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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cappoquin; Capra; Capraja; Caprara; Capraria; Caprarola; Capreolus; Caprera; Capri

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Cappoquin - Capri.

dikalen verdächtigt, nach 40 Tagen wieder ins Privatleben zurück. Die Umwälzung von 1859 billigte er, obwohl er keinen hervorragenden Anteil an ihr nahm. Viktor Emanuel ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten des instituts der höhern Studien und zum Mitglied des Senats, in dem er sich an den Arbeiten der Kommissionen eifrig beteiligte, während er in den Debatten nur eine mittelmäßige Rednergabe entfaltete. Durch häusliches Unglück bedrückt, aber hochgefeiert starb er 3. Febr. 1876. Auf wissenschaftlichem Gebiet veröffentlichte er eine Reihe historischer Arbeiten im "Archivio storico italiano" und gab Collettas "Storia del reame di Napoli", die "Documenti di storia italiana" (Flor. 1836-37) u. a. heraus. Auch beteiligte er sich an den lexikalischen Arbeiten der Akademie della Crusca und an der Verbesserung des Textes von Dantes "Göttlicher Komödie". Er wurde daher 1862 an die Spitze der historischen Kommission für Toscana, Umbrien und die Marken gestellt. Capponis Hauptwerk ist die "Storia della repubblica di Firenze" (Flor. 1875, 2 Bde.; deutsch von Dütschke, Leipz. 1877), welche zwar in ihrem ältern Teil nicht streng kritisch ist, aber viele andre Vorzüge eines monumentalen Geschichtswerks besitzt. Seine "Scritti editi ed inediti" gab Tabarrini (Flor. 1877, 2 Bde.), seine "Lettere" Carraresi (das. 1882-1884, 3 Bde.) heraus. Seine Biographie schrieben Montazio (Tur. 1872), Tabarrini (Flor. 1879) und Reumont ("Gino C., 1792-1876, ein Zeit- und Lebensbild", Gotha 1880).

Cappoquin, altes Städtchen in der irischen Grafschaft Waterford, am Blackwater, mit Schloßruine und 1500 Einw. Dabei das Trappistenkloster Mount Mellery, dessen Bewohner die umliegende Heide urbar gemacht haben.

Capra (lat.), Ziege, auch s. v. w. Capella (s. d.).

Capraja, wasserarme, vulkanische (trachytische) Steilinsel im Tyrrhenischen Meer, zur ital. Provinz Genua gehörig, 30 km östlich von Corsicas Nordspitze, hat 1955 Hektar Fläche und (1881) 801 Einw., meist Fischer und Matrosen. Der wenig produktive Boden liefert etwas Getreide und Wein. Der gleichnamige Hauptort an der Ostseite der Insel hat einen befestigten Hafen. Bei den Römern hieß die Insel Capraria, bei den Griechen Ägilon ("Ziegeninsel"). Sie gehörte stets zu Genua, dessen Schicksale sie geteilt hat.

Caprara, Insel, s. Tremiti.

Caprara, 1) Äneas Sylvius, Graf von, kaiserl. Generalfeldmarschall, geb. 1631 zu Bologna als Sohn des bolognesischen Senators Nikol. v. C., trat früh in kaiserliche Kriegsdienste und begleitete den Grafen Montecuccoli, seinen Verwandten, auf dessen Feldzügen gegen die Türken und Franzosen. Ein selbständiges Kommando über ein Reiterkorps erhielt er 1674 am Rhein und nahm an den Schlachten von Sinsheim und Enzheim sowie an den weitern Kämpfen am Rhein bis 1678 teil. Im J. 1683 focht er als Befehlshaber der Reiterei gegen die Insurgenten in Ungarn und vertrieb beim Entsatz von Wien den Feind aus dem stark verschanzten Nußdorf. Bei der Belagerung von Ofen 1684 war er dem Kurfürsten von Bayern beigegeben. Im J. 1685 nahm er die Festung Neuhäusel mit Sturm, und 1686 drang er bis an die Grenzen von Siebenbürgen vor. Im dritten Feldzug des französischen Kriegs 1691 befehligte er am Rhein; 1692 fiel er mit dem Herzog von Savoyen in die Dauphiné ein, und 1694 kommandierte er wieder in Ungarn, wo er alle Angriffe der Türken auf seine Stellung bei Peterwardein zurückschlug. Nachdem er in 44 Feldzügen mitgefochten hatte, trat er als Vizepräsident in den Hofkriegsrat ein und zählte hier zu den Gegnern des Prinzen Eugen von Savoyen, wie er überhaupt wegen seines hämischen und unverträglichen Wesens unter den Staats- und Ranggenossen wenig beliebt war. Er starb 3. Febr. 1701.

2) Johann Baptist, Kardinal und Erzbischof von Mailand, Graf und Senator des Königreichs Italien, Verwandter des vorigen, geb. 29. Mai 1733 zu Bologna, ward 1758 Vizelegat von Ravenna und erhielt später wichtige Missionen nach Köln, Luzern und Wien, wo er allenthalben die Interessen des römischen Stuhls mit den dortigen reformatorischen Bestrebungen friedlich in Einklang zu bringen und sogar Joseph II. und den Fürsten Kaunitz für sich zu gewinnen wußte. Pius VII. ernannte ihn zum Bischof von Jesi und im September 1801 zum Legaten a latere bei der französischen Republik, mit welcher er 1802 das erste Konkordat abschloß. Als Erzbischof von Mailand weihte er 28. Mai 1805 den Kaiser Napoleon I. zum König von Italien und gab als päpstlicher Kardinallegat in Paris seine Zustimmung zu dem neuen Napoleonischen Katechismus. Erblindet starb er 21. Juni 1810 in Paris.

Capraria, Insel, s. Capraja.

Caprarola, ital. Renaissanceschloß bei Viterbo, erbaut von Vignola (s. d.) und im Innern mit Malereien der Brüder Zuccheri ausgestattet.

Capreolus, Reh.

Caprera, eine der zum Kreis Tempio der ital. Provinz Sassari gehörigen Buccinarischen Inseln, welche im S. der Bonifaciostraße und östlich von der Nordspitze der Insel Sardinien unweit der Küste liegen, ist 27½ qkm groß, felsig und kahl und war früher die Heimat vieler wilder Ziegen und Kaninchen, woher sie auch ihren Namen (Ziegeninsel) führt. Die Insel war der gewöhnliche Aufenthalt Garibaldis, der auf ihr seit 1854 ein Wohnhaus nebst Grundstücken besaß und 2. Juni 1882 daselbst starb.

Capri, zur ital. Provinz Neapel, Kreis Castellammare gehörige Insel im Mittelländischen Meer, am südlichen Abschluß des Golfs von Neapel (s. Kärtchen), 33 km von Neapel, 6 km vom Vorgebirge Punta della Campanella und 24 km vom Kap Miseno entfernt, mit einem Umfang von 17 km, gebirgig (im Monte Solaro bis 585 m sich erhebend), mit schroff abfallenden, fast durchaus unzugänglichen Felsenküsten, die ihr einen zackigen, malerischen Umriß geben, dessen Eindruck die alle Spitzen krönenden alten verfallenen Batterien noch erhöhen. Der obere Teil der Insel ist kahler Fels (Kalk); auf der Westseite ist sie mit Wein- und Olivenpflanzungen bedeckt; einige Palmen, Agaven und Opuntien zieren die Landschaft. Zur Zeit der jährlichen Wanderung (im Frühjahr und Herbst) gibt es Überfluß an Wachteln, außerdem Hasen und an der Küste viel Fische. Das Klima ist sehr mild und gesund. Die einzigen Ortschaften sind die beiden Orte Capri (120 m ü. M.) an der Südostküste und das höher gelegene Anacapri, zu welchem einst nur eine steile Felsentreppe von 536 Stufen, jetzt ein bequemer Fahrweg emporführt; die Marina mit einigen kleinen Häusern ist der einzige Landeplatz. Die Einwohner (1881: 4539) leben von Öl- und Weinbau, Fischerei und Wachtelfang. Getreide und der wenige Bedarf an Schlachtvieh werden von Neapel herübergeschasft. Die Wohnhäuser sind gleichförmig ein Stock hoch, die Dächer nicht flach, sondern kuppelartig abgeplattete Wölbungen, von denen jedes Zimmer eine besondere bildet. Besuchte Punkte sind wegen der schönen Aussicht: die Punta Tragara an der Südostspitze, wo die

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