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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cassarip; Cassas; Cassava; Casse-tête; Cassel; Casselmanns Grün; Cassequere; Casserole; Cassia

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Cassarip - Cassia.

unter Suworow und den Franzosen unter Moreau, welch letztere hierauf die Lombardei räumen mußten.

Cassarip, s. Kasareep.

Cassas (spr. -ssa), Louis François, franz. Maler und Architekt, geb. 3. Juni 1756 zu Azay le Ferron, Schüler Lagrenées und Le Princes, kam sehr jung nach Italien und brachte eine wertvolle Sammlung von Ansichten nach der Natur zusammen. Hierauf begleitete er den Gesandten Choiseul Gouffier nach Konstantinopel, zeichnete die Monumente und Gegenden von Troas und durchreiste sodann Kleinasien, Palästina, Syrien und einen Teil von Ägypten. Nach seiner Rückkehr wurde er 1816 Inspektor und Professor der Zeichenkunst an der Gobelinsmanufaktur zu Paris. Er starb 1. Nov. 1827 in Versailles. Aus seinem reichen Materialienschatz bereitete C. eine mit Text von de la Porte du Theil begleitete "Voyage pittoresque de la Syrie, de la Phénicie, de la Palestine et de la Basse-Égypte" vor, von der aber (1799 ff.) nur 30 Lieferungen erschienen sind, weil der Gesandte Graf Gouffier die Fortsetzung untersagen ließ. Die Originalzeichnungen, nach welchen die Kupfertafeln dazu wie zu seiner "Voyage historique et pittoresque de l'Istrie et de la Dalmatie" (Par. 1802) gestochen wurden, sind jetzt Eigentum der Nationalbibliothek.

Cassava, s. Kassawa.

Cassel (spr. kassell), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Hazebrouck, an der nach Dünkirchen führenden Eisenbahn gelegen, auf einer isoliert stehenden Anhöhe (Montcassel) von 157 m ü. M. mit weitem Blick auf die flandrische Ebene und die Nordsee, hat 4 Kirchen, ein altes Schloß, schönes Stadthaus, das Hotel de la noble cour de C. (einst Sitz der Stände von Flandern), ein Collège, archäologische Museum, Seifen- und Kerzenfabrikation, Spitzenerzeugung, Viehhandel und (1876) 3224 Einw. Die Umgegend gleicht in ihrer üppigen Vegetation einem Garten. C., das alte Castellum Morinorum ist in späterer Zeit als Kampfplatz von 1071, 1328, 1677 und 1814 bekannt. Es ist auch Geburtsort Vandammes.

Cassel, 1) David, jüd. Gelehrter, geb. 7. März 1818 zu Glogau, studierte in Breslau und Berlin jüdische Theologie, war 1846-79 Direktor des Nauenschen Stifts zu Berlin, nebenbei Religionslehrer an verschiedenen Schulen und ist seit 1872 Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin. Außer kleinern zerstreuten Arbeiten und Ausgaben älterer jüdischer Schriftsteller (z. B. "Das Buch Kusari des R. Jehuda Halem", mit Übersetzung, 2. Aufl., Leipz. 1869) veröffentlichte er: "Hebräisch-deutsches Wörterbuch" (Berl. 1871); "Geschichte der jüdischen Litteratur" (das. 1872-74, 2 Bde.); "Leitfaden für den Unterricht in der jüdischen Geschichte und Litteratur" (6. Aufl., das. 1882); "Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Litteratur" (Leipz. 1879).

2) Paulus, Gelehrter, Bruder des vorigen, geb. 27. Febr. 1827 zu Glogau, studierte in Berlin, führte 1850-56 die Redaktion der "Erfurter Zeitung" und erhielt, nachdem er 1855 zum evangelischen Glauben übergetreten, eine Bibliothekarstelle in Erfurt. Seit 1859 in Berlin ansässig, wurde er 1866 in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt; seit 1867 wirkt er als Prediger an der Christuskirche daselbst. Großen Beifall fanden seine während mehrerer Winter in Berlin gehaltenen öffentlichen Vorträge sowie seine "Deutschen Reden" (Berl. 1871, 2 Tle.) aus Anlaß des deutsch-französischen Kriegs. Von seinen litterarischen Arbeiten sind zu nennen: "Von Warschau bis Olmütz" (Berl. 1851); "Über thüringische Ortsnamen" (Erfurt 1856-58); "Eddische Studien" (Weim. 1856); "Der Schwan" (3. Aufl., Berl. 1872); "Rose und Nachtigal" (das. 1860); "Weihnachten. Ursprünge, Bräuche und Aberglauben" (das. 1862); "Die Schwalbe" (das. 1867); "Symbola Renati" (3. Aufl., das. 1872); "Über den goldenen Thron Salomonis" (das. 1867); "Drachenkämpfe" (2. Aufl., das. 1878); "Kaiser- und Königsthron in Geschichte, Symbol und Sage" (das. 1874); "Der Chezarische Königshof aus dem 10. Jahrhundert" (das. 1876); "Vom Nil zum Ganges" (das. 1880); "Die Symbolik des Bluts" (das. 1882) u. a.; ferner als Schriften theologischen Inhalts: "Die Bücher der Richter und Ruth" (Bielef. 1865); "Altkirchlicher Festkalender" (Berl. 1869); "Das Evangelium des Sohns Zebedäi" (das. 1870); "Vom Weg nach Damaskus" (Gotha 1872); "Aus guten Stunden" (das. 1874); "Löwenkämpfe von Nemea bis Golgatha" (das. 1875); "Das Buch Esther" (Berl. 1878); "Die Hochzeit zu Kana" (das. 1883); "Aus Litteratur und Symbolik" (Leipz. 1884); "Aus Litteratur und Geschichte" (das. 1885) u. a. Seit 1875 gibt C. die theologische Wochenschrift "Sunem" heraus; in neuester Zeit hat er sich namentlich als Gegner der Antisemiten bethätigt.

Casselmanns Grün, grüne Farbe, welche sich beim Vermischen siedender Lösungen von Kupfervitriol und essigsaurem Natron ausscheidet, besteht aus basisch essigsaurem und basisch schwefelsaurem Kupferoxyd, ist nach dem Trocknen feurig grün, dem Schweinfurter Grün wenig nachstehend und kann wie dieses benutzt werden.

Cassequere, ein von Serpa Pinto 1878 entdeckter Volksstamm im Innern Südafrikas, zwischen den Flüssen Cubango und Cuando, nach Pinto von intensiv weißer Hautfarbe und mit büschelförmig verteiltem Haupthaar, vorstehenden Backenknochen und kleinen, schief stehenden Augen, dabei auf niedrigster Kulturstufe stehend.

Casserole, s. Kasserolle.

Casse-tête (franz., spr. kass-täht, "Kopfsprenger"), Bezeichnung eines schweren, stark zu Kopf steigenden Weins.

Cassia L. (Kassie), Gattung aus der Familie der Cäsalpiniaceen, Bäume, Sträucher oder Kräuter mit wechselständigen, paarig gefiederten Blättern, ganzrandigen Blättchen, meist end- oder achselständigen, einfachen oder rispig zusammengesetzten Blütentrauben mit gelben Blüten, stielrunder oder flach zusammengedruckter, holziger, lederartiger oder häutiger, einfächeriger oder durch Querwände mehr- oder vielfächeriger, zuweilen mit Mus erfüllter, mehr- oder vielsamiger Hülse. Über 300 tropische oder subtropische Arten, meist in Amerika, auch in Afrika, Asien und Neuholland. C. Absus L. (Chichimkassie, Chichonpflanze), fußhohe Staude in Ägypten und auf Ceylon, mit zweipaarigen Blättern, gelben, rot geäderten Blüten, schwertförmigen, drüsigen Hülsen und aromatisch riechenden, bittern, glänzenden, schwarzbraunen Samen, die als Cichon, Chichimsame in Ägypten, am Senegal und in der Türkei gegen die ägyptische Augenentzündung benutzt werden. Calata L., ein bis 3 m hoher Strauch in Westindien und Südamerika, mit sechs- bis zehnpaarigen Blättern und goldgelben Blüten, dessen Blätter und Blüten in den Tropenländern gegen Krätze, Flechten etc. benutzt werden. C. Fistula L. (Röhrenkassie), 6-18 m hoher, in Indien heimischer, in Ägypten, Südamerika und Westindien kultivierte Baum mit 45 cm langen Blättern, hängenden, langen Blütentrauben mit großen, goldgelben, sehr wohlriechenden Blüten und 30

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