanter Weise erzählt und eine Menge von Personen mit maliziöser Genauigkeit und Rücksichtslosigkeit geschildert. Das Buch hat zahlreiche Auflagen erlebt, zuletzt von Boiteau (Par. 1856-76, 4 Bde.), von Poitevin (das. 1857, 2 Bde.) und mit Einleitung von Sainte-Beuve (1868, 2 Bde.). Vergeblich suchte B. Ludwig XIV. zur Aufhebung der Strafe zu vermögen; nur zu kurzem Aufenthalt in Paris erhielt er die Erlaubnis. Er starb 9. April 1693. Außer einigen Poesien und kleinern Schriften sind am wichtigsten seine interessanten "Memoires" (Par. 1696, 2 Bde.; neu hrsg. von Lalanne, das. 1857, 2 Bde.) und seine höchst sorgfältig verfaßten, oft aufgelegten "Lettres" (das. 1697-1709, 7 Bde.; beste Ausg. von Lalanne, 1858-59, 5 Bde.), letztere besonders wertvoll durch die große Zahl bedeutender Persönlichkeiten, an die sie gerichtet sind (an Frau v. Sévigné, seine Kousine, allein 150).

Bußzucht, das schon von der alten Kirche gegen solche Mitglieder beobachtete Verfahren, welche durch schwere Todsünden Ärgernis erregt und sich der christlichen Gemeinschaft unwürdig gemacht haben, aber in dieselbe wieder aufgenommen sein wollen. Die B. ist ein Teil der Kirchenzucht (s. Beichte, Buße und Bußstationen). Als im Abendland die öffentlichen Kirchenbußen selten wurden, traten andre Strafen an deren Stelle, teils hergenommen aus den Übungen der ältern Askese, teils aus den fränkischen Rechtsgewohnheiten, wie denn auch in dem bischöflichen Sendgericht Karls d. Gr. kirchliches und bürgerliches Gericht zusammenfloß und die Ablösung der Kirchenstrafe mit Geld denselben Ursprung hat (s. Ablaß). Die Bußen waren entweder eigentliche Strafen, wie Geldbußen, auch Schläge und Einsperrungen oder rein asketischer Art, Wallfahrten, bestimmte Gebete, Almosen und vor allem Fasten, oder die Kirche fördernde Werke, Stiftung von Kirchen und Klöstern etc. - In der evangelischen Kirche gibt es keine eigentliche B., sondern nur allgemeinere Kirchenzucht, wozu auch das Versagen der Wahl- und Patenrechte, des Brautkranzes, des kirchlichen Begräbnisses zu rechnen ist, wo solches noch vorkommt.

Bustaménte, Anastasio, Präsident von Mexiko, geboren um 1790 als Sohn eines Pflanzers in der Gegend von Queretaro, wurde 26. Jan. 1827 von den empörten kolumbischen Truppen an Laras Stelle zum General erwählt und 16. März nach Guayaquil geschickt. Hier von den Seinigen verlassen, floh er und ging später mit 20 Offizieren zu den Peruanern über, unter deren Fahnen er nun gegen Kolumbien focht. Nach dem Friedensschluß zwischen Peru und Kolumbien (1829) wandte er sich nach Mexiko, wurde schon 26. Jan. 1829 vom Kongreß zum Vizepräsidenten erwählt und ergriff sogleich Partei gegen Guerrero. Von der Erklärung, die er gegen letztern erließ, erhielten seine Anhänger den Namen Pronunciados. An ihrer Spitze bemächtigte er sich 22. Dez. 1829 Mexikos, zwang den Präsidenten zur Niederlegung seines Amtes und wurde 1. Jan. 1830 selbst zum Präsidenten erwählt. Er bildete zwar ein Ministerium aus Parteigenossen, gewann aber keine Popularität. Nach Unterdrückung mehrerer Aufstände brach 3. Jan. 1832 zu Veracruz ein neuer Aufstand aus, der sich trotz eines von B. 3. März bei Tolomé erfochtenen Siegs weiter ausbreitete, und an dessen Spitze sich Santa Anna stellte. Anfangs siegreich, ward B. im Oktober bei Puebla geschlagen und sah sich genötigt, den Präsidentenstuhl an den frühern, verbannten Präsidenten Pedrazza abzutreten und sich nach Europa zu begeben. Erst nach dem Sturz des an Pedrazzas Stelle getretenen Santa Anna kehrte er im April 1836 nach Mexiko zurück und ward 25. Febr. 1837 wieder zum Präsidenten gewählt. Doch hatte er stets teils mit den Parteien und der Finanznot, teils mit äußern Verlegenheiten, besonders den Verwickelungen mit Frankreich zu kämpfen, welches vom 13. April 1838 bis 9. März 1839 die mexikanischen Häfen blockierte; dadurch wurden Unruhen erregt, B. mußte abermals fliehen und ward 30. Sept. 1841 zur Abdankung gezwungen, worauf