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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Castellio; Castello; Castello-Branco; Castello Branco; Castello de Vide; Castellon; Castelnau

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Castellio - Castelnau.

bis 1823, 5 Bde.); "Wiener Lebensbilder" (das. 1828, 2 Bde.; 2. Aufl. 1835); "Bären. Eine Sammlung Wiener Anekdoten" (das. 1825-32, 12 Hefte); "Neue Wiener Bären" (das. 1844); "Erzählungen in allen Farben" (das. 1840, 6 Bde.) u. v. a., abgesehen von mehreren Taschenbüchern (z. B. "Huldigung der Frauen", 1822-48), seinen zahlreichen kleinen Aufsätzen, Sprichwörtern, Rätseln, Scharaden, Logogriphen, Schnurren etc. Auch die Redaktion mehrerer Journale führte er, so namentlich des "Allgemeinen musikalischen Anzeigers" (1829-40). Eine Ausgabe seiner Werke in strenger Auswahl erschien Wien 1844, 16 Bde.; neue Folge, das. 1858, 6. Bde. Auch gab er ein "Wörterbuch der Mundart in Österreich unter der Enns" (Wien 1847) heraus sowie "Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes" (das. 1861, 4 Bde.). C. war nebenbei passionierter Sammler. Er hinterließ eine Sammlung von 12,000 Schauspielen in 3000 Bänden, ferner Sammlungen von Porträten aller bekannten Schauspieler und Theaterdichter, von Tabaksdosen sowie fast aller Wiener Theaterzettel seit 1600 (jetzt im Besitz der k. k. Hofbibliothek).

2) Alessandro, ital. Maler, geb. 1810 zu Rom, widmete sich ohne Anleitung der Landschaftsmalerei und wurde 1849 wegen Beteiligung an revolutionären Umtrieben und 1859 abermals aus Rom verbannt. Er ging 1860 nach Paris, dann nach England und kehrte erst 1868 wieder nach Florenz und 1870 nach Rom zurück. Von seinen stimmungsvollen Landschaften ist in Deutschland eine mit einer figurenreichen Darstellung der Kreuzigung Christi durch die Berliner Kunstausstellung von 1881 bekannt geworden.

Castellio (Chateillon), Sebastian, humanistischer Theolog, geb. 1515, ward auf Calvins Empfehlung 1540 als Rektor an die Genfer Schule berufen. Mit dem starren Glaubenszwang des Calvinischen Systems zerfallen (C. wagte es, das Hohelied für ein erotisches Gedicht zu halten), flüchtete er 1544 nach Basel, wo er 1551 seine elegante lateinische Bibelübersetzung veröffentlichte und 1553 Professor der griechischen Sprache wurde; starb 23. Dez. 1563 in Dürftigkeit. Vgl. Mähly, Sebastian C. (Basel 1862); Broussoux, Seb. Castellion, sa vie, ses œuvres (Straßb. 1867).

Castello, Guido di, Familienname des Papstes Cölestin II. (s. d.).

Castello Branco, Distriktshauptstadt in der portug. Provinz Beira, auf einer Anhöhe über dem Konsul gelegen, mit alten Mauern und Türmen, einem verfallenen Kastell und (1878) 7464 Einw., welche Wollweberei, Wein- und Branntweinhandel betreiben; Bischofsitz. Der Ort ist römischen Ursprungs und der ganze Distrikt reich an Überresten aus der Römerzeit.

Castello-Branco, Camillo, portug. Schriftsteller, geb. 10. März 1826 zu Lissabon, lebt zurückgezogen seinen Studien und litterarischen Beschäftigungen auf einem Landgut in der Provinz Minho. C. ist der populärste und zugleich nationalste unter den modernen Romandichter Portugals. Zu den gelesensten von seinen Romanen, die mehr als 100 Bände füllen, gehören: "Onde està a felicidade?", "Scenas contemporaneas", "Aventuras d'um boticario d'aldea", "Queda d'um anjo", "O marquez de Torres Novas", "No bom Jesus do monte", "O judeu", "A bruxa do monte Cordova", "Brilhantes do Brasileiro" etc. Unter seinen Gedichten behauptet die "Um livro" (1854) betitelte Sammlung die erste Stelle; unter seinen Dramen, die übrigens keinen Bühnenerfolg hatten, sind "Espinhos e flores", "A bençoadas lagrimas" und "O morgado de Fafe" hervorzuheben. Auch wertvolle litterarhistorische Studien über Gil Vicente, Sa de Miranda, Camoens, Fr. Manoel de Mello u. a. hat C. veröffentlicht.

Castello de Vide, Stadt in der portug. Provinz Alemtejo, auf einem Hügel nördlich von Portalegre gelegen, mit einem alten Kastell, bedeutenden Tuchwebereien und (1878) 5263 Einw.

Castellon (spr. -stelljon), span. Provinz im Königreich Valencia, grenzt im N. an die Provinz Tarragona, im N. und W. an Teruel, im S. an Valencia, im O. mit geradliniger Küste ohne alle Einbuchtungen an das Meer und hat einen Flächenraum von 6336 qkm (115 QM.). Sie ist zum größten Teil, namentlich im W. und NW., ein wildromantisches Bergland und enthält unter anderm die Bergmassivs der Peña Golosa (1811 m) und der Muela de Arès (1313 m), dagegen nur kleine Ebenen, darunter die reichbewässerte, fruchtbare Plana um die Provinzialhauptstadt, welcher dieselbe ihren Beinamen verdankt. Die Gewässer fließen von den Bergen einerseits durch den Bergantes dem Ebro, anderseits aber durch eine Reihe von Küstenflüssen, insbesondere Mijares mit Monlleo und Palancia, direkt dem Meer zu. Die Bevölkerung beträgt (1878) 283,981 Einw. (1883 beinahe 300,000), d. h. 46 pro QKilometer. Der Haupterwerbszweig ist die Landwirtschaft, welche namentlich im O. und S. sehr ergiebig ist und Getreide, Obst und Südfrüchte (Orangen, Feigen, Johannisbrot), Wein und Öl liefert. Die reichen Bergwerkslager sind wenig benutzt; einige Eisen- und Kupferwerke, Papierfabriken, Webereien, Sparteriewarenerzeugung, Steingut- und Fayencefabriken repräsentieren die Industrie der Provinz. Außerdem wird etwas Fischerei, Schiffahrt und Handel, insbesondere Ausfuhr von Wein, Orangen und Feigen, betrieben. Mineralquellen finden sich ziemlich häufig. Die Provinz wird von der Eisenbahn Barcelona-Valencia durchzogen und zerfällt in acht Gerichtsbezirke (darunter Morella, Nules, Segorbe, Vinaroz). - Die Hauptstadt C. de la Plana liegt inmitten der erwähnten stark bevölkerten, vom Mijares und zahlreichen Kanälen bewässerten Ebene, nahe dem Meer, an der Eisenbahn, hat eine Kirche mit schönen Gemälden, ein Institut und (1878) 23,393 Einw., welche Leinen, Hausgewebe und Seilerwaren erzeugen und Handel mit Wein und Südfrüchten betreiben. C. ist Sitz eines Gouverneurs. Hafenort ist Grao.

Castelnau (spr. -noh), Francis, Graf von, franz. Reisender, geb. 1812 zu London, bereiste 1837-41 das damals noch wenig bekannte Gebiet um die kanadischen Seen Nordamerikas sowie die Vereinigten Staaten und Mexiko und unternahm 1843-47 mit Eugène d'Osery, der unterwegs von Indianern getötet wurde, dem Arzt und Botaniker A. Weddell und dem Naturforscher Deville im Auftrag der französischen Regierung eine Expedition durch das äquatoriale Südamerika. Von Rio de Janeiro ging C. nach Goyaz und, erst dem Araguay, dann dem Tokantins folgend, zum obern Paraguay und von da über Chuquisaca und Potosi nach Lima und kehrte dann über Cuzco zum Ucayali und diesem und dem Amazonas abwärts folgend nach Para zurück. C. wurde später französischer Konsul in Bahia, dann längere Zeit in der Kapstadt, von wo er nach der Westküste Arabiens reiste, um daselbst Erkundigungen über die vielfach erwähnten geschwänzten Menschen Innerafrikas einzuziehen. Darauf wurde er Konsul in Singapur und 1862 Generalkonsul in Melbourne, wo er 4. Febr. 1880 starb. Die Resultate seiner Reise durch Südamerika wurden in einem großartigen Werk von 6 Bän-^[folgende Seite]

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