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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Camajore; Camaldoli; Camaná; Camaracum; Camargo; Camargue, La; Camarilla; Camarina; Camáuro; Cambacérès

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Camajore - Cambacérès.

oder violetter Seide oder Wolle; auch der Hals eines Panzerhemdes; auch ein kleiner, eleganter, wenig über die Taille herabreichender Damenmantel mit Armlöchern; die Helmdecke auf Wappen.

Camajore, Stadt in der ital. Provinz Lucca, in der Ebene südlich der Apuanischen Alpen, am Flüßchen C., hat Ringmauern, eine große Kirche von 1278, ein kleines Theater, einen alten Triumphbogen, Öl- und Seidenkultur und (1881) 3169 Einw.

Camaldoli, berühmtes Kloster in der ital. Provinz Arezzo (Toscana), hoch oben im Apennin südöstlich vom Monte Falterona gelegen, von welchem der Orden der Kamaldulenser den Namen hat. Es ist ein Gebäude ohne architektonische Bedeutung, dessen reiche Bibliothek und Handschriftensammlung während der Aufhebung des Klosters zur französischen Zeit verschleudert wurden. Die umgebende Gebirgsnatur mit ihren Wäldern und ihrem Wasserreichtum ist großartig. Noch höher nördlich liegt die Einsiedelei Je Sacro Eremo, wo der heil. Romuald, der Stifter des Kamaldulenserordens, seine erste Zelle baute. - C. ist auch Name mehrerer andrer Klöster in Italien, darunter des berühmten Klosters bei Neapel, das 1585 für die Benediktinermönche der "weißen Reform" gegründet, dann als Convento di Santa Maria Scala Coeli für den Kamaldulenserorden erweitert wurde. Es liegt auf dem höchsten Punkt um Neapel (450 m ü. M.) und gewährt, besonders vom Belvedere aus, eine entzückende Aussicht.

Camaná, Stadt im Departement Arequipa der südamerikan. Republik Peru, in fruchtbarer Ebene am Fluß Mages, der 10 km unterhalb ins Stille Meer fällt, hat 2 Kirchen, eine höhere Schule, ein Hospital, Zucker- u. Olivenbau und (1876) 4658 Einw.

Camaracum, lat. Name für Cambrai.

Camargo, Stadt im mexikan. Staat Tamaulipas, in sandiger Gegend bei der Mündung des Rio Pespuerto in den Rio Grande, der Stadt Rio Grande in Texas gegenüber, mit etwa 6000 Einw. Kupfer und Steinkohlen kommen in der Umgegend vor.

Camargo, Stadt in Bolivia, s. Cinti.

Camargo, Marie Anne Cuppis de, berühmte franz. Tänzerin, geb. 15. April 1710 zu Brüssel aus altadliger Familie, ward bereits 1726 an der Großen Oper zu Paris engagiert und bald als die Taglioni ihrer Zeit allgemein bewundert. Sie besuchte 1743 auch England und starb, seit 1750 pensioniert, 20. April 1770 in Paris. Voltaire gehörte zu den glühendsten Verehrern ihrer Kunst.

Camargue, La (spr. -märgh, angeblich entstanden aus Caji Marii ager), eine Insel des Rhônedelta im franz. Departement Rhônemündungen, wird von den beiden Hauptmündungsarmen des Rhône eingeschlossen und hat einen Flächeninhalt von etwa 790 qkm, aber eine sehr geringe, sich noch immer verringernde ständige Bevölkerung. Der lediglich angeschwemmte, sumpfige, von Lachen und toten Flußarmen durchschnittene Boden ist durch Eindeichungen gegen Überschwemmungen geschützt und so stellenweise in fettes Marschland verwandelt; aber zum Teil ist er mit Salz durchtränkt, zum Teil vom Fieber heimgesucht, staubig im Sommer, halb unter Wasser im Winter, so daß thatsächlich nur gegen 13,000 Hektar im nördlichen Teil angebaut sind und Weizen, Gerste, auch Wein hervorbringen, während sonst große Herden von Schafen, aber nur im Winter, auch Pferde und halbwilde Ochsen und Büffel in den Sumpfflächen weiden. Namentlich gegen die Küsten hin, wo die niedrigen Sanddünen den Überflutungen des Meers einen nur unvollkommenen Damm entgegensetzen und die Strandseen (darunter der Valcarés) 210 qkm einnehmen, ist der Boden morastig, sandig und salzig und wird nur zur Salz- und Sodagewinnung benutzt. Dies ist das Paradies für Unmassen von Wasservögel; auch Biber kommen hier noch vor. Es steht fest, daß die Insel früher große Wälder trug, und in den jetzigen Sümpfen gefundene Reste römischer Bauten zeigen, daß sie ehemals auch allenthalben bewohnt war; es scheint, daß die Versumpfung und Fieberluft erst seit Errichtung der großen Dämme eingetreten sind, infolge deren der Abfluß des Wassers aufgehört hat und dasselbe stagniert. Die ganze C. gehört Besitzern aus Arles und Saintes-Maries de la Mer, dem eigentlichen Hauptort der Insel. Vgl. Leger, La C., étude agricole (Par. 1875).

Camarilla (span., spr. -rillja, "Kämmerchen, Kabinett"), seit Ferdinand VII. von Spanien Name für eine Günstlings- und Hofpartei, welche in der unmittelbaren Umgebung der absoluten Herrscher sich befindet und auf diese einen für den Staat verderblichen, persönlichen Interessen dienenden Einfluß ausübt.

Camarina, im Altertum Stadt auf der Südküste Siziliens, an der Mündung des Hipparis (jetzt Fiume Camarana, wo noch unbedeutende Ruinen), wurde 599 v. Chr. von Syrakus gegründet, 552 aber wegen des Versuchs, sich selbständig zu machen, von den Syrakusaner zerstört. Durch neue Ansiedelungen von Gela aus (495 und 461) erhob sich zwar die Stadt wieder zu einiger Blüte, sank aber seit 405 in den Kämpfen der Karthager und später der Römer allmählich zur Dorfschaft herunter und wurde im 9. Jahrh. n. Chr. von den Sarazenen völlig zerstört.

Camáuro (ital.), die rotsamtene Papstmütze.

Cambacérès (spr. kangbasserähs), Jean Jacques Régis de, Herzog von Parma und Erzkanzler des französischen Reichs unter Napoleon I., geb. 18. Okt. 1753 als Sprößling einer alten Juristenfamilie zu Montpellier, wurde als Nachfolger seines Vaters 1772 Steuerrat und 1791 Präsident des Kriminalgerichts daselbst. 1792 in den Konvent gewählt, trat er hier mit großer Mäßigung auf, erwirkte dem gefangenen König einige Freiheiten und stimmte für dessen Tod nur in dem Fall, daß seine Befreiung vom Ausland mit den Waffen erzwungen werden sollte. Dabei war er für Organisation der Rechtspflege thätig. Auf seinen Vorschlag vom 10. März 1793 wurde der Wohlfahrtsausschuß gebildet. Als Mitglied desselben klagte er den General Dumouriez 20. März des Hochverrats an. Durch sein "Projet de Code civil et discours préliminaire", das als Grundlage zum spätern Code Napoléon diente, erwarb er sich das größte Verdienst um sein Vaterland und erhielt mit Merlin aus Douai den Auftrag, alle in Frankreich bestehenden Gesetze zu revidieren und sie in Einem Gesetzbuch zu vereinigen. Nach den Stürmen des 9. Thermidor, woran C. nicht beteiligt war, wurde er Präsident des Wohlfahrtsausschusses und beschleunigte die Friedensschlüsse mit Preußen und Spanien, geriet aber in den Verdacht, als suche er eine Diktatur oder die Monarchie herzustellen, weshalb er nicht in das Direktorium gewählt ward. Als Mitglied des Rats der Fünfhundert widmete er sich vornehmlich legislativen Arbeiten und wurde im Oktober 1796 zum Präsidenten erwählt, mußte aber aus Verlangen des Direktoriums austreten. Nach Sieyès' Eintritt in letzteres wurde er auf dessen Antrag Justizminister, nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire von Bonaparte zum Zweiten Konsul und nach Napoleons I. Thronbesteigung zum Erzkanzler des Reichs und 1808 zum Herzog von Parma ernannt. Bei dem großen Vertrauen, das

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