Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Calanca, Val; Calanda; Calando; Calandra; Calandrelli; Calandrone; Calantica; Calao; Calape; Calas; Calasanza; Calascibetta

730

Calanca, Val - Calascibetta.

stehenden Scheiden besetzt sind. Die Blätter sind paarig gefiedert, mit stachligen Stielen, Rippen oder Fiedern, der Blattstiel verlängert sich bei einigen in einen peitschenförmigen, dornig gestachelten Anhang und ist bisweilen gänzlich fiederlos. Mittels dieser Organe befestigen sich die klimmenden Palmen zwischen andre Pflanzen, erreichen so trotz des schwachen Stengels bedeutende Höhen und bilden oft undurchdringliche Geflechte. Die Blütenkolben sind achselständig, monözisch oder diözisch. Die hasel- oder walnußgroße Frucht gleicht einem umgekehrten Tannenzapfen, ist braun, rot oder gelblich, schuppig und ein-, bisweilen zweisamig. Die Gattung ist im tropischen Afrika von Guinea bis zum Weißen Nil, in Vorder- und Hinterindien und auf den asiatischen Inseln vertreten. C. Draco Willd. (Daemonorops Draco Bl., Drachenblutpalme) überrankt auf Sumatra und den Malaiischen Inseln die Bäume und liefert wahrscheinlich die weißen und braunen Manila-Drachenrohre. Die Früchte sind etwas größer als Kirschen, zur Zeit der Reife mit einem roten Harz bedeckt und liefern das Drachenblut. C. Rotang L., C. equestris Willd., C. Royleana Griff., C. viminalis Reinw., und viele andre weithin wuchernde Arten auf dem Kontinent und auf den Inseln liefern das Spanische Rohr, C. scipionum Lour. die Malakkaröhrchen. Die jungen Sprosse vieler Arten werden roh und gekocht gegessen, die sauren Früchte einiger Arten wie Tamarinden benutzt. Die Calamusarten sind von großer Schönheit und bilden eine Zierde der Palmenhäuser, aber sie sind ziemlich empfindlich und als Zimmerpflanzen kaum zu erhalten. S. Tafel "Industriepflanzen".

Calanca, Val, ein rechtzeitiges Nebenthal des Valle Misocco in Graubünden, diesem parallel, aber enger, schluchtenartig, von der Calancasca durchrauscht, einsam, aber mit zahlreichen wohlhabenden Dörfern. Hoch über dem Eingang, bei Santa Maria, die Ruine des Kastells C. Die Bevölkerung, in elf Gemeinden (1880) 1536 Köpfe stark, durchaus italienischer Zunge und katholischer Konfession, ist im Sommer größtenteils abwesend, da die Männer als Glaser, Erdarbeiter, Steinhauer etc. Verdienst in der Fremde suchen.

Calanda, Berggipfel in der Gruppe der Sardona (s. d.) in den Glarner Alpen.

Calando (ital.), in der Musik s. v. w. abnehmend an Tonstärke und Tempo.

Calandra, Kornwurm.

Calandra, Giovanni Battista, ital. Mosaikarbeiter, geb. 1586 zu Vercelli, gest. 1644 oder 1648. Die Mosaikmalerei gewann durch ihn in künstlerischer und in technischer Beziehung, und namentlich war es auch die Erfindung eines bessern Kittes, welche seine Bestrebungen außerordentlich förderte. Die Feuchtigkeit in der Peterskirche bestimmte Urban VIII. und Innocenz X., durch C. viele Malereien in musivischer Arbeit ausführen zu lassen, z. B. die vier Kirchenväter, den Erzengel Michael den Drachen mit Füßen tretend, die Apostel Petrus und Paulus etc. Auch Bildnisse und Kopien hat man von ihm.

Calandrelli, Alexander, Bildhauer, geb. 9. Mai 1834 zu Berlin, Sohn des 1832 aus Rom berufenen Edelsteinschneiders Giovanni C., ging 1848 auf die Berliner Kunstakademie und arbeitete dann bei den Bildhauern Dankberg, Drake und Fischer bis 1864. Kleine Wachsarbeiten, die er bei Fischer hatte fertigen lernen, bildeten den Übergang zu größern Bildhauerarbeiten; die erste größere Wachsarbeit waren die Modelle zu einem silbernen Tafelaufsatz. Dann folgten die vier Ecksoldaten an der großen silbernen Ehrensäule und die Soldatenfiguren an dem silbernen denkmalartigen Aufbau zum 50jährigen Stiftungsfest des Eisernen Kreuzes, beide im Berliner Schloß; ferner eine Reiterstatuette des Königs Wilhelm I. im Turnierkostüm; zwei Landsknechte, 2 m groß; eine überlebensgroße sitzende Statue von Peter v. Cornelius; die Statue des Generals York zu dem Denkmal Friedrich Wilhelms III. für Köln, dessen Vollendung C. nach Bläsers Tod übertragen worden war; das auf den dänischen Krieg bezügliche Relief am Siegesdenkmal in Berlin: Auszug der Truppen und Erstürmung der Düppeler Schanzen, das beste der vier Reliefs; der Kunstgedanke, eine Treppenwangenfigur für die Berliner Nationalgalerie; eine stehende Figur von P. v. Cornelius für die Vorhalle des Alten Museums; ein Kriegerdenkmal für den fünften Distrikt in Berlin und eine kolossale Reiterstatue Friedrich Wilhelms IV. für die Freitreppe der Berliner Nationalgalerie.

Calandrone, in Italien ein flötenartiges Blasinstrument der Landleute.

Calantica (Calautica, lat.), eine Art Haube der altrömischen Frauen (nicht selten auch aus Tierblasen), welche teils den ganzen Kopf bedeckte, so daß die Haare wie in einem Sack den Nacken hinabhingen, teils hinten offen waren.

Calao, s. v. w. Nashornvogel.

Calape, amerikan. Ragout von Schildkrötenfleisch.

Calas (spr. -las), Jean, ein Opfer des Religionsfanatismus, geb. 19. März 1698 als Protestant zu Lacaparède bei Chartres, lebte in Toulouse mit seiner Familie als unbescholtener Kaufmann. Am 13. Okt. 1761 wurde sein ältester Sohn im Magazin erhängt gefunden. Derselbe war seit einiger Zeit schwermütig gewesen, da er aber angeblich katholisch geworden war oder es doch werden wollte, so wurde der Vater beschuldigt, ihn aus Religionshaß ermordet zu haben. Die ganze Familie wurde darauf gefänglich eingezogen. Die Mönche thaten alles, um das Volk aufzureizen: sie bestatteten den Leichnam aufs pomphafteste und priesen den Toten als Märtyrer des katholischen Glaubens. Vergeblich beteuerte C. seine Unschuld, das durch Volkstumulte eingeschüchtert Parlament erklärte ihn, wiewohl mit schwacher Stimmenmehrheit, des Mordes überführt und verurteilte ihn zum Tode durchs Rad von unten auf nach vorhergegangene Folter. Dieses Urteil wurde 9. März 1762 vollzogen. C. starb mit seltener Standhaftigkeit und beteuerte bis zum letzten Atemzug seine Unschuld. Sein Vermögen wurde eingezogen; die Kinder brachte man in ein Kloster. Die Witwe zog mit einem der Söhne nach Genf, wo sie viele Freunde fand. Besonders nahm sich Voltaire der Sache an, brachte den Prozeß durch seine Schrift "Sur la tolérance à cause de la mort de Jean C." vor die Öffentlichkeit und bewirkte so eine Revision des ganzen Prozesses. Nach Einsicht der Akten annullierten 1765 König und Rat einstimmig das Urteil, erklärten C. und seine Familie für unschuldig und gaben derselben ihre eingezogenen Güter zurück; doch wurden weder die Gerichte von Toulouse wegen dieses Justizmordes noch die fanatischen Pfaffen ihres die Menge aufreizenden Treibens wegen zur Rechenschaft gezogen. Vgl. Coquerel, J. C. et sa famille (2. Aufl., Par. 1870).

Calasanza, Joseph, s. Piaristen.

Calascibetta (spr. kalaschi-), Stadt in der ital. Provinz Caltanissetta (Sizilien), Kreis Piazza Armerina, malerisch auf einem 782 m hohen Bergkegel, Castrogiovanni gegenüber, gelegen, zwischen welchen beiden Orten Straße und Eisenbahn durch einen Engpaß

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]