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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cadoudal; Cadran; Cadre; Caduceati; Caduceus; Cadurci; Cadus; Caedmon; Caen

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Cadoudal - Caen.

nieder und wurde Mitglied des Staatsrats. An der Herstellung der administrativen und legislativen Einheit Italiens hatte er hervorragenden Anteil. Nachdem er 1864 nach dem Septemberaufruhr in Turin den schwierigen Posten eines Präfekten daselbst bekleidet, trat er 1867 nach Mentana als Minister des Innern in das Kabinett Menabrea ein und unterdrückte die Unruhen in der Romagna. 1869-75 war er italienischer Botschafter in London und wurde nach seiner Rückkehr zum Präsidenten des Staatsrats ernannt. C. ist einer der wenigen überlebenden Mitglieder der alten liberalen piemontesischen Partei, daher jetzt der Rechten angehörig.

2) Raffaele, ital. General, geb. 1815 zu Mailand, trat 1840 in das sardinische Geniekorps, ward 1848 als Hauptmann nach Mailand geschickt, von der provisorischen Regierung zum Major ernannt und war 1849 kurze Zeit Generalsekretär des Kriegsministeriums. Nach dem Ende des Kriegs begab er sich mit Urlaub nach Algier und nahm im Generalstab Saint-Arnauds an der zweiten Expedition gegen die Kabylen Anteil, machte dann als Kompaniechef den Feldzug nach der Krim mit, wo er sich mehrfach auszeichnete, ward 1859 Oberstleutnant im Generalstab und 1860 General, in welcher Stellung er die militärische Organisation Toscanas leitete. Später erhielt er das Kommando in Sizilien, dann das gegen die Regimenter in den Abruzzen. Im September 1866 bewältigte er den bourbonischen Aufstand im Palermitanischen, 1869 die Mahlsteuerrevolte in den Marken. Am 11. Sept. 1870 rückte er mit den italienischen Truppen im Kirchenstaat ein, besetzte am 16. Civita Vecchia und stand am 20. vor Rom. Nach kurzem Artilleriekampf zog er noch an diesem Tag daselbst ein und besetzte die Stadt mit Ausnahme des sogen. Leoninischen Teils. Auf Bitte des Papstes, der den dortigen Einwohnern nicht traute, besetzte er 22. Sept. auch diesen Stadtteil. Bis zur Volksabstimmung und förmlichen Einverleibung des Kirchenstaats in das Königreich Italien blieb C. als Gouverneur in Rom. 1873 erhielt er das Kommando in Turin, schied aber 1877 aus dem Dienst.

Cadoudal (spr. kadudall), Georges, Chef der Chouans im französischen Revolutionskrieg, geb. 1. Jan. 1771 zu Brech bei Auray (Morbihan) als der Sohn eines Müllers, studierte in Vannes, schloß sich jedoch 1793 der Erhebung der Royalisten in der Vendée und in der Bretagne an und ward Anführer der Chouans. 1794 wurde er zwar gefangen, entkam aber und schwang sich nach der mißglückten Landung auf Quiberon zum Chef der Insurrektion in der Niederbretagne empor. Nachdem er sich 1796 scheinbar unterworfen, fachte er 1799 den Aufstand in der Bretagne aufs neue an. Erst als sich nach den Niederlagen der Insurgenten bei Grandchamp und Elven (Januar 1800) fast sämtliche Häuptlinge der Chouans unterworfen hatten, schloß auch C. 9. Febr. einen Vertrag mit General Brune und entließ seine Truppen. Man suchte ihn in Paris für die Republik zu gewinnen, aber er begab sich nach London, wo er von dem Grafen von Artois zum Generalleutnant ernannt ward. Er kam dann öfters insgeheim nach Frankreich, um für die realistische Sache zu wirken; die Anklage aber, daß er bei der Verschwörung der Höllenmaschine beteiligt gewesen sei, wies er zurück; dagegen landete er 21. Aug. 1803 mit Pichegru u. a. unweit Béville an der Küste der Normandie in der Absicht, ein Attentat auf den Ersten Konsul auszuführen. Die Verschwörung wurde aber entdeckt und C. 9. März 1804 verhaftet. Im Kriminalprozeß eines Mordanschlags auf den Ersten Konsul überwiesen, wurde er 10. Juni 1804 zum Tod verurteilt und 25. Juni nebst elf Mitverschwornen durch die Guillotine hingerichtet. Nach der Restauration wurde die Familie Cadoudals geadelt.

Cadran (franz., spr. -drang; v. lat. quadrans), Zifferblatt einer Uhr (weil es ursprünglich nur einen Viertelkreis faßte); auch s. v. w. Uhr, besonders Sonnenuhr.

Cadre (franz.), s. Kadre.

Caduceati (sc. nummi, lat.), röm. Münzen mit dem Schlangenstab des Merkur, nicht nur Kaisermünzen, sondern auch Münzen griechischer Städte; sie kommen in jedem Metall vor, gehören aber zu den Seltenheiten.

Caduceus (lat., griech. Kerykeion), der Hermesstab, d. h. der bekannte, vorn mit zwei verschlungenen und mit den Köpfen einander zugekehrten Schlangen versehene Stab, das gewöhnlichste Attribut des Hermes oder Merkur (Caducifer). Neben dieser durch die ausgebildete Kunst stereotyp gewordenen Form gibt es aber eine ältere (auf Vasenbildern erhaltene), welche im wesentlichen der Wünschelrute der deutschen Sage entspricht: eine einfache Gerte, die vorn in eine zum Knoten verschlungene Zwiesel ausgeht. Auch die Bedeutung des C. war insofern dieselbe, als dieser gleichfalls für eine Zauberrute galt, die alles, was sie berühre, in Gold und Überfluß verwandle. Bei Homer wird namentlich die einschläfernde Gewalt des C. hervorgehoben, oder wie Hermes die Seelen der Verstorbenen damit hinter sich herzieht, um sie zur Unterwelt zu bringen; auch wird er in verschiedenen Erzählungen zu magischen Verwandlungen verwandt. Vorzüglich aber dient der C. als Heroldsstab, d. h. als Symbol des friedlichen, auf herkömmlichem Rechte der Völker berührenden Verkehrs, in welcher Bedeutung er seit alter Zeit das Abzeichen aller Herolde war und später selbst auf die Kaufmannschaft als deren Symbol überging. Seine antiken Hauptformen zeigen die nebenstehenden Figuren. Die Bedeutung der Schlangen am C. ist unsicher; statt ihrer finden sich vereinzelt auch Widderköpfe. - Meister mit dem C., Beiname des Malers Jacopo de' Barbari (s. d.).

^[Abb.: Caduceus.]

Cadurci, s. Kadurker.

Cadus (lat., griech. Kados, "Krug"), bei den alten Römern ein größeres irdenes Gefäß zum Aufheben flüssiger und trockner Dinge, besonders des Weins; vielfach gebraucht als Bezeichnung des größten griechischen Maßes, der Metretes (39,4 Lit.), und darum statt dieses von den Römern meist benutzt bei Maßbezeichnung griechischer Weine. An Dimension kam dem C. die römische Amphora (nicht zu verwechseln mit der griechischen, die dem C. völlig gleich ist) am nächsten, welche zwei Drittel von ihm ausmacht. Diese römische Amphora war das spezielle Maß für italische Weine.

Caedmon (Ceadmon), s. Kädmon.

Caen (spr. kang), Hauptstadt des franz. Departements Calvados und der ehemaligen Niedernormandie, liegt 14 km vom Meer in einem reizenden Thal am Zusammenfluß des Odon und der Orne, die einen für Schiffe von 4-5 m Tiefgang fahrbaren, vom Außenhafen Ouistreham bis in die Stadt führenden Kanal speist, und an der Linie Paris-Cherbourg der Westbahn, von welcher hier mehrere Zweiglinien

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]