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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Castagno; Castaldi; Castalla; Castanea; Castanos; Castanospermum; Casteggio; Castel; Castelar

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Castagno - Castelar.

dern, noch sein zwischen Wäldern und Sümpfen gelegenes befestigtes Lager gegen ihn behaupten. Nachdem ihm auch ein Angriff auf das römische Schiffslager mißglückt war, unterwarf er sich und erkaufte durch Stellung von Geiseln und Tributzahlung die Räumung Britanniens.

Castagno (spr. -stánnjo), Andrea del, ital. Maler, geb. 1390 zu Mugello, realistischer Nachahmer der Natur von strengem Stil, doch oft ungenauer Zeichnung und zuweilen gemeinem Ausdruck in den Gesichtern. Daß C. den Domenico Veneziano ermordet habe, um in den Besitz seines Geheimnisses der Ölmalerei zu kommen, hat sich als eine Fabel erwiesen. Er malte mehrere Kruzifixe mit Figuren in Santa Maria degli Angeli zu Florenz und daselbst im Palast des Podestà die Hinrichtung der gegen die Mediceer Verschwornen, wovon aber nicht viel erhalten ist; die Galerie des Palazzo Pitti besitzt von ihm ein Porträt und eine Madonna mit Heiligen. C. starb 19. Aug. 1457 an der Pest.

Castaldi, Panfilo, angeblicher Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, geb. 1398 zu Feltre in der Lombardei, widmete sich in der Jugend ohne Erfolg der Dichtkunst, später mit mehr Glück der Jurisprudenz. Eine Schule der schönen Wissenschaften, von ihm zu Feltre gegründet, zog viele Fremde, auch aus Deutschland, dahin. Auf diesem Weg soll 1454 Gutenberg, nach andrer Lesart Faust, mit C. in Verbindung gekommen sein und Kenntnis von dessen Erfindung erlangt haben, wie dies Castaldis Landsleute Bernardi, Volsecchi u. a. Anfang der 60er Jahre dieses Jahrhunderts behaupteten, sich dabei auf eine ungedruckte, gegen das Ende des 17. Jahrh. von dem Franziskaner Cambruzzi niedergeschriebene Geschichte von Feltre stützend, in welcher der fragliche Deutsche Fausto Comesburgo genannt wird. Ende 1880 angeblich im Staatsarchiv zu Mailand aufgefundenen Urkunden zufolge wäre C. 1472 (wo er bereits im 74. Lebensjahr gestanden hätte, während er nach der bisherigen Annahme schon 1470 gestorben sein soll) vom Herzog Galeazzo Maria Sforza als Lehrer des Buchdrucks an dessen Hof berufen worden, hätte auch von diesem im Mai d. J. ein Privilegium zur Errichtung einer Buchdruckerei in Mailand erhalten. Auf Antrieb Bernardis wurde C. 1868 ein Denkmal zu Feltre gesetzt. S. Buchdruckerkunst, S. 550.

Castalla (spr. -allja), Stadt in der span. Provinz Alicante, am Fuß eines mit einer maurischen Burg gekrönten Hügels, am gleichnamigen Küstenfluß, in einem herrlich angebauten Thalbecken ("Hoya de C.") gelegen, hat Branntweinbrennereien, Sandalenflechtereien, Leinwebereien und (1878) 3737 Einw.

Castanea Tourn., Pflanzengattung, s. Kastanienbaum.

Castanos (spr. -stánnjos), Don Francisco Xaver, Herzog von Baylen, Graf von C. y Aragones, span. General, geb. 22. April 1756 aus einer angesehenen Familie in Viscaya, begleitete seinen Schwager, den General Grafen O'Reilly, nach Deutschland und bildete sich in Preußen militärisch aus. Nach Spanien zurückgekehrt und zum Obersten befördert, zeichnete er sich 1794 in der Armee von Navarra aus, ward 1796 Generalmajor und 1798 Generalleutnant, mußte aber, von Godoys Haß verfolgt, in die Verbannung gehen. 1802 zum Kommandanten von Navarra ernannt, erhielt er 1808 das Kommando über die im Lager vor Gibraltar stehende Division und zwang als Oberbefehlshaber der Armee von Andalusien den französischen General Dupont de l'Etang bei Baylen zur Kapitulation (23. Juli 1808). Er drang darauf bis zum Ebro vor, wurde aber 23. Nov. von Lannes bei Tudela geschlagen und von den ränkesüchtigen Generalen Palafox und Montijo bei der Zentraljunta so verleumdet, daß er abgesetzt wurde und mehrere Jahre außer Dienst war. Erst 1811 ward er unter Wellingtons Oberbefehl an die Spitze des 4. spanischen Armeekorps gestellt und trug zum Sieg bei Vittoria wesentlich bei. Doch berief ihn die Regentschaft nach Madrid in den Staatsrat. Unter Ferdinand VII. ward er Generalkapitän von Katalonien und führte 1815 den Oberbefehl über die zum Einrücken in Frankreich bestimmte Armee. 1816 legte C. alle seine Stellen nieder. Nachdem er sich von dem Verdacht konstitutioneller Gesinnung gereinigt hatte, wurde er 1825 von neuem in den Staatsrat berufen, später zum Präsidenten des Rats von Kastilien und 1833 zum Granden von Spanien mit dem Titel "Herzog von Baylen" erhoben. Nach Ferdinands VII. Tod mit dem Hof wegen der Thronfolge zerfallen, lebte er zurückgezogen, bis er nach Esparteros Sturz 1843 an Arguelles' Stelle zum Vormund der Königin erwählt wurde. 1845 zum Senator ernannt, übte er seines hohen Alters wegen keinen politischen Einfluß mehr aus und starb 24. Sept. 1852.

Castanospermum Cunn., Gattung aus der Familie der Papilionaceen mit der einzigen Art C. australe Cunn., in Neusüdwales, einem hohen Baum mit gefiederten, lederartigen Blättern, schön gelben Blütentrauben und 16-20 cm langer, brauner, hängender, cylindrischer, holziger Hülse, welche gewöhnlich vier große Samen enthält. Diese den Kastanien ähnlich schmeckenden Moretonbainüsse werden von den Ureinwohnern auf heißen Steinen schwach geröstet und gegessen. Aus dem Mehl kann man Stärkemehl abscheiden, auch liefert der Baum Nutzholz.

Casteggio (spr. -steddscho, Chiasteggio), Ort in der ital. Provinz Pavia, Kreis Voghera, an der Eisenbahn von Voghera nach Piacenza, mit Schwefelquellen und (1881) 2198 Einw. C. ist das antike Clastidium, ein Fundort römischer Altertümer, wo der römische Konsul M. Marcellus den König der Kelten, Virdumarus, 222 besiegte und tötete. In der Nähe das Schlachtfeld von Montebello (s. Montebello 2).

Castel, s. Kastel.

Castelar, Emilio, span. Politiker und Schriftsteller, geb. 8. Sept. 1832 zu Cadiz, studierte auf der Universität in Madrid zuerst Rechtswissenschaft, dann vorzugsweise Philosophie und Litteratur. Als Schriftsteller trat C. zuerst auf dem Gebiet der Novellistik, später auf dem der Politik auf. Von dem Republikaner Orense in das politische Leben eingeführt, schrieb er für demokratische Blätter, wurde dann Professor der Geschichte und der Philosophie an der Universität Madrid und übte durch seine glänzenden Vorträge einen großen Einfluß auf die Jugend aus. 1864 gründete er das Blatt "La Democracia", worin er für die individuelle Freiheit und gegen die Willkür der Bourbonenherrschaft, aber auch gegen den Sozialismus kämpfte. Später verteidigte er auch in den Cortes mit enthusiastischer, hinreißender, wenngleich etwas phrasenreicher Beredsamkeit seine republikanischen Grundsätze. Oberflächlich und zur Rhetorik geneigt, ist E. doch ein edler Patriot, uneigennützig und selbstverleugnend, ehrlich und wahrhaft. Seine heftigen Angriffe auf die Regierung hatten 1865 seine Suspension zur Folge, und als er sich an dem Militäraufstand 22. Juni 1866 in Madrid beteiligte, mußte er fliehen und wurde in contumaciam zum Tod verurteilt. Die Septemberrevolution von 1868 rief ihn aus der Verbannung zurück, und

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