Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Canities; Canitz; Canitz und Dallwitz; Canlassi; Canna; Cannä

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Canities - Cannä.

drängen suchte. C. wurde im November 1864 selig gesprochen. Seine Biographie schrieben Rieß (Freib. 1865) und Marcour (das. 1881). - Sein Neffe Heinrich C., gelehrter Kanonist, fleißiger Sammler schätzbarer historischer Denkmäler, geb. 1562 zu Nimwegen, starb als Professor 2. Sept. 1610 in Ingolstadt. Seine "Summa juris canonici" (Ingolst. 1599) wurde oft gedruckt.

Canities (lat.), das Ergrauen.

Canitz, Friedrich Rudolf Ludwig, Freiherr von, preuß. Diplomat und deutscher Dichter, geb. 27. Nov. 1654 zu Berlin, studierte in Leiden und Leipzig die Rechte, bereiste dann Italien, Frankreich, England und Holland und wurde 1677 Kammerjunker am Berliner Hof und 1680 Legationsrat. Unter Friedrich I. ward er 1697 Geheimer Staatsrat und dann Wirklicher Geheimer Rat, durch den Kaiser aber 1698 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Er wurde häufig zu diplomatischen Sendungen verwendet, wie er denn auch 1699 an den im Haag eröffneten Verhandlungen über die spanische Erbfolge teilnahm. Nach der Rückkehr von da starb er 16. Aug. 1699 in Berlin. C.' Gedichte erschienen erst ein Jahr nach seinem Tod (1700) ohne den Namen des Verfassers, herausgegeben von J. ^[Joachim] Lange unter dem Titel: "Nebenstunden unterschiedener Gedichte" (1. Ausg. mit dem Namen des Verfassers 1719; vollständige Ausgabe mit der Biographie C.' und historischen Erklärungen von König, Leipz. u. Berl. 1727). Eine Auswahl findet sich in der "Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts", Bd. 14 (Leipz. 1838). C. war zwar frei von dem Schwulst und der Unnatur der schlesischen Dichterschule und ausgezeichnet durch sittliche Reinheit, doch war er keineswegs ein selbständig produzierendes Talent, sondern hielt sich an die französischen Vorbilder, namentlich Boileau. Vgl. Varnhagen v. Ense, Biographische Denkmale, Bd. 4 (3. Aufl., Leipz. 1872).

Canitz und Dallwitz, Karl Wilhelm Ernst, Freiherr von, preuß. General und Minister, geb. 17. Nov. 1787 zu Kassel, studierte erst in Marburg und Göttingen Rechtswissenschaft, trat 1806 in preußische Kriegsdienste, focht 1807 in Schlesien und Preußen und wohnte als Offizier in Yorks Generalstab dem Feldzug von 1812 bei. 1813 machte er als preußischer Generalstabsoffizier Tettenborns Zug nach Hamburg mit. Während des Waffenstillstandes trat er wieder in das Yorksche Korps zurück und ward schon 1813 Hauptmann und 1815 Major. 1821 wurde er Adjutant des Prinzen Wilhelm, Bruders Friedrich Wilhelms III., und Lehrer an der allgemeinen Kriegsschule in Berlin, ging 1828 in diplomatischen Geschäften nach Konstantinopel, 1831 nach der Erhebung Polens als preußischer Kommissar in das russische Hauptquartier, ward 1833 mit dem Rang eines Generalmajors Gesandter am kurhessischen und hannöverschen und 1841 am Wiener Hof. 1845 wurde er Bülows Nachfolger als Minister des Auswärtigen. Seine religiöse und politische Richtung stimmte mit der des Königs sehr überein. Er wünschte das Zustandekommen einer ständischen Verfassung. In der äußern Politik war er nicht sehr glücklich und konnte sich dem russisch-österreichischen Einfluß nicht entziehen. Am 18. März 1848 nahm C. mit dem ganzen Ministerium Bodelschwingh seine Entlassung und ward Divisionskommandeur in Düsseldorf. Im Mai 1849 erhielt er vom Ministerium Brandenburg die Mission, in Wien die Zustimmung Österreichs zu dem von Preußen projektierten engern Bundesstaat zu erwirken, was ihm aber nicht gelang. Er starb 25. April 1850 in Berlin. Er gab heraus: "Nachrichten und Betrachtungen über die Thaten und Schicksale der Reiterei in der neuern Zeit" (Berl. 1823-24, 2 Bde.) und ist auch der Verfasser der "Betrachtungen eines Laien über die neue Betrachtungsweise der Evangelien durch D. F. Strauß" (Götting. 1838).

Canlassi, Guido, Maler, s. Cagnacci.

Canna (ital., franz. Canne), altes Längenmaß, in Neapel = 2,645 m, in Marseille = 2,013 m, in Barcelona = 1,555 m.

Canna L. (Blumenrohr), Gattung aus der Familie der Marantaceen, prächtige, bis 3 m hohe Stauden mit meist knotigen, kriechenden Wurzelstöcken, sehr großen, einfachen, zweizeilig geordneten, oft sehr schön gefärbten Blättern, ziemlich großen, meist roten oder gelben, gepaart stehenden, in Rispen angeordneten Blüten und warziger, dreifächeriger Kapsel. Man kultiviert aus dieser im tropischen Amerika, besonders auf den Antillen, vertretenen Gattung viele Arten und Varietäten als Zierpflanzen in den Gärten und im Zimmer und kann sie durch Samen oder durch Zerteilung der Wurzelstöcke leicht fortpflanzen. Von C. indica Ait., aus Ost- und Westindien, seit 1570 in Europa eingeführt, wird der fleischige Wurzelstock in Amerika bei Hautkrankheiten und als schweißtreibendes Mittel angewandt. Andre als Zierpflanzen kultivierte Arten sind C. Warszewiczii Dietr., in Guatemala, C. discolor Lindl., in Südamerika, etc. Aus dem Wurzelstock der westindischen C. edulis Botan. Regn., welche auf Martinique, Guadeloupe, Réunion, in Australien etc. häufig kultiviert wird, bereitet man eine Art Arrowroot (Arrowroot of Queensland, Fécule de Toloman); auch C. paniculata R. et P., in Peru, C. Achiras Gill., in Chile, C. coccinea Ait., in Westindien, liefern Stärkemehl. Von andern Arten wird der Wurzelstock als Gemüse gegessen, und die schwarzen Samen dienen mehrfach als Perlen.

Canna, Basaltinsel, eine der Hebriden an der Westküste Schottlands, westlich von Rum, nur 15 qkm groß mit 57 kath. Bewohnern. Auf ihr der bekannte Kompaßberg, welcher die Magnetnadel um ein Viertel des Kreisbogens nach W. ablenkt.

Cannä, Stadt des alten Apulien, am rechten Ufer des Aufidus (jetzt Ofanto) unweit von dessen Mündung in das Adriatische Meer; seine Stätte ist jetzt nur noch durch geringe Trümmer kenntlich. Berühmt wurde es durch die furchtbare Niederlage, welche die Römer durch Hannibal 216 v. Chr. hier erlitten. Nach der vorsichtigen Kriegführung des Diktators Quintus Fabius Cunctator beschloß der Senat für das Jahr 216 ein kühneres Vorgehen. Von den Konsuln L. Ämilius Paullus und C. Terentius Varro, welche täglich im Oberbefehl wechselten, drängte der letztere ungeduldig zur Schlacht. Das Heer der Römer zählte 80,000 Mann Fußvolk und 6000 Reiter, das Hannibals nur 40,000 Mann zu Fuß und 10,000 Reiter. Ersteres lagerte sich, Hannibal gegenüber, auf dem rechten Ufer des Aufidus, von wo sich Varro von Hannibal auf das linke Ufer hinüberlocken ließ. Die Schlacht begann damit, daß die Reiterei des linken Flügels der Punier die gegenüberstehende römische Reiterei zersprengte und sodann vom Rücken des römischen Heers her auch die Reiterei des linken römischen Flügels zurückwarf. Das römische Fußvolk war inzwischen in das Zentrum des absichtlich zurückweichenden punischen Heers eingedrungen, geriet aber dadurch in eine solche Stellung, daß es von den Flanken her von den rechts und links stehenden afrikanischen Truppen gefaßt werden konnte, während gleichzeitig die punische Reiterei nach Zurückwerfung der

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