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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Caravellas - Carcano.

Hierauf arbeitete er mit dem Groteskenmaler Prospero, bis es ihm gelang, zu einer tiefern künstlerischen Ausbildung fortzuschreiten. Er wandte sich, im Gegensatz zu den herrschenden Manieristen und den neu auftretenden Akademikern, dem Studium der Natur zu und verband damit eine kräftige Farbe und energische Modellierung. Am Anfang war seine Malerei noch in gewissem Sinn gemäßigt, mit der Zeit aber suchte er nach überraschenden Effekten, ließ das Licht in grellen Blitzen von oben auf einzelne Partien herabfallen und hüllte die andern Formen in Dunkelheit ein. Mit besonderm Glück malte er Genrefiguren, Trinker, Spieler, Zigeuner u. dgl., meist in Halbfiguren und in lebensgroßen Maßstab. Am wenigsten genügt seine rohe Naturnachahmung für kirchliche und mythologische Gegenstände, die schon zu seiner Zeit heftigen Widerspruch fanden. Überhaupt besaß er keine reiche Phantasie. Trotzdem war seine Kunst von weitgreifendem Einfluß, nicht bloß auf die Italiener, sondern auch auf Franzosen, Spanier, Niederländer und Deutsche; sie zeigte wieder einmal auf die Natur hin, welche von den Manieristen vernachlässigt worden war. So ward C. das Haupt der naturalistischen Schule, die zu den Carraccisten in einen starken Gegensatz trat, freilich nicht, ohne daß eine bedeutende gegenseitige Einwirkung stattgefunden hätte. Caravaggios leidenschaftlicher Charakter entsprach ganz seiner düstern Malerei. Infolge eines Totschlags entwich er aus Rom, kam nach Neapel, Malta und Sizilien, wo er überall Malereien hinterließ; nach Neapel zurückgekehrt, wurde er meuchlerisch verwundet, schiffte sich nach Rom ein, starb aber unterwegs in Porto Ercole 1609. In Rom befindet sich noch eine Reihe von seinen Werken; die bekanntesten darunter sind die Grablegung Christi im Vatikan und die falschen Spieler in der Galerie Sciarra. Drei Bilder besitzt die Galerie Doria, andre die Galerien Spada, Borghese, Barberini u. a. In der Nationalgalerie zu London befindet sich Christus mit den jüngern in Emmaus, im Louvre zu Paris der Tod der Maria (Hauptwerk) und das prachtvolle Bildnis des Großmeister A. v. Vignacourt, im Belvedere zu Wien das Rosenkranzfest, im Berliner Museum eine Anzahl ausgezeichneter Bilder, die aus der Galerie Giustiniani stammen, in Dresden die falschen Spieler etc. Es ist viel nach ihm gestochen worden.

Caravellas, Seestadt in der brasil. Provinz Bahia, am gleichnamigen Fluß, 8 km oberhalb dessen Mündung, mit vorzüglichem Hafen, Ausfuhr von Fischen, Thran, Kokosnüssen und Kaffee und 4000 Einw. Eine Eisenbahn verbindet C. mit dem Inland.

Carayon (spr. -räjóng), Auguste, franz. Geschichtschreiber, geb. 31. März 1813 zu Saumur, trat in den Jesuitenorden und erwarb sich durch seine Untersuchungen über die Geschichte seines Ordens in wenigen Jahren einen geachteten Namen. Er starb 15. Mai 1874 in Poitiers. Seine Hauptwerke, auf Originalquellen und unveröffentlichten Dokumenten beruhend, sind: "Documents inédits concernant la compagnie de Jésus" (1863-75, 18 Bde.); "Bibliographie historique de la compagnie de Jésus" (1864), welche einen Katalog aller auf die Geschichte der Jesuiten vom Ursprung des Ordens anbezüglichen Werke enthält; "Premières missions des Jésuites au Canada" (1864); "Bannissement des Jésuites de la Louisiane" (1865); "Établissement de la compagnie de Jésus à Brest par Louis XIV" (1865); "Prisons du marquis de Pombal, ministre du Portugal" (1865), ein Tagebuch von 1759 bis 1777 enthaltend, und "Notes historiques sur les parlements et les Jésuites au XVIII. siècle" (1867). Auch gab C. die "Histoire des Jésuites de Paris" des Paters Garasse (1864), die "Lettres inédites sur le retablissement des Jésuites en Portugal" des Paters Jos. Delvaux (1866) und "L'université de Pont à Mousson", einen Auszug aus dem Manuskript des Paters Abron (1871), heraus.

Carballo, Bezirkshauptort in der span. Provinz Coruña, mit (1878) 11,449 Einw. und warmen Mineralquellen (29-34° C.).

Carbo (lat.), Kohle; C. animalis, carnis, Tierkohle, Fleischkohle; C. praeparatus, pulveratus, pulverisierte Holzkohle.

Carbonari, s. Karbonari.

Carbonat, eine Varietät des Diamanten (s. d.); Carbonate, s. v. w. Kohlensäuresalze, z. B. Natriumcarbonat, kohlensaures Natron.

Carbondale (spr. -dehl), 1) Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, am Lackawanna, nordöstlich von Harrisburg, mit reichen Kohlengruben und (1880) 7714 Einw. -

2) Stadt im S. des nordamerikan. Staats Illinois, hat lebhaften Handel mit Tabak und Baumwolle und (1880) 2213 Einw. C. ist Sitz einer 1874 eröffneten Normaluniversität.

Carboneum, Kohlenstoff; C. sulfuratum, Schwefelkohlenstoff; C. trichloratum, Kohlenstoffsesquichlorid.

Carbonianum edictum, derjenige Abschnitt des prätorischen Edikts (des vom römischen Prätor für seine Rechtsprechung gegebenen Rechtsbuches), in welchem folgender Rechtssatz aufgestellt ward: Nach gemeinem Recht steht dem unmündigen Kinde des Erblassers, welchem diese Kindeseigenschaft bestritten wird, das Recht zu, sich bis zu ausgemachter Sache in den Besitz der Erbschaft zu setzen und Alimente daraus zu beziehen. Wenn nun insbesondere einem Unmündigen sein Erbrecht aus dem Grund streitig gemacht wird, weil sein Gegner leugnet, daß er ein Kind des Erblassers sei, so kann ersterer verlangen, daß der Prozeß bis zu erlangter Mündigkeit aufgeschoben werde, und daß er bis dahin unter Aufsicht eines Vormundes den Besitz der väterlichen Erbschaft und Alimente daraus erhalte. Stellt er aber nicht Kaution wegen Restitution für den Fall seines spätern Unterliegens, so wird der Gegner zugleich mit ihm in den Besitz eingewiesen; die erhaltenen Alimente aber braucht jener in keinem Fall wiederzuerstatten. Die neuern Gesetzbücher kennen diese Begünstigung der Unmündigen nicht mehr.

Carbonicus, kohlensäurehaltig, kohlensauer.

Carbunculus (lat.), s. Karbunkel; auch s. v. w. Korund.

Carcagente (spr. -chente), Stadt in der span. Provinz Valencia, in der Nähe des Incar und an der Eisenbahn von Valencia nach Alicante, mit (1878) 12,102 Einw. Die Umgegend ist ein von unzähligen Kanälen durchschnittenes Reisland, das auch Weizen und Südfrüchte erzeugt, aber infolge des im Sommer stagnierenden Wassers höchst ungesund ist.

Carcano, Giulio, ital. Dichter, geb. 7. Aug. 1812 zu Mailand, studierte die Rechte in Pavia und trat noch während seiner Studienzeit mit der poetischen Erzählung "Ida della Torre" hervor (1834). Einen außerordentlichen Erfolg hatte er hierauf mit der schwungvollen und zart empfundenen Erzählung "Angiola Maria" (1839; deutsch von Langen, Leipz. 1843), mit welcher er den Familienroman in Italien begründete, wie Manzoni mit seinen "Verlobten" den historischen begründet hatte. Im übrigen teilte C. die etwas allzu zahme, kirchenfreundliche Gesinnung

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]