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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Camper; Camperio; Camphausen

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Camper - Camphausen.

2. Dez. 1851 verweigerte, wurde er verhaftet, aber auf Veranlassung des Generals Forey freigelassen und nach Tunis gesendet, um dem Bei von Tunis bei der Reorganisation seiner Armee behilflich zu sein. Nach seiner Rückkehr in die französischen Dienste nahm er an dem Krimkrieg und als Souschef im Generalstab Mac Mahons am Feldzug in Italien 1859 teil, begleitete als Generalstabsoffizier den General Cousin-Montauban nach China und diente darauf als Generalstabschef bei einer Infanterie-, dann bei einer Kavalleriedivision. Im Juli 1870 wurde er, nachdem er zehn Jahre Oberstleutnant gewesen, zum Obersten und Generalstabschef der Kavalleriedivision Legrand im 4. Armeekorps ernannt und 16. Aug. bei Vionville schwer verwundet. Nach der Kapitulation von Metz ging C. als Kriegsgefangener nach Aachen. 1875 wurde er zum Brigade-, 1880 zum Divisionsgeneral befördert und erhielt das Kommando der in Paris garnisonierenden 5. Division. Vom November 1881 bis Januar 1882, dann vom Oktober 1883 bis zum Januar 1885 und wieder seit dem April 1885 war C. Kriegsminister.

Camper, Peter, Mediziner, geb. 11. Mai 1722 zu Leiden, studierte daselbst, ward 1750 Professor der Medizin in Franeker, 1755 der Chirurgie in Amsterdam und 1763 Professor der Chirurgie und Botanik in Groningen. 1773 legte er sein Amt nieder, privatisierte in Franeker und machte Reisen. Nachdem er 1787 Mitglied des Staatsrats geworden, siedelte er nach dem Haag über, wo er 7. April 1789 starb. Er schrieb: "Demonstrationes anatomico-pathologicae" (Haag 1760-62, 2 Tle., jeder mit 4 großen Kupfertafeln); "De claudicatione" (Groning. 1763); "Dissertatio de callo ossium" (das. 1765). Eine Sammlung seiner Schriften erschien Paris 1803, 3 Bände nebst Atlas. Er suchte die Schönheit der menschlichen Gesichtsform auf bestimmte Prinzipien zurückzuführen, wie die Aufstellung der nach ihm benannten Gesichtslinie beweist. Auch versuchte er sich früh im Zeichnen und Malen mit Ölfarben, ätzte viele kleine Blätter und schrieb über die Verbindung der Anatomie mit den zeichnenden Künsten. Ein Hauptverdienst erwarb er sich durch seine anatomischen und osteologischen Zeichnungen, von denen noch viele, in Waschmanier in ziemlicher Größe ausgeführt, vorhanden sind. Gleichen Fleiß widmete C. der theoretischen und praktischen Baukunst; ja, er versuchte sich noch im Alter von 50 Jahren in der Bildhauerei.

Camperio, Manfredo, ital. Reisender, geb. 1827 zu Mailand, wurde in Dresden und Graz erzogen, beteiligte sich 1843 und 1844 an den Aufständen in Italien, wurde infolgedessen verhaftet und nach Linz abgeführt, von wo man ihn 1848 nach Mailand brachte. Hier aber von den Italienern befreit, stellte er sich an die Spitze eines Freiwilligenkorps und focht erst mit diesem, dann in der Kavallerie von Piemont gegen Österreich, nahm, 1849 verwundet, als Unterleutnant seinen Abschied und begann von da ab eine Reihe größerer Reisen. Nachdem er die Türkei bereist hatte, ging er nach Australien, in dessen südöstlichem Teil er Nachsuchungen nach Gold machte. 1859 nach Italien zurückgekehrt, focht er sogleich und wiederum 1866 im sardinischen Heer als Kavalleriekapitän, nahm 1867 abermals seinen Abschied, um nach Ägypten zu gehen, von wo er eingehende Berichte über die Arbeiten am Suezkanal an die "Perseveranza" zu Mailand sandte. Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich vornehmlich mit handelsgeographischen Fragen und wurde als Delegierter mehrerer Handelskammern und der Direktion der südlichen italienischen Eisenbahnen zur Eröffnung des Suezkanals entsandt. Er befuhr den Nil bis Assuan hinauf und ging von da nach Ostindien, Ceylon und Java. Seine Berichte über diese Reisen erschienen in der "Perseveranza". Dann wiederum in Italien, wurde er bald ins Parlament gewählt, wo er besonders bei der Frage der Subventionen für die italienischen Dampferlinien thätig war, und gründete 1876 die Zeitschrift "Esploratore" und die Gesellschaft für die kommerzielle Erforschung Afrikas. Im Auftrag dieser Gesellschaft bereiste er 1879-80 Tunis und Tripolis u. 1881 Bengasi.

Camphausen, 1) Ludolf, preuß. Staatsmann, geb. 3. Jan. 1803 zu Hünshoven im Regierungsbezirk Aachen, widmete sich dem Kaufmannsstand und begründete 1825 mit einem ältern Bruder in Köln ein noch jetzt daselbst blühendes Handlungs- und Bankhaus. Um gemeinnützige Unternehmungen, wie die rheinische Dampfschleppschiffahrt, den Bau von Eisenbahnen, machte er sich sehr verdient und erlangte bald großes Ansehen bei seinen Mitbürgern. Er ward Mitglied des Stadtrats und der Handelskammer, bekleidete außerdem andre bürgerliche Ehrenämter und wurde 1842 in den rheinischen Provinziallandtag, 18-47 in den Vereinigten Landtag gewählt, wo er den periodischen Zusammentritt dieser Versammlung beantragte. Obwohl er nur selten auf der Tribüne erschien, besaß er in hervorragendem Maß das Vertrauen der Liberalen und stand auch am Hof in Ansehen. Seit Februar 1848 Mitglied des Vereinigten ständischen Ausschusses, ward er nach dem Rücktritt des Grafen Arnim-Boitzenburg 29. März 1848 zur Bildung eines neuen Ministeriums berufen, worin er den Vorsitz übernahm. Doch erlosch seine Popularität sehr bald, da er mit seiner Ansicht, daß die Bewegung bereits zu weit gegangen sei, nicht zurückhielt. Als der von ihm vorgelegte, von Hansemann ausgearbeitete Verfassungsentwurf keinen Beifall fand, nahm er 20. Juni seine Entlassung. Die Aufforderung des Reichsverwesers, im Juli 1848 in das Reichsministerium einzutreten, lehnte er ab, ging aber als Bevollmächtigter Preußens bei der deutschen Zentralgewalt nach Frankfurt, um hier den seiner Ansicht nach zu weit gehenden demokratischen Tendenzen der Majorität entgegentreten und eine Verständigung mit der spezifisch preußischen Partei anzubahnen. Er bekämpfte die Kaiseridee und die Reichsverfassung, gegen welche er eine gemeinschaftliche Erklärung von 31 Regierungen veranlaßte, und war Urheber der preußischen Zirkularnote vom 23. Jan. 1849, worin die Errichtung eines engern Bundesstaats unter Leitung Preußens verheißen ward. Als das Ministerium Brandenburg eine andre Politik einschlug, nahm C. Ende April 1849 seine Entlassung. In der preußischen Ersten Kammer von 1849-50 machte er noch einmal seine vermittelnde Politik mit Erfolg geltend, verteidigte auch im Volkshaus zu Erfurt 1850 als Referent des Verfassungsausschusses die Annahme der Verfassung en bloc und befand sich in der Ersten Kammer von 1850-51 in den Reihen der Opposition. Nach seinem Austritt aus dem Staatsdienst trat er zuerst in seine frühere Stellung als Associé des Bankhauses A. u. L. Camphausen, dann ganz in das Privatleben zurück.

2) Otto, preuß. Finanzminister, Bruder des vorigen, geb. 21. Okt. 1812 zu Hünshoven, besuchte das Gymnasium in Köln, studierte in Bonn, Heidelberg, München und Berlin Jurisprudenz und Kameralwissenschaften, trat im Herbst 1834 als Referendar in den Staatsdienst und wandte sich, angeregt durch seinen Bruder Ludolf, vorzugsweise dem Studium

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