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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Butterahorn - Buttersäure.

temperatur von 30° das ausgeschiedene Stearin ab (die Preßkuchen dienen zur Kerzenfabrikation), bringt das abgelaufene Fett bei 20° in Butterfässer und buttert es mit 1/6-1/5 saurer Milch und etwas Orleanfarbstoff. Sobald ein gleichmäßiges Gemisch entstanden ist, läßt man dasselbe ab und verarbeitet es weiter wie gewöhnliche B. Nach einem andern Verfahren wird sorgfältig gereinigter und zerkleinerter Talg mit fein zerschnittenem Schaf- oder Schweinemagen, etwas Pottasche und Wasser bei 45° digeriert, bis das Fett vollständig von dem einhüllenden Gewebe getrennt ist, dann abgegossen, mit etwa 2 Proz. Salz versetzt und der Ruhe überlassen. Das vollständig geklärte Fett bringt man in Kristallisationsgefäße, läßt es bei 20-25° stehen und preßt das ausgeschiedene Stearin ab. Das abgelaufene flüssige Fett erstarrt butterartig, ist viel haltbarer als B. und kommt als ordinäre Kunstbutter in den Handel oder wird durch Buttern mit etwas Kuhmilch und den löslichen Bestandteilen von möglichst zerkleinertem Kuheuter in feinere Ware umgewandelt, auch wohl gefärbt, mit Kumarin etc. aromatisiert und schließlich wie echte B. behandelt. Gute Kunstbutter hat einen milden, durchaus nicht unangenehmen Geschmack, ist sehr haltbar und ausgiebig und ersetzt die Kuhbutter zum Schmelzen und Backen vollständig.

Der Verbrauch an B. ist am größten in den zentralen und nördlichen Ländern, minder bedeutend in den südlichen, in welchen das Öl häufig an ihre Stelle tritt. Die in den Tropen fabrizierte B. ist meistens flüssig. In Indien und im ganzen Orient heißt sie Ghi und bildet in vielen Gegenden einen bedeutenden Handelsartikel. Die größten Butterkonsumenten der Erde sind die Araber, und es werden daher große Quantitäten aus Suakin, Koseïr und Massaua nach den arabischen Häfen verschifft.

Die meiste und feinste B. für den Welthandel liefern Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und Holland. Auch Österreich, Oberitalien und Deutschland (Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Ostpreußen, Ostfriesland etc.) exportieren viel B., und der Hauptkonsument namentlich für hochfeine Ware ist England, während die überseeischen Länder mit weniger feiner B. sich begnügen. Derartige B. liefern auch Nordamerika und Kanada in großen Massen auf den Weltmarkt.

Über die Erfindung der B. ist nichts bekannt; wo im Altertum B. erwähnt wird, bleibt es ungewiß, ob der Stoff mit unsrer heutigen B. identisch ist. Jedenfalls sind weder Griechen noch Römer Erfinder der Butterbereitung, vielmehr dürften erstere durch Skythen, Thraker und Phrygier, die Römer vorzugsweise durch die Germanen mit der B. bekannt geworden sein. Auch wurde die B. bei ihnen wohl hauptsächlich als Salbe und Arzneimittel benutzt. Im Norden von Europa, in Skandinavien, scheint die B. vor Ausbreitung des Christentums ein seltener Artikel gewesen zu sein. Ein Surrogat der B. wurde durch Abpressen von erwärmtem Talg schon vor längerer Zeit dargestellt; die jetzt als Kunstbutter in den Handel kommende Ware ist eine Erfindung von Mège-Monriès, welcher sich auf Anregung Napoleons III. mit der Sache beschäftigte. 1869 wurde das Verfahren in England, 1873 in Amerika patentiert. Litteratur s. Milch.

Butterahorn, s. Caryocar.

Butteräther (Buttersäureäthyläther) C4H7O2 ^[C_{4}H_{7}O_{2}]. C2H5 ^[C_{2}H_{5}] entsteht beim Erwärmen von Buttersäure mit absolutem Alkohol und konzentrierter Schwefelsäure. Mischt man die Flüssigkeit nach einiger Zeit mit dem gleichen Volumen Wasser, so scheidet sich der B. ab, welchen man mit Magnesia entsäuert, mit Chlorcalcium entwässert und rektifiziert. Er bildet eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,90, riecht namentlich in der Verdünnung angenehm ananasartig, löst sich wenig in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, siedet bei 121°. Für technische Zwecke stellt man B. dar, indem man Johannisbrot wie zur Bereitung von Buttersäure vergären läßt und mit Alkohol und Schwefelsäure destilliert. Auch verseift man Butter mit Natronlauge, salzt die Seife aus und destilliert sie mit Alkohol und Schwefelsäure. Dies Präparat dient zur Darstellung der meisten Fruchtäther und des künstlichen Rums. Eine Lösung des unreinen Butteräthers in 8-10 Teilen Alkohol kommt als Ananasöl (Ananasessenz), doch auch als B. in den Handel. Buttersäureamyläther, durch Destillation von buttersaurem Baryt mit Amylalkohol und Schwefelsäure gewonnen, riecht sehr angenehm obstartig und dient namentlich zur Fabrikation von künstlichem Rum und Arrak.

Butterbaum, s. Bassia.

Butterblume, populäre Benennung mehrerer gelb blühender Wiesenpflanzen, denen man, wenn sie sich unter der Grasfütterung befinden, die gelbe Färbung der Butter zuschreibt, besonders von Ranunculus acris und R. repens, Caltha palustris, Leontodon taraxacum, Trollius europaeus u. a.

Butterbrief, vom Papst oder von einem katholischen Geistlichen ausgestellter Schein, wodurch man Erlaubnis erhält, in den Fasten Butter oder etwas andres als Fastenspeise zu essen.

Butterkühler, s. Kühlkrüge.

Buttermilch, die Flüssigkeit, welche nach dem Ausbuttern im Butterfaß zurückbleibt, gleicht in der Regel sehr fetter Milch, ist sogar dickflüssiger, vom spez. Gew. 1,032-1,035, enthält, abgesehen von Butterklümpchen, etwa 0,2-0,8 Proz. Fett, außerdem ebensoviel Käsestoff, Milchzucker und Mineralstoffe wie frische Milch oder, falls sie sauer ist, an Stelle eines Teils des Milchzuckers freie Milchsäure. Im Durchschnitt enthält B. 91,24 Proz. Wasser, 0,56 Proz. Fett, 3,3 Proz. Käsestoff, 0,2 Proz. Eiweiß, 4 Proz. Milchzucker (und Milchsäure), 0,7 Proz. mineralische Stoffe. Sie ist ein angenehm säuerliches, kühlendes und sehr nahrhaftes, aber nicht leicht verdauliches Getränk, weshalb sie von Leuten mit schwacher Verdauung besser gemieden wird. Natürlich ist sie ein kostbares Viehfutter, doch bereitet man auch Käse (Buttermilchkäse) daraus und benutzt sie beim Bleichen, als Ersatz des viel teurern Eiweißes zum Befestigen der Farben beim Kattundruck oder Farbendruck etc.

Buttermilcherz, s. Hornerz.

Butternußbaum, s. Walnußbaum.

Butternüsse, s. Caryocar.

Butterpfennige, in der katholischen Kirche Geldgaben für die Erlaubnis, in den Fasten Butter oder sonst etwas andres als Fastenspeise essen zu dürfen. Vgl. Butterbrief.

Butterpilz, s. Boletus.

Buttersäure C4H8O2 ^[C_{4}H_{8}O_{2}] findet sich im Johannisbrot, in Tamarinden, in Rainfarn, Arnika und Anthemis nobilis, dann im Schweiß, zuweilen im Mageninhalt und in dem übelriechenden Saft, welchen viele Laufkäfer aus einer Drüse am After ausspritzen; Buttersäuresalze finden sich im Fleischsaft, im Harn, Blut etc. An Glycerin gebunden kommt sie als Butyrin in der Butter vor, beim Ranzigwerden der Butter wird diese Verbindung zersetzt, und deshalb riecht alte Butter stark nach B. Sie entsteht bei der Oxydation des Butylalkohol, bei verschiedenen Gärungsprozessen aus Zucker, Stärke, Glycerin und Milchsäuresalzen