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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Carpentum - Carr.

Carpentum (lat.), bei den Römern ein zweiräderiger Staatswagen, deshalb reichverziert und mit einem Baldachin versehen, gewöhnlich von Maultieren gezogen. Der Gebrauch des Wagens in der Stadt war während der Republik nur den Frauen gestattet, die sich dieses Recht durch eine patriotische That nach der Einnahme von Veji (386 v. Chr.) erworben haben sollen; doch verloren sie dieses Vorrecht unter den Kaisern, und es durften sich des C. in der Stadt, außer den Kaiserinnen und Prinzessinnen, nur bedienen die Kaiser als Pontifices maximi, die Vestalinnen, die Konsularen und andre höchste Beamte. Die Gestalt des C. findet man auf den zu Ehren der Julia und der Agrippina geprägten Münzen. C. funebre, s. v. w. Leichenwagen.

Carpet (engl.), Teppichfußdecke, Teppich.

Carpetani, s. Karpetaner.

Carpet-bagger (von Carpet-bag, "Reisetasche"), die Politiker und Abenteurer, welche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nach der Unterwerfung der Südstaaten im Bürgerkrieg (1861-63) aus dem Norden dahin kamen, teils durch Ernennung seitens der Bundesbehörden und unter dem Schutz von Bundestruppen, teils durch die Stimmen der befreiten Neger sich der Staatsämter bemächtigten und dieselben in rücksichtslosester Weise ausbeuteten, bis Hayes 1877 ihrem Unwesen ein Ende machte.

Carpi, 1) Stadt in der ital. Provinz Modena, an der Eisenbahn von Mantua nach Modena, Bischofsitz, mit schönem, von Palästen umgebenem Hauptplatz, Kathedrale (von Peruzzi erbaut), Seminar, Gymnasium, technischer Schule und (1881) 5987 Einw., die Seidenbau und Handel treiben. C. war früher Hauptort des Fürstentums der Familie Pio, kam im 16. Jahrh. an Ferrara, 1796 an Modena. Vgl. Semper u. a., C., ein Fürstensitz der Renaissance (Dresd. 1882, mit 27 Architekturtafeln). -

2) Ort in der ital. Provinz Verona, Distrikt Legnago, an der Etsch, mit (1881) 1462 Einw.; bekannt durch den Sieg, den hier 9. Juli 1701 die Kaiserlichen unter Eugen über die Franzosen unter Tessé davontrugen.

Carpi, Ugo da, ital. Holzschneider, Sohn des Pfalzgrafen und Notars Astolfo da Panico, geboren um 1455 zu Carpi, hielt sich lange in Venedig auf, wo er 1516 sich ein Privilegium auf eine von ihm neubenannte Art des Clairobscurschnitts geben ließ; 1518 war er bereits in Rom, wo er 20. Juli 1523 starb. C. war ein trefflicher Holzschneider, der mit Verständnis und malerischer Wirkung die Zeichnungen Raffaels, Parmegianos u. a. wiederzugeben verstand. Man hat ihn als den Erfinder des Helldunkels in drei Platten betrachtet, und er selbst spricht in seiner erwähnten Eingabe an den Senat von Venedig von einer Erfindung, die er gemacht haben will, die er aber den Deutschen abgesehen hatte.

Carpidium, Fruchtblatt; s. Blüte, S. 67.

Carpinus, Pflanzengattung, s. Hornbaum.

Carpologia (griech.), s. Flockenlesen.

Carpophorum (lat.), s. Fruchtträger.

Carpus (griech. Karpos), die Vorderhand, Handwurzel, das Faustgelenk.

Carpzov, Name einer im Gebiet der juristischen und theologischen Wissenschaft ausgezeichneten, die einstige Allianz beider Wissenschaften und ihre Früchte typisch vertretenden Familie, die ursprünglich aus Spanien (Carpezana) stammte, aber schon 1282 im Besitz des brandenburgischen Guts C. unweit Tremmen war. Stammvater der Gelehrten dieses Namens in Deutschland ist Simon C., der um die Mitte des 16. Jahrh. Bürgermeister in der Neustadt Brandenburg war. Sein Sohn Joachim v. E. zeichnete sich im Dreißigjährigen Krieg aus und starb als Generalfeldzeugmeister des Königs von Dänemark 1628 in Glückstadt. Dessen Bruder Benedikt C., geb. 22. Okt. 1565 zu Brandenburg, seit 1595 Professor der Rechte zu Wittenberg, starb 26. Nov. 1624. Sein Sohn Benedikt C., geb. 27. Mai 1595 zu Wittenberg, wurde 1645 Professor der Rechte in Leipzig, 1653 kursächsischer Geheimrat in Dresden, von wo er jedoch später wieder nach Leipzig zurückkehrte; starb 30. Aug. 1666. C. hat (nach dem "Thesaurus rer. publ.", IV, 816) 20,000 Todesurteile gefällt, meist in Hexenprozessen. Dabei konnte er sich rühmen, die Bibel 53mal ganz durchgelesen zu haben. Seine Schriften haben einst einen außerordentlichen Einfluß auf die Rechtspflege ausgeübt. Zugleich ist er durch seine "Jurisprudentia ecclesiastica" (Leipz. 1645) ein Hauptbegründer des Episkopalsystems geworden. Sein Bruder Johann Benedikt C., geb. 22. Juni 1607 zu Rochlitz, seit 1633 Pastor in Meuselwitz, starb als Professor der Theologie 22. Okt. 1657 in Leipzig. Er brachte als Homilet die Dispositionsmethoden auf 100 ("Hodegeticum", 1656) und begründete die Disziplin der Symbolik durch sein nachgelassenes Werk "Isagoge in libros ecclesiarum Lutheranarum symbolicos etc." (Leipz. 1665). Er war Vater folgender Söhne: Johann Benedikt C., Theolog und Orientalist, geb. 24. April 1639 zu Leipzig, ward 1662 Prediger daselbst, 1668 Professor der orientalischen Sprachen und seit 1684 der Theologie daselbst, starb 23. März 1699, machte sich durch seinen Kampf gegen die Pietisten und hauptsächlich dadurch bekannt, daß er die Collegia philobiblica unterdrückte; August Benedikt C., geb. 2. Nov. 1644 zu Leipzig, starb als Professor der Rechte 4. März 1708 daselbst, schrieb über Zivilrecht; Samuel Benedikt C., Theolog, geb. 17. Jan. 1647 zu Leipzig, ward 1671 Professor der Dichtkunst in Wittenberg, 1674 Hofprediger, 1692 Oberhofprediger zu Dresden (orthodoxer Nachfolger Speners); starb 31. Aug. 1707 daselbst. Sein Sohn Johann Gottlieb C., der gelehrteste unter den Theologen aus dieser Familie, geb. 20. Sept. 1679 zu Dresden, besuchte als Reiseprediger des polnisch-sächsischen Gesandten England und Holland, wurde 1719 Professor der orientalischen Sprachen in Leipzig, 1730 Superintendent zu Lübeck; starb 7. April 1767. Gegen Richard Simon und Clericus schrieb er als Anwalt der Inspiration seine "Introductio in libros canonicos bibliorum Veteris Testamenti omnes" (Leipz. 1721) und "Critica sacra Veteris Testamenti" (das. 1728). - Friedrich Benedikt C., Enkel des Oberhofpredigers Samuel Benedikt C. und Sohn des 1739 als Kreisamtmann zu Wittenberg verstorbenen Johann Benedikt C., geb. 21. Okt. 1702 zu Zittau, starb als Professor des Natur- und Völkerrechts 1744 in Wittenberg. - Johann Benedikt C., Sohn des gleichnamigen, 1670 gebornen Leipziger Hospitalpredigers und außerordentlichen Professors der hebräischen Sprache und Enkel des 1699 verstorbenen Professors der Theologie, Joh. Benedikt C., geb. 20. Mai 1720 zu Leipzig, wurde 1747 Professor der Philosophie daselbst, 1748 Professor der griechischen Sprache und 1749 auch der Theologie zu Helmstedt, 1759 Abt zu Königslutter; starb 28. April 1803, nachdem er die angeerbte Orthodoxie und lateinische Gelehrsamkeit der Vorfahren bis in unser Jahrhundert herein erhalten hatte.

Carr., bei botan. Namen Abkürzung für Carrière, Redakteur der "Revue horticole" in Paris. Dendrolog.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]