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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Carratraca; Carratte; Carre; Carré; Carreau; Carrefour; Carrel; Carrelage; Carreño; Carrér

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Carratraca - Carrér.

zum Kriegsminister ernannt, erhielt er 1820 nach dem Ausbruch der Insurrektion als freisinniger General den Oberbefehl über die Truppen, konnte aber den Sieg der Aufständischen unter Pepe nicht hindern und übernahm in der neuen konstitutionellen Regierung das Kriegsministerium. Gegen die einrückenden Österreicher sollte er die Straße von Terracina nach Neapel versperren, wurde aber im März 1821 eingeschlossen und sein Korps zerstreut. Nach Unterdrückung der Revolution entkam er, in contumaciam zum Tod verurteilt, nach Barcelona und von da nach England, wo er starb. Er schrieb: "Mémoires historiques, politiques et militaires sur la révolution du royaume de Naples en 1820" (Lond. 1823).

Carratraca, Dorf und Badeort in der span. Provinz Malaga, am südlichen Fuß der Sierra de Agua, mit schwefelhaltigen Mineralquellen (18° C.) und Badeanstalt.

Carratte (Carrate), kleinste Rechnungsmünze in Arabien, 6400 = 1 Toman = 9,42 Mk.

Carré (franz.), s. Karree.

Carre, Michel, franz. Bühnendichter, geb. 1819 zu Paris, besuchte das Collège Charlemagne, veröffentlichte 1842 einen Band Gedichte: "Les fones rimes", und wandte sich dann zum Theater, wo er am Odéon mit dem versifizierten Drama "La jeunesse de Luther" (1843) nicht ohne Schwierigkeit debütierte. Nachdem er noch einige Stücke, die Komödie "Scaramouche et Pascariel", die Phantasie "Faust et Marguerite" u. a., zur Aufführung gebracht, verband er sich mit andern zu gemeinsamer Arbeit und lieferte namentlich mit Jules Barbier (s. d.) eine ganze Reihe von Dramen, Vaudevilles und Operntexten, von denen einzelne große Erfolge hatten. Wir nennen außer den bei Barbier angeführten: "Un drame de famille" (1849); "Les saisons" (1855); "La statue" (1861); "Peines d'amour" (1863); ferner "Van Dyck à Londres" (mit Narray, 1848); "Jobin et Nanette" (mit Battu, 1849); "Henriette Deschamps" (mit Dumesnil, 1850); "Le tourbillon" (mit Deslandes, 1867). Er starb 27. Juni 1872 in Argenteuil bei Paris.

Carreau (franz., spr. -roh, Karo), Viereck, besonders das rote Viereck in der französischen Karte; s. Spielkarten.

Carrefour (franz., spr. karr'fuhr, v. lat. quadrifurcum, "viergabelig"), Kreuzweg; Straßenecke.

Carrel (spr. karell), Armand, franz. Publizist, geb. 8. Mai 1800 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns zu Rouen, wurde in der Militärschule zu St.-Cyr zum Offizier gebildet, 1819 Unterleutnant, trat 1823 zu Barcelona in das Freikorps Minas, wurde von den französischen Truppen in Spanien gefangen genommen und durch kriegsgerichtlichen Spruch zum Tod verurteilt, von dem ihn jedoch ein Formfehler im Urteil rettete. Nach einjährige Gefangenschaft freigelassen, ging er nach Paris, schloß sich an Thiers, Mignet und Thierry an und schrieb auf des letztern Rat eine beifällig aufgenommene Geschichte Schottlands, der 1827 eine Darstellung der Gegenrevolution in England unter Karl II. und Jakob II. folgte. Mit Mignet und Thiers verband er sich 1830 zur Herausgabe des "National", der bald an der Spitze aller Oppositionsjouruale stand. Nach der Julirevolution wurde er erster Redakteur dieser Zeitung. Er war der gefährlichste Gegner der Regierung durch den unerbittliche Scharfsinn, mit dem er die Mißgriffe der Machthaber aufdeckte, und durch seinen durchaus unbescholtenen Ruf. Er hielt seine republikanischen Grundsätze unter Anfeindungen und Verfolgungen fest, verteidigte sie 1833 in einem Duell gegen einen legitimistischen Journalisten und büßte 1834 dafür mit sechsmonatlichem Gefängnis. Auch nach dem unglücklichen Ausgang der republikanischen Schilderhebung im April 1834 verteidigte C. die Freiheiten der Nation mit der größten Kühnheit, namentlich als Verteidiger des interimistischen Redakteurs des "National" vor der Pairskammer; er trat förmlich als Ankläger derselben auf, verweilte namentlich bei dem an dem Marschall Ney begangenen Justizmord und rief, als der Präsident ihm Schweigen gebot, die Erklärung des Generals Exelmans hervor, daß die Verurteilung Neys wirklich ein gesetzloser Meuchelmord gewesen sei, worauf unter ungeheurem Tumult der Gerant des "National" zu einer Geldstrafe von 10,000 Frank und zwei Jahren Gefängnis verurteilt und das Blatt seitdem mit der größten Härte verfolgt und gemaßregelt wurde. Infolge unwürdiger Angriffe des Publizisten Emile de Girardin gegen den "National" und Carrels Person kam es zwischen beiden zu einem Duell, in welchem C. eine Wunde erhielt, der er nach zwei Tagen, 24. Juli 1836, erlag. Sein Begräbnis ward zu einer großartigen Demonstration aller Liberalen gegen die Regierung. Seine "OEuvres politiques et littéraires" gaben Littré und Paulin heraus (Par. 1857-58, 5 Bde.).

Carrelage (franz., spr. karr'lahsch), Steinestrich, Pflaster von Steinplatten; karrelieren, den Estrich mit Steinplatten belegen (s. Estrich).

Carreño (spr. -renjo), Don Juan C. de Miranda, span. Maler, geb. 25. März 1614 zu Avilez in Asturien, war ein Schüler des Pedro de las Cuevas und des Bartolomé Roman in Madrid und bildete sich dann weiter nach Velasquez, Rubens und van Dyck zum Porträtmaler aus. Er war vorzugsweise in Madrid thätig, wo er Hofmaler und Kammerdiener König Karls II. wurde und im September 1685 starb. Außer zahlreichen Porträten hat er auch mythologische Wandmalereien und Historienbilder religiösen Inhalts geschaffen.

Carrér, Luigi, ital. Dichter, geb. 12. Febr. 1801 zu Venedig, studierte in Padua die Rechte, wandte sich aber bald ausschließlich der schönen Litteratur zu. Seine ersten Dichtungen gehörten der romantischen Richtung an; dann waren es namentlich Schillers dichterische Schöpfungen, die er studierte und nachzuahmen suchte. Unbemittelt, wie er war, mußte er sich anfangs seinen Lebensunterhalt teils als Lehrer, teils als Korrektor verdienen. Nachdem er sich einige Jahre lang ohne bedeutenden Erfolg als Improvisator versucht hatte, wurde er 1830 Professor der Philosophie zu Padua und gab hier seine gesammelten Sonette, Oden und Balladen unter dem Titel: "Poesie" (Padua 1832, 8. Aufl. 1845) heraus, die seinen Ruf begründeten. Von 1833 bis 1842 redigierte er die litterarische Zeitschrift "Il Gondoliere" zu Venedig und ließ dort seine "Prose e poesie" (Vened. 1837, 4 Bde.), seine poetische Schilderung der Geschichte von Venedig: "L'anello di sette gemme" (das. 1838), und seine "Apologhi" (das. 1841) erscheinen. 1844 wurde er zum Professor der Litteratur an der technischen Schule zu Venedig und etwas später, da seine schwache Gesundheit den Anstrengungen des Lehramts nicht gewachsen war, zum Direktor des Museo Correr ernannt. Er starb 23. Dez. 1850. C. gehört zu den besten neuern italienischen Dichtern, hat sich mit großem Glück in verschiedenen Gattungen, besonders in der höhern Lyrik und in der Ballade, welch letztere er eigentlich erst in Italien einführte, versucht und ganz besondere Sorgfalt auf die Korrektheit und Eleganz der Form verwendet. Er war auch ein fleißiger und

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