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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cardigan - Carducci.

von Eisen und Steinkohlen betrifft, und sein Verkehr wird gefördert durch die unterhalb der Stadt gelegenen Bute-Docks, die zusammen eine Wasserfläche von 46 Hektar bieten und infolge des regelmäßigen Steigens der Flut auch den größten Schiffen zugänglich sind. E. besaß 1883: 313 Seeschiffe (darunter 241 Dampfer) von zusammen 159,477 Ton. Gehalt. In demselben Jahr betrug der Tonnengehalt der eingelaufenen Schiffe 4,860,294 T.; es wurden für 2,193,320 Pfd. Sterl. Waren vom Ausland eingeführt und für 4,547,467 Pfd. Sterl. britische Produkte dorthin verschafft, darunter 8,971,717 T. Steinkohlen im Wert von 3,598,403 Pfd. Sterl. und 125,458 T. Eisen im Wert von 815,106 Pfd. Sterl. Am lebhaftesten ist der Verkehr mit Amerika, Rußland, Frankreich, Spanien, der Türkei und Australien. Auch die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus Irland ist lebhaft. Unter den Bildungsanstalten verdienen Erwähnung das 1882 gegründete College, eine Kunstschule, das Museum des Naturgeschichtlichen Vereins und die Freibibliothek. C. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Roath und Canton sind Vorstädte von C.

Cardigan, Hauptstadt von Cardiganshire (Wales), an der Mündung des Teifi, mit Hafen für Schiffe von 400 Ton., Lachs- und Heringsfischerei, Ziegeleien, Töpfereien und Maschinenbau und (1881) 3633 Einw. Zum Hafen gehörten 1883: 72 Schiffe von 3563 Ton. Gehalt und 6 Fischerboote.

Cardiganshire (spr. kardigänschir), Grafschaft im S. des engl. Fürstentums Wales, erstreckt sich längs der Cardiganbai des Irischen Meers von Dovey im N. bis zum Teifi im S., wird begrenzt von Merioneth-, Montgomery-, Radnor-, Brecknock-, Carmarthen- und Pembrokeshire und hat ein Areal von 1794 qkm (32,6 QM.). Fast das ganze Land ist von kahlen oder spärlich mit Heidekraut bewachsenen Gebirgen eingenommen, die im Plinlimmon eine Höhe von 751 m erreichen. Von den (1881) 70,270 Einw. verstehen 95 Proz. noch Welsch. Ackerbau, Schafzucht, etwas Fischfang und Bergbau auf Blei bilden die Haupterwerbszweige. Von der Oberfläche sind 27 Proz. unter dem Pflug, 36 Proz. bestehen aus Wiesen und Weiden, 3 Proz. aus Wald. An Vieh zählte man 1884: 63,351 Rinder, 201,005 Schafe, 21,561 Schweine. Hauptstadt ist Cardigan, der volkreichste Ort jedoch Aberystwith.

Cardinal, Peire, berühmter Troubadour, um den Anfang des 13. Jahrh. zu Puy en Velay aus ritterlicher Familie geboren, ward früh für den geistlichen Stand bestimmt, widmete sich aber der Dichtkunst und dem Leben an den Höfen. Er ist der Invenal der provençalischen Poesie, dessen Sirventes (bittere Satiren gegen die Ungerechtigkeit der Fürsten, die Habsucht und den Übermut des Adels, die Ordnungswidrigkeiten im Bürgerleben, die fanatischen Exzesse der Pfaffen etc.) Stimmen eines zürnenden und für die Ehre und das Glück der sich selbst vergessenden Nation wachenden Gewissens sind. Nichtsdestoweniger blieb er nicht nur von jeder Verfolgung frei, sondern stand selbst bei den Fürsten wie bei dem Adel in hoher Achtung; König Jakob I. von Aragonien war ihm besonders geneigt. Seine Lieder sind abgedruckt in Mahns "Gedichten der Troubadours" (Berl. 1856 ff.).

Cardinalia, Kardinalzahlen.

Cardinalis (lat., Vogel), Kardinal.

Cardinal von Widdern, Georg, Militärschriftsteller, geb. 12. April 1841 zu Wollstein in Posen, trat 1859 in die Armee, wurde Lehrer an der Kriegsschule zu Metz, 1871 Hauptmann und Kompaniechef im brandenburgischen Füsilierregiment Nr. 35, Ende 1881 Major und 1882 Direktor der Kriegsschule zu Neiße. Er schrieb: "Der Rhein und die Rheinfeldzüge" (Berl. 1869) mit der Ergänzung: "Belgien, Nordfrankreich, der Niederrhein und Holland als Kriegsfeld", militärgeographische und historische Studie (das. 1870); "Strategische Kavalleriemanöver" (2. Aufl., Gera 1881); "Die russischen Kavalleriedivisionen und die Armeeoperationen im Balkanfeldzug 1877-78" (Berl. 1878), ein grundlegendes Werk für die militärische Darstellung des letzten orientalischen Kriegs, und "Handbuch für Truppenführung und Befehlsabfassung" (5 Abtlgn., Gera 1881 u. öfter); "Marsch-, Vorposten- und Gefechtstaktik" (2. Aufl., Metz 1881).

Carditaschichten, s. Triasformation.

Cardium, Herzmuschel.

Cardo (lat.), Thürangel, Angelpunkt, um den sich etwas dreht; daher auch s. v. w. Hauptsache.

Cardona, Stadt in der span. Provinz Barcelona, rechts am Cardoner, hat ein stark befestigtes Kastell und (1878) 4360 Einw. 2 km von der Stadt entfernt liegt der berühmte Steinsalzberg von C., ein 80 m hoher Felsen von 5 km Umfang, beinahe aus ganz reinem Salz bestehend, dessen Mächtigkeit auf 300 Mill. cbm geschätzt wird. Im Innern befinden sich weite Höhlen, welche wegen des schönen Lichtreflexes bei Fackelbeleuchtung viel besucht werden. C. (Udura) war schon den Alten wegen der Salzfelsen wohlbekannt. Im Mittelalter bildete es eine Grenzfestung gegen die Mauren und wurde im 14. Jahrh. mit dem umliegenden Gebiet zur Grafschaft erhoben, die später in den Besitz der Herzöge von Medina Celt kam.

Carducci (spr. -duttschi), Giosuè, ital. Dichter, auch unter dem Pseudonym Enotrio Romano bekannt, geb. 27. Juli 1836 zu Valdicastello bei Pietrasanta im Toscanischen, wuchs in der pisanischen Maremma auf, in welcher sein Vater als Arzt lebte, und empfing hier tiefe und eigentümliche Natureindrücke, die schon den Knaben zu dichterischen Versuchen anregten. Seine spätere Jugendzeit verlebte er zu Florenz, wohin sein Vater übergesiedelt war, betrieb dann philologische Studien aus der Universität in Pisa, erlangte daselbst den Doktorgrad der Philologie und wurde 1860 als Professor der italienischen Litteratur an der Universität zu Bologna angestellt. Schon früher war er mit kleinen litterarhistorischen Arbeiten in Zeitschriften aufgetreten, desgleichen mit einer lyrischen Sammlung: "Rime" (San Miniato 1857). Kräftiger kam die Eigenart des Dichters in den weitern Sammlungen: "Levia gravia" (neue Ausg., Pistoja 1868) und "I Decennali", zum Ausdruck. Hier verrät er sich als ein Poet von ungewöhnlicher Kühnheit und Originalität des Gedankens. Sensationellen Erfolg aber hatte eine kleine, 1863 geschriebene Hymne: "Inno a Satana", welche er 1865 unter dem oben angegebenen Pseudonym als eine Art von Flugblatt zur Verteilung an Freunde drucken ließ. Der verneinende Geist, die "rebellione", die "forza vindice della ragione", wird darin mit schlagende Gewalt der Sprache als die treibende Kraft des Menschenlebens und der Weltgeschichte, als der Genius geistiger Unabhängigkeit und Schrankenlosigkeit, als Prinzip alles Fortschrittes gefeiert. Das Gesamtbild des genialen Dichters geben die "Poesie di Enotrio Romano" (Flor. 1871), eine Sammlung, in welcher auch das früher Erschienene vereinigt ist, und welcher die "Nuove poesie" (Imola 1873; 4. Aufl., Bologna 1881) und neuerdings "Giambi ed epodi" (das. 1882) folgten. Originalität, männlich freie Gesinnung, welche sich mit Vorliebe als eine altrömische, heidnische gibt, machen C. zur interessantesten Dichtererscheinung des heu-^[folgende Seite]

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