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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cartesische Teufel; Cartesius; Carthamus; Cartier; Cartilagg; Cartmel; Carton; Carton-pierre; Cartouche; Cartujano; Cartwright

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Cartesische Teufel - Cartwright.

erreichte, die Admiralitätsinseln. Am 20. Febr, 1796 landete er wieder in England. Vgl. Hawkesworth, Discoveries in the Southern hemisphere (Lond. 1773).

2) (spr. kart'reh) Antoine Alfred Désiré, schweizer. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 1813 zu Genf, nahm seit 1841 als eins der Häupter der Radikalen thätigen Anteil an den politischen Bewegungen seiner Vaterstadt, war 1847 Genfer Tagsatzungsgesandter, 1848 und 1849 Mitglied des schweizerischen Ständerats und 1851-53 des Genfer Staatsrats. Nachdem infolge der oppositionellen Stellung, die er innerhalb der radikalen Partei gegen James Fazy einnahm, seine politische Bedeutung seit 1853 bedeutend gesunken war, trat er nach Fazys Sturz wieder an die Spitze der Radikalen, wurde 1869 in den schweizerischen Nationalrat und 1870 wieder in den Genfer Staatsrat gewählt. Als Haupt desselben hat sich C. durch energische Bekämpfung der ultramontanen Prätensionen Mermillods sowie als Erziehungsdirektor um die Errichtung der Genfer Hochschule verdient gemacht. C. ist der Verfasser anmutiger "Fabeln" (2. Aufl., Par. 1873) und eines Romans: "Deux amis" (Genf 1872, 2 Bde.).

Cartesische Teufel, s. Cartesianische Teufel.

Cartesius, Philosoph, s. Descartes.

Carthamus Tourn. (Färberdistel), Gattung aus der Familie der Kompositen, distelartige Kräuter mit abwechselnden, stachlig gezahnten oder gelappten Blättern und mittelgroßen bis großen, einzeln endständigen oder fast doldenrispigen Köpfen, welche nur röhrige Zwitterblüten enthalten, und mit kantigen Früchten. Etwa 20 Arten in den Mittelmeerländern. L. tinctorius L. (Safflor, wilder Safran, Bürstenkraut, s. Tafel "Farbepflanzen"), einjährig, 30 bis 60 cm hoch, kahl, mit länglich-eiförmigen, stachlig gezahnten Blättern, großen, doldenrispigen Köpfen, erst gelben, dann orangefeuerroten Blüten und pappuslosen Früchten, stammt aus Ägypten, wird 1-1,5 m hoch, befindet sich seit sehr langer Zeit in Kultur und wird noch jetzt in Indien, China und andern Teilen Asiens, in Ägypten und Südeuropa gebaut; sie findet sich dort überall verwildert, auch noch in Krain und wird bei uns in Gärten als Zierpflanze gezogen. Die getrockneten Blüten kommen als Saflor in den Handel; aus den Samen gewinnt man Brennöl, welches namentlich in Ägypten, Algerien und Indien viel benutzt wird; es dient auch als Speiseöl, wirkt aber purgierend; es läßt sich gut verseifen, die Ausbeute soll 18 Proz. betragen. Früher waren Samen und Blüten auch als Purgiermittel gebräuchlich. Vgl. Safflor.

Cartier (spr. -tjeh), Jacques, franz. Seefahrer, geb. 31. Dez. 1494, wurde vom König Franz I. von Frankreich mit der Erforschung der westlichen Halbkugel beauftragt und segelte 22. April 1534 mit zwei Schiffen von St.-Malo ab. Er entdeckte die Küste von Labrador, von der er im Namen Frankreichs Besitz nahm. Auf einer zweiten Expedition, die er im Mai 1535 mit drei Schiffen unternahm, segelte er den St. Lorenzstrom hinauf, kam 2. Okt. zu einer Indianeransiedelung, Hochelaga, der er den Namen Mont Royal gab, und traf im Juli 1536 wieder in der Heimat ein, wo er indessen vergeblich auf die Wichtigkeit der von ihm entdeckten Gegenden aufmerksam machte. Auf einer dritten Expedition (1541) besuchte er Hochelaga zum zweitenmal, sah sich aber wegen Mangels an Lebensmitteln bald zur Rückkehr gezwungen. Er lebte seitdem zurückgezogen in St.-Malo; sein Todesjahr ist unbekannt.

Cartilagg (lat.), Knorpel.

Cartmel, uraltes Städtchen in dem Furneß genannten Teil von Lancashire (England), mit (1881) 5600 Einw. und alter Abteikirche.

Carton (franz.), s. Karton.

Carton-pierre (spr. kartong-pjähr), s. Steinpappe.

Cartouche (franz., spr. -tuhch), s. Kartusche.

Cartouche (spr. -tuhsch), Louis Dominique, berüchtigter Dieb und Gauner, geb. 1693 zu Paris, Sohn eines Weinschenken, wurde Anführer einer zahlreichen Bande in und um Paris, über die er die unumschränkteste despotische Gewalt ausübte, und durch welche Diebstähle und Mordthaten mit immer steigender Frechheit ausgeübt wurden. Kühn trotzte er der Polizei, von geheimen Freunden allenthalben unterstützt, bis er endlich, von einem seiner Vertrauten verraten, 6. Okt. 1721 in einer Schenke ergriffen wurde. Auf der Folter nannte er weder seinen Namen noch Verbrechen oder Mitschuldige. Das peinliche Parlamentsgericht verurteilte ihn zum Tode durch das Rad. Erst unmittelbar vor der Exekution gestand er alles ein und nannte eine Unzahl von Mitschuldigen, darunter viele Damen und bekannte Edelleute. Maler, Kupferstecher, Bänkelsänger wetteiferten, seinen Namen zu verewigen. Noch während des Prozesses brachten ihn Legrand und Riccoboni auf die Bühne. Vgl. "Neuer Pitaval", Bd. 13 (Leipz. 1848); Maurice, C., histoire authentique (Par. 1859).

Cartujano, span. Dichter, s. Padilla.

Cartwright (spr. kártreit), 1) John, engl. Publizist und Politiker, geb. 28. Sept. 1740 zu Marsham in Nottinghamshire, trat in den Seedienst und wurde im Kriege gegen Frankreich Leutnant. Vor Ausbruch des amerikanischen Kriegs wurde er Major bei der Miliz der Grafschaft Nottingham. 1775 erschien von ihm "American independence the glory and interest of Great Britain"; dann folgten Flugschriften ähnlichen Inhalts. 1780 gründete C. mit John Jebb, Granville Sharpe etc. die Society for Constitutional Information (Gesellschaft für konstitutionell Belehrung), und die französische Revolution gab ihm Veranlassung, in dem "Commonwealth in danger" (1795) seine radikalen politischen Meinungen zu entwickeln. Eifrig agitierte er für Parlamentsreform; wegen seines Anteils an demokratischen Volksversammlungen entfernte man ihn 1792 von seinem Majorsposten. Nun lebte C. ganz der Politik; seit 1810 hielt er sich in London auf. Energisch und erfolgreich trat er gegen den Sklavenhandel auf. Nach dem Aufstand in Manchester nahm er an einer Volksversammlung in Birmingham Anteil, wurde 1821 deshalb der Teilnahme an einer Verschwörung für schuldig erklärt und zu 100 Pfd. Sterl. Buße verurteilt. Er starb 23. Sept. 1824. Seine politischen Schriften füllen 52 Bände; aus allen spricht ein edler Geist, doch in etwas unbehilflichem Gewand. Vgl. "The life and correspondence of Major C." (Lond. 1826, 2 Bde.).

2) Edmund, Mechaniker, Bruder des vorigen, geb. 24. April 1743 zu Marsham in Nottinghamshire, bildete sich in Oxford zum geistlichen Stand, fungierte 1785-96 als Pfarrer in Doncaster, wurde dann Pfarrer in Goadley Merewood (Leicestershire) und später Präbendarius in Lincoln. Später ließ er sich in London nieder und starb 30. Okt. 1823 in Hastings. Seinem Erfindungsgeist verdankt das Maschinenwesen vielfache Verbesserungen. Ohne Kenntnis von der üblichen Weberei zu haben, versuchte er 1784 die Konstruktion eines Kraftstuhls, und als der Versuch mißlang, studierte er den Stuhl und die Arbeitsweise der Handweber und brachte dann 1786 eine

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