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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buttersäuresalze; Butterseife; Butterwoche; Butterwurzel; Buttlar; Buttmann; Büttner; Büttneriaceen; Buttstädt; Buttstedt

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Buttersäuresalze - Buttstedt.

und findet sich deshalb z. B. im Sauerkraut und in sauren Gurken; sie entsteht auch bei trockner Destillation (daher im Holzessig und Tabakssaft), bei der Fäulnis der Eiweißstoffe und des Leims, weshalb sie sich in der Ackererde, in Morästen, Dünger, Jauche, im Flußwasser und in manchen Mineralwässern findet. Zur Darstellung der B. läßt man Johannisbrot mit Wasser unter beständiger Neutralisation der entstehenden Säure mit Schlämmkreide bei 20-30° gären, destilliert mit verdünnter Schwefelsäure, neutralisiert das Destillat mit Soda, verdampft und destilliert den aus buttersaurem Natron bestehenden Rückstand abermals mit Schwefelsäure. Oder man versetzt eine Lösung von Rohrzucker und Weinsäure mit faulem Käse, saurer Milch und Kreide und läßt bei 30-35° gären. Es entsteht zuerst milchsaurer Kalk, welcher unter Entwickelung von Kohlensäure und Wasserstoff in buttersauren Kalk übergeht. Diesen zersetzt man mit Soda, verdampft das Filtrat und destilliert das buttersaure Natron mit Schwefelsäure. B. bildet eine farblose, ölige Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,958, riecht der Essigsäure ähnlich, bei geringem Gehalt an Ammoniak aber widerlich schweißartig, schmeckt stark sauer, ätzend, mischt sich mit Wasser, Alkohol und Äther, ist unlöslich in Salzwasser, siedet bei 163°, erstarrt bei -12°, brennt mit blauer Flamme, wird durch Salpetersäure zu Bernsteinsäure oxydiert. Bei der Neutralisation mit Basen bildet sie meist kristallisierbare Salze (Butyrate), welche trocken geruchlos sind, feucht aber nach B. riechen, in Wasser und Alkohol sich lösen und, trocken auf Wasser geworfen, rotieren. B. dient zur Darstellung von Fruchtäthern.

Buttersäuresalze, s. Buttersäure.

Butterseife, eine aus ungesalzener Butter mit Ätznatron bereitete Seife, dient zur Bereitung von Opodeldok und zur Darstellung von Butteräther (s. d.).

Butterwoche (russ. Masliza), die den achtwöchentlichen Osterfasten der griechisch-russischen Kirche vorhergehende Woche, der Karneval der Russen, so genannt, weil zwar der Genuß des Fleisches verboten, aber der von Butter, Milch und Eiern noch erlaubt ist.

Butterwurzel, s. Pinguicula.

Buttlar, Eva von, geb. 1670 zu Eschwege, führte in Eisenach als Hofdame zehn Jahre lang ein weltliches Leben, trennte sich 1697 von ihrem Mann und stiftete 1702 zu Allendorf eine philadelphische Societät, deren Kern außer ihr Winter, Appenfelder und zwei Fräulein v. Kalenberg bildeten. Hier schlugen chiliastische Schwärmerei und die mystische Lehre von der geistlichen Ehe in grauenhafte Hurerei und Gotteslästerung um. Von Allendorf ausgewiesen, ging die Gesellschaft 1704 nach Sasmannshausen, trat, dort entdeckt, in Köln zur katholischen Kirche über, begann aber das alte Wesen von neuem in Lüde bei Pyrmont, trennte sich dann, zu schwerer Strafe verurteilt, und löste sich in Altona auf. Eva führte jetzt wieder ein ehrbares Leben und starb nach 1717. Vgl. Keller, Die Buttlarsche Rotte (in der "Zeitschrift für historische Theologie" 1845).

Buttmann (ursprünglich Boudemont), Philipp, ausgezeichneter Philolog, geb. 5. Dez. 1764 zu Frankfurt a. M. als Sohn eines Kaufmanns, dessen Vorfahren wegen ihres Glaubens aus dem südlichen Frankreich vertrieben worden waren, besuchte das dortige Gymnasium, studierte seit 1782 in Göttingen unter Heyne Philologie, übernahm 1787 eine Lehrerstelle beim Erbprinzen von Dessau und wurde 1789 diätarischer Hilfsarbeiter, dann (1796) Sekretär an der königlichen Bibliothek zu Berlin. Im J. 1800 erhielt er daneben die Professur der griechischen Sprache am Joachimsthalschen Gymnasium, legte jedoch 1808 diese Stelle nieder und wurde 1806 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1811 Bibliothekar und Lehrer der alten Sprachen beim Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.). Von 1803 bis 1812 redigierte er die "Haude-Spenersche Zeitung". Seit 1824 an apoplektischen Zufällen leidend, starb er 21. Juni 1829 in Berlin. B. hat sich um die griechische Sprachkunde hochverdient gemacht. Seine Hauptwerke sind: "Griechische Grammatik" (Berl. 1792, 22. Aufl. 1869) und der Auszug daraus: "Griechische Schulgrammatik" (das. 1816, 17. Aufl. 1875); "Lexilogus, oder Beiträge zur griechischen Worterklärung, hauptsächlich für Homer und Hesiod" (Bd. 1, Berl. 1818, 4. Aufl. 1825; Bd. 2, 1825, 2. Aufl. 1860); "Ausführliche griechische Sprachlehre" (Bd. 1, das. 1819, 2. Aufl. 1830; Bd. 2, 1825-27, 2. Aufl., mit Zusätzen von Lobeck, 1839); "Mythologus, oder gesammelte Abhandlungen über die Sagen des Altertums" (das. 1828-29, 2 Bde.). Von 1807 bis 1810 gab B. mit Wolf das "Museum der Altertumswissenschaft" heraus. Seine Fortsetzung des Spaldingschen Quintilian erschien in Leipzig 1816, ein verbesserter Abdruck der von Mai aufgefundenen Scholien zur "Odyssee" in Berlin 1821. Mit Biester edierte B. "Platonis dialogi IV" (5. Aufl., Berl. 1830); ferner allein: Sophokles' "Philoktetes" (das. 1822) und Aratos' "Phaenomena" (das. 1826); auch besorgte er die Wiederherausgabe der Spaldingschen "Midiana" des Demosthenes (das. 1823, 5. Aufl. 1864) und die ersten beiden Bände von Heindorfs "Platonis dialogi selecti" (das. 1827-29). Die neuern Auflagen seiner Schriften bewirkte sein Sohn Alexander B., Professor und Schulrat in Potsdam, der auch eine "Grammatik des neutestamentlichen Sprachgebrauchs" (Berl. 1859) veröffentlichte. Vgl. Hitzig, Gelehrtes Berlin (Berl. 1825); Schleiermacher, Akademische Reden und Abhandlungen (das. 1833).

Büttner, s. Böttcher.

Büttneriaceen, dikotyle, etwa 520 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Kolumniferen, den Malvaceen und Tiliaceen nahe verwandt. Die B. werden von Bentham und Hooker mit den Sterkuliaceen und von Baillon auch mit den Malvaceen vereinigt. Vgl. Baillon, Études sur quelques genres des Buttneriacées. Adansonia II. Die B. sind in den Tropen, am Kap und in Neuholland einheimisch; zu ihnen gehört der in Mittelamerika einheimische und zur Kultur auch nach andern Tropenländern verpflanzte Kakaobaum (Theobroma Cacao L.), dessen Samen die Kakaobohnen liefern. Von fossilen Gattungen sind Dombeyopsis Ung. im Tertiär und Pterospermites Heer in der Kreide und in Tertiärschichten bekannt.

Buttstädt, Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, an der Lossa und der Eisenbahn Straußfurt-Großheringen, hat eine schöne Kirche, ein Amtsgericht, Landwirtschaft, große Pferdemärkte, Wollmarkt und (1880) 2627 evang. Einwohner.

Buttstedt, Johann Friedrich, Organist und Musikschriftsteller, geb. 25. April 1666 zu Bindersleben bei Erfurt, bekleidete von 1684 an verschiedene Organistenstellen in dieser Stadt, zuletzt die der Predigerkirche. Er starb 1. Dez. 1727 daselbst. Außer einer Anzahl von Kompositionen für Orgel und Klavier hinterließ er die Schrift "Ut, re, mi, fa, sol, la, tota musica et harmonia aeterna" (Erfurt 1717), in welcher er als einer der letzten Verteidiger der von Mattheson angegriffenen Solmisation (s. d.) auftritt.