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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Caldas; Caldera; Calderari; Calderon

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Caldas - Calderon.

tungen sind die besten in ganz Spanien). -

3) C. de Vizella, in der portugiesischen Provinz Minho, Distrikt Braga, im reizenden Thal des Rio Vizella gelegen, mit Schwefelquellen von 29° C. und vielbesuchten Badeanstalten.

Caldas, Stadt im S. der brasil. Provinz Minas Geraës, von Goldsuchern gegründet, mit heißen Schwefelquellen und 8000 Einw.

Caldera, Kesselthal, s. Barranco.

Caldera, Hafenstadt von Copiapo, der Hauptstadt der Provinz Atacama in Chile, in öder Sandgegend, aber mit sicherm, durch zwei Molen geschütztem Hafen und (1875) 3082 Einw.; Sitz eines deutschen Konsuls. Die Ausfuhr besteht vornehmlich aus Kupfer-, Silber- und sonstigen Erzen, die Einfuhr aus Kohlen.

Calderari ("Kesselschmiede"), eine geheime politische Gesellschaft in Italien, vornehmlich in Neapel, ward 1816 vom Fürsten Canosa als monarchischer Gegenbund gegen die Karbonari gegründet, erlangte aber keinen maßgebenden Einfluß und verschwand infolge des Siegs der Liberalen 1820.

Calderon, 1) Don Pedro C. de la Barca Henao y Riano, der große dramatische Dichter der Spanier, geb. 17. Jan. 1600 zu Madrid als Sprößling einer altadligen Familie. In seinem 9. Jahr wurde er einem Jesuitenkollegium daselbst übergeben und bezog dann im 13. Jahr die hohe Schule von Salamanca, wo er sich juristischen, philosophischen und mathematischen Studien widmete. Daneben lag er aber auch der Ausbildung seines poetischen Talents ob, und schon in seinem 14. Jahr konnte er die erste Frucht desselben, sein Schauspiel "Elcarro de cielo", veröffentlichen. Im J. 1619 von Salamanca nach Madrid zurückgekehrt, fand er am dortigen Hof mächtige Freunde, verließ denselben aber 1625 wiederum seinem kriegerischen Hang nachzugeben, und folgte den Fahnen des Königs zehn Jahre lang, namentlich in Mailand und in den Niederlanden, ohne sich jedoch Heldenruf erwerben zu können. Philipp IV. rief ihn 1635 an den Hof zurück, übertrug ihm die Leitung seines Theaters im Lustschloß Buen Retiro sowie die Anordnung aller königlichen Feste und Lustbarkeiten und erhob ihn 1637 zum Ritter des Ordens von Santiago. Vom König beauftragt, für die königliche Bühne ein dramatisches Werk zu liefern, schrieb C. das Schauspiel "Certamen de amor y zelos", eilte dann zu dem Heer der spanischen Ritterorden nach Katalonien und erntete jetzt auch kriegerischen Ruhm. Der König überhäufte ihn nun mit Auszeichnungen wie mit künstlerischen Aufträgen, setzte ihm eine hohe Pension aus und ließ seine Dramen mit möglichstem Pomp ausführen. In seinem 50. Jahr bemächtigte sich des einst so lebensfrohen Dichters ein Hang zum Mystizismus; er trat 1651 in den geistlichen Stand und erhielt 1653 vom König eine der Kaplanstellen an der erzbischöflichen Kirche zu Toledo, die er auch beibehielt, als ihn Philipp IV., um ihn in der Nähe zu haben, 1663 zum Kaplan an der königlichen Hofkapelle zu Madrid ernannte. Noch ehe C. öffentlich in den geistlichen Stand getreten war, hatte sich seine poetische Thätigkeit überliegend den Autos sacramentales (s. Auto) zugewendet; von jetzt an widmete er sich ausschließlich dieser dem orthodoxen Zeitgeist entsprechenden Dichtgattung und leistete darin in der That Ausgezeichnetes. Schneller als sein weltlicher Dichterruf verbreitete sich sein Ruf als Schöpfer der herrlichsten geistlichen Schauspiele über ganz Spanien, und von allen ersten Städten des Reichs, Madrid, Toledo, Sevilla, Granada u. a., wurde er mit Auftragen überhäuft. 1663 zugleich Mitglied der Brüderschaft von San Pedro zu Madrid, wurde er einige Jahre später zum Capellan-Mayor derselben ernannt, und diese Ehre erfreute ihn so, daß er dem frommen Verein sein ganzes nicht geringes Vermögen vermachte. Er starb 25. Mai 1681. Seine Asche ruhte über anderthalb Jahrhunderte in der Kirche San Salvador zu Madrid, wo ihm die genannte Brüderschaft von San Pedro ein Denkmal setzen ließ; 1841 wurde dieselbe nach dem Kirchhof des Klosters San Nicolas vor dem Atochathor übergeführt. Eine (sitzende) Bronzestatue des Dichters von Figueras wurde im Januar 1880 auf dem St. Annenplatz zu Madrid feierlich enthüllt. C. ist ohne Zweifel das glänzendste poetische Genie, das der Katholizismus hervorgebracht hat, und zwar der vorzugsweise "katholische Dichter", dabei von erstaunlicher Vielseitigkeit. Seine Werke sind sehr zahlreich, aber weder in streng chronologische Folge noch rein und vollständig erhalten. Sie zerfallen in Autos sacramentales oder Opferdarstellungen (z. B. "La cena de Baltasar"), Wunderkomödien (am berühmtesten "La devocion de la cruz", "El magico prodigioso", "El principe constante" u. a.), tragische Schauspiele (z. B. "El alcalde de Zalamea", "La nina de Gomez Arias"), Konversationsstücke (darunter "Dicha y desdicha del nombre", "La dama duende", "Guardate de la agua mansa"); ferner in mythologische Festspiele (z. B. "Eco e Narciso", "El mayor encanto amor"), Ritterspektakelstücke (z. B. "La puente de Mantible", "En esta vida todo es verdad y todo mentira"), historische Schauspiele (darunter "Hija del aire", "Afectos de odio y amor" u. a.) und romantische Schauspiele verschiedener Qualität, worunter das berühmte "La vida es sueno", "Saber del mal y del bien" etc. zu zählen sind. Was den poetischen Wert derselben betrifft, so offenbaren sich in Calderons dramatischer Behandlungsweise der Stoffe ebensoviel künstlerische Absichtlichkeit des berechnenden Verstandes, dem die Phantasie bei aller ihrer Fülle untergeordnet ist, wie tiefe Weltanschauung und Erhebung des Gemüts bis zur äußersten Grenze der Welt der Erscheinungen. Er übertrifft seine Vorgänger durch den psychologisch-ethischen Gehalt seiner Dramen, durch die harmonische Gliederung ihrer Szenerie und durch den edlen, bis aufs äußerste gefeilten Ausdruck. Um Neuheit der Stoffe hat er sich wenig bekümmert, dagegen beherrscht er mit Sicherheit den Stoff und faßt in der besondern Thatsache stets das Abbild allgemeiner Gesetze auf. Seine Lieblingsbilder kehren zwar oft wieder, gewinnen aber immer neuen Reiz durch andre Zusammenstellung. Übrigens ist der Gehalt der dramatischen Werke Calderons ungleich. Während mehreren, unter denen wir besonders "Die Tochter der Lust", "Das Leben ein Traum", "Die Andacht zum Kreuz", "Der wunderthätige Magus", "Der standhafte Prinz", "Des Namens Glück und Unglück" etc. hervorheben, der wunderbarste Zauberreiz innewohnt, wenn auch das von ihm gepflegte katholisch-romantische Ideal sittlich und religiös unser Gefühl nicht befriedigt (vgl. "Der Arzt seiner Ehre", "Der Richter von Zalamea"), ermüden andre durch rhetorisierende Dogmatik; auch sind die massenhaften Allegorien und Personifikationen der abstraktesten Begriffe, welche C. ohne Scheu handelnd auftreten läßt, in vielen Stücken störend. Nicht wenige im höhern Alter verfaßte weltliche Schauspiele zeugen von kalter Unlust am Leben; manche Jugendwerke mißfallen wegen Überladung mit Bilderschmuck und durch Prunk des Ausdrucks (estilo culto). C. selbst legte in seinem Alter das meiste Gewicht aus seine Autos sacramen-^[folgende Seite]

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