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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Campbelliten; Campbelltown; Campbeltown; Campe

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Campbelliten - Campe.

schlug und das Vordringen Liprandis gegen Balaklawa vereitelte. Im J. 1856 zum Generalleutnant und Generalinspektor der Infanterie befördert, erhielt er im Juli 1857 beim Ausbruch des indischen Aufstandes den Oberbefehl gegen die Rebellen. Er schlug dieselben 6. Dez. d. J. bei Khanpur, erstürmte im März 1858 Lakhnau und schlug im Lauf des Jahres 1858 den Aufstand nieder, wofür er den Dank beider Häuser des Parlaments erhielt und mit dem Titel Lord Clyde in den Peersstand und zum General erhoben wurde. Im Juli 1860 nach England zurückgekehrt, wurde er im November 1862 zum Feldmarschall ernannt, starb aber schon 14. Aug. 1863 in Chatham und wurde in der Westminsterabtei bestattet. Vgl. Shadwell, The life of Colin C. (Lond. 1881, 2 Bde.).

Campbelliten, Sekte, s. Baptisten.

Campbelltown, s. Fayetteville.

Campbeltown (spr. kämmbeltön), Hafenstadt in der schott. Grafschaft Argyll, an einer malerischen Bai, nahe am Südende der Halbinsel Kintyre (s. d.), hat (1881) 7712 Einw. und ist wegen seiner Whiskeybrennereien berühmt. Auch die Heringsfischerei ist von Bedeutung. Zum Hafen gehören 46 Seeschiffe von 2785 Ton. Gehalt und 395 Fischerboote mit 711 Mann Besatzung. C. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Campe, 1) Joachim Heinrich, vielseitig thätiger philanthropischer Pädagog und Schriftsteller, geb. 29. Juni 1746 zu Deensen bei Holzminden, studierte in Helmstedt und Halle Theologie, erhielt 1773 eine Feldpredigerstelle in Potsdam, war 1774-76 Erzieher der Brüder Wilhelm und Alexander v. Humboldt und wurde 1776 Prediger der Heiligengeistkirche in Potsdam. Von hier folgte er, ergriffen von Basedows Idee einer philanthropischen Reform des Schulwesens, noch in demselben Jahr einem Ruf nach Dessau als Edukationsrat und Lehrer am dortigen Philanthropen. Die Anstalt hob sich wesentlich unter Campes Leitung; doch brachten ihn Streitigkeiten mit Basedow schon im Herbst 1777 zu dem Entschluß, seine Stelle niederzulegen und zu Billwerder, in der Nähe von Hamburg, selbst ein Erziehungsinstitut zu gründen. Hier entstanden seine ersten berühmten Jugendschriften: "Robinson der jüngere" (1779) und "Die Entdeckung von Amerika" (1781). Angegriffene Gesundheit bewog ihn, 1783 mit seiner Anstalt aufs Land nach Trittau überzusiedeln und 1786 dieselbe an Trapp abzutreten. C. zog nun nach Braunschweig, wo er nach dem Wunsch des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand eine gründliche Reorganisation des Schulwesens durchführen sollte. Der Herzog ernannte ihn 1787 zum Kanonikus, später (1805) zum Dechanten des Stiftes St. Cyriaci. Aber die Reform scheiterte im ersten Beginn an dem Widerspruch der kirchlichen und ständischen Körperschaften; C. übernahm daher die braunschweigische Schulbuchhandlung und -Druckerei und lebte seitdem ganz der Schriftstellerei, besonders der Ausarbeitung seines "Wörterbuchs der deutschen Sprache" (Braunschw. 1807-11, 5 Bde.) und des "Wörterbuchs der Erklärung und Verdeutschung der unsrer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke" (das. 1801, 2. Aufl. 1813). Bei einer Reise nach Paris in Begleitung W. v. Humboldts 1789 wurde er, hingerissen von den Ideen der Revolution, französischer Bürger, was ihm später viele Angriffe zuzog. Größere Reisen unterbrachen noch öfters sein sonst stilles und zurückgezogenes Leben. Im J. 1809 ernannte ihn die theologische Fakultät zu Helmstedt ehrenhalber zum Doktor. Er starb nach langem Siechtum 22. Okt. 1818. Warme Liebe zur Jugend, verbunden mit streng sittlicher, nach der rationalistischen Weise des Zeitalters auch frommer Gesinnung, mit der Gabe beredter Darstellung und gleichmäßig würdevoller Haltung, machte ihn zu einem erfolgreichen Erzieher und zum hochgeachteten Mann in seiner jedesmaligen Umgebung. Selbst sein allzu nüchterner, dem Nützlichen zugewandter Sinn, in dem er unter anderm den Entdecker der Kartoffel und den Erfinder des Spinnrades über den Dichter der "Ilias" und der "Odyssee" stellte, hat ihm bei der Mitwelt weniger geschadet als bei der Nachwelt, die ihm jedoch im ganzen auch ihrerseits ein ehrendes Andenken bewahrt hat. Seine "Sämtlichen Kinder- und Jugendschriften" umfassen 37 Bändchen (4. Aufl., Braunschw. 1832) und haben ihrer Zeit große Verbreitung und viel Nachahmung gefunden. Am bekanntesten darunter sind heute noch der weit über Deutschlands Grenzen hinaus verbreitete "Robinson Crusoe der jüngere" (109. Aufl., Braunschw. 1884) und die "Geschichte der Entdeckung von Amerika" (26. Aufl., das. 1881). Von Bedeutung für ihre Zeit waren auch Campes theoretische Schriften pädagogischen, sprachlichen und populär-philosophischen Inhalts. Unter ihnen ragen hervor: "Theophron, oder der erfahrene Ratgeber für die unerfahrene Jugend" (1783, 2 Tle.; 11. Aufl. 1843; neu bearbeitet von Krause, Berl. 1873) und "Väterlicher Rat an meine Tochter" (1789, 10. Aufl. 1832) sowie die unvollendete "Schulencyklopädie" und das von 1785 bis 1791 als "Revision des gesamten Erziehungswesens" in 15 Bänden erschienene Werk, welches außer guten Kritiken namhafter Schulmänner auch Übersetzungen der pädagogischen Schriften Lockes und Rousseaus enthält. Die philosophischen Schriften Campes, als: "Philosophische Gespräche über die unmittelbare Bekanntmachung der Religion und über einige unzulängliche Beweisarten derselben" (Berl. 1773), "Die Empfindungs- und Erkenntniskraft der menschlichen Seele" (Leipz. 1776), "Über Empfindsamkeit und Empfindelei" (Hamb. 1779), "Kleine Seelenlehre für Kinder" (das. 1780; 9. Aufl., Braunschweig 1830), "Moritz, ein Beitrag zur Erfahrungsseelenkunde" (das. 1789) u. a., vertreten auf dem Gebiet der Religions- und Sittenlehre die Rechte des gesunden Menschenverstandes. In seinen reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiet der deutschen Sprache ging C. von einem höchst ehrenwerten nationalen Gesichtspunkt aus, beachtete aber dabei die damals noch wenig bekannte geschichtliche Entwickelung der Sprache nicht genugsam; doch bleibt sein reichhaltiges großes Wörterbuch immerhin ein bedeutendes Werk. Vgl. Hallier, J. H. Campes Leben und Wirken (2. Aufl., Soest 1862); Leyser, Joach. Heinr. C. (Braunschw. 1877, 2 Bde.). Die Campesche Buchhandlung ging an den Gatten seiner einzigen Tochter, Fr. Vieweg, über und blüht unter dessen Namen noch heute.

2) August, Buchhändler, Neffe des vorigen, geb. 1773 zu Deensen, lernte in seines Oheims Schulbuchhandlung das Geschäft und gründete 1800 mit seinem Bruder Friedrich (s. unten) eine Buchhandlung in Hamburg, übernahm aber kurz darauf die Leitung der Buchhandlung seines Schwiegervaters Hoffmann, die, 1781 gegründet, nunmehr unter der Firma "Hoffmann u. Campe" ihre bereits bedeutenden Geschäfte immer mehr ausdehnte und namentlich im deutschen, französischen und englischen Sortiment viel leistete. 1823 trat er diese Handlung an seinen Bruder Julius ab, behielt sich jedoch sämtlichen Verlag vor, den er unter seinem Namen vertrieb. Er starb 22. Okt.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]