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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Catanzaro; Cataphyllum; Cataracta; Catargiu; Catarrhilni; Catawba; Catch; Catchup; Cateau, Le; Cateja

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Catanzaro - Cateja.

heil. Agatha das Verderben ab. Aber 1169 zerstörte ein Erdbeben fast die ganze Stadt. 1669 drang ein Lavastrom (s. Ätna) über die Mauern der Stadt, und ein andrer füllte den Canale del Duca. Das Erdbeben von 1693 richtete abermals große Zerstörungen an. Auch durch den Ausbruch des Ätna 1819 litt die Stadt sehr. E. ist der Geburtsort des Komponisten Bellini. Die Geschichte des neuen C. beginnt 1070 mit der Vertreibung der Sarazenen durch den Normannenfürsten Roger I., welcher hier einen Bischof einsetzte und demselben die Stadt und den Berg Ätna für den jährlichen Tribut eines Bechers Wein und eines Brots schenkte. Auch stiftete er das Benediktinerkloster. Kaiser Friedrich II. machte die abtrünnige Stadt dem Boden gleich und erbaute daselbst ein Kastell. Viel verdankt C. dem Kaiser Karl V., der die Stadt vergrößerte und ihr Mauern und zur Hebung des Wohlstandes viele Privilegien erteilte.

Catanzaro, ital. Provinz in Kalabrien, bis 1871 Calabria ulteriore II genannt, liegt zwischen den Provinzen Cosenza (im N.) und Reggio di Calabria (im S.) und zwischen dem Donischen und Tyrrhenischen Meer (im O., resp. im W.) und umfaßt 5975 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 3177 qkm [57,7 QM.]) mit (1881) 433,975 Einw. Das Land ist durch den Kalabrischen Apennin, von welchem im nördlichen Teil der Silawald und im südlichen Teil die Serra von Sant' Eufemia und von Squillace hierher gehören, gebirgig, sinkt aber auf dem Isthmus zwischen den beiden Golfen zu Hügelland herab, ja im W. zur versumpften Ebene von Sant' Eufemia. Die Flüsse: Nieto, Tacina und Corace, aus der Sila ins Ionische, Lamato ins Tyrrhenische Meer gehend, sind wasserarme Fiumare in breitem Geröllbett. Das Klima ist in der Sila fast mitteleuropäisch, an den Küsten mild, aber fieberhaft, der Boden fruchtbar, aber wenig angebaut, im Gebirge von Buchen-, Eichen- und Kastanienwäldern bedeckt, so daß im ganzen die Viehzucht begünstigt ist. Haupterzeugnisse des Landbaues sind: Getreide, Wein, Olivenöl, Feigen, Südfrüchte und Seide. An Mineralien finden sich Braunkohlenlager (bei Briatico und Zagarise), Graphit (bei Ölivadi), Eisen und verschiedene Marmorarten. Die Provinz wird an der Ostküste von der Kalabrischen Eisenbahn durchzogen und ist eingeteilt in vier Kreise: C., Cotrone, Monteleone und Nicastro. - Die Hauptstadt C., auf einem felsigen Hügel, 9 km vom Golf von Squillace an der Kalabrischen Eisenbahn gelegen, hat eine Akademie der Wissenschaften, ein Gymnasiallyceum, eine technische Schule, ein gutes Theater, lebhafte Seiden- und Samtindustrie, Handel mit Wein, berühmtem Käse, Eisen, Holz, Seide, Öl und (1881) 20,931 Einw., unter denen die Frauen sich durch ihre griechische Tracht (buntfarbige Mieder und Röcke) auszeichnen. Sie gelten als die schönsten in ganz Kalabrien. Von der Ruine des von Robert Guiscard gegründeten Schlosses, am Westende der Stadt, herrliche Aussicht aufs Meer. An der Küste liegt der Hafen Marina di C. Die Stadt ist Sitz eines Bischofs, einer Präfektur, eines Appellhofs und eines Generalkommandos sowie eines deutschen Konsuls. Sie wurde 963 von Nikephoros Phokas zum Schutz gegen die Sarazenen angelegt.

Cataphyllum, s. v. w. Niederblatt.

Cataracta (griech.), der graue Star.

Catargiu, Lascar, rumän. Minister, geboren im November 1823 in der Moldau aus einer angesehenen Familie, war unter Michael Stourdza Präfekt, 1859 Thronkandidat, beteiligte sich 1866 bei dem Sturz des Fürsten Alexander Cusa und übernahm 23. Febr. 1866 nebst dem General Golesco und dem Obersten Haralambi die provisorische Regierung. Als Karl von Hohenzollern 24. Mai die Regierung von Rumänien übernahm, wurde C. mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt und übernahm in demselben die Präsidentschaft und das Innere. Dieses Kabinett löste sich noch in demselben Jahr auf. Als 23. März 1871 das Ministerium Ghika wegen seiner Beteiligung an dem Deutschen Krawall (am 22.) seine Entlassung zu nehmen genötigt war, unternahm es C., 24. März ein konservatives Ministerium zu bilden, wogegen der Fürst den infolge der beständigen Wirren des Landes gefaßten Entschluß, die Regierung sofort niederzulegen, zurücknahm und in seiner schwierigen Stellung ausharrte. Die radikale Kammer, welche dem Ministerum C. ein Mißtrauensvotum gab, wurde aufgelöst, und die Neuwahlen fielen für die Regierung günstig aus. Nachdem es ihm gelungen war, die Parteileidenschaften zu beschwichtigen und Ordnung und Ruhe im Land herzustellen, nahm er, als 1876 die Kammerwahlen liberal ausfielen, seine Entlassung. Er stand seitdem im Senat an der Spitze der liberalen Partei.

Catarrhilni (Katarrhinen, griech., "Schmalnasen"), s. Affen.

Catawba (spr. katahba), Fluß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika (in seinem untern Lauf Wateree genannt), entspringt beim Black Dome in Nordcarolina und vereinigt sich nach einem Laufe von 400 km in Südcarolina mit dem Congaree, wodurch der Santee (s. d.) entsteht. Er ist bis Camden für Dampfboote zu befahren. Am obern Thal dieses Flusses wächst die geschätzte einheimische Catawbarebe.

Catch (spr. kättsch, "Haschen"), eine spezifisch engl. Kompositionsgattung, eine Art Fuge für Singstimmen mit komischem Text und allerlei Schwierigkeiten der Ausführung, welche das Singen derselben zu einer schweren Kunst machen (Zerteilung des Textes, ja der Worte auf verschiedene Stimmen etc.). Die ältesten Sammlungen von Catches sind: "Pammelia" (1609), "Deuteromelia" (1609) und "Melismata" (1611). Die Texte waren oft genug sehr lasciv. Seit 1761 besteht in London ein C.-Club zur Pflege dieser eigentümlichen Kunstform.

Catchup (spr. káttschöpp), in Ostindien aus Pilzen und Gewürzen bereiteter Extrakt, dient namentlich in England als Zusatz zu Saucen und Fleischspeisen.

Cateau, Le (spr. lo kátoh. Cateau-Cambrésis), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Cambrai, an der Selle und der Nordbahn, mit einem Stadthaus aus der Renaissancezeit, einem alten Palast (früher Sitz der Erzbischöfe von Cambrai, jetzt Spinnerei), einem Collège, neuem Hospital (seit 1862), Zucker- und Ölfabriken, Woll- und Baumwollspinnereien und Webereien etc. und (1876) 9444 Einw. Hier 2. und 3. April 1559 Friedensvertrag zwischen Frankreich, England und Spanien, wonach alle gegenseitig seit 1552 gemachten Eroberungen (von seiten Frankreichs nicht weniger als 198 feste Plätze und das ganze Herzogtum Savoyen) wieder herausgegeben und Calais von England auf acht Jahre abgetreten wurde; würde Frankreich dann die Stadt nicht zurückerstatten, so sollte es 50,000 Kronen an England bezahlen. C. ist Geburtsort des Marschalls Mortier, dem 1838 eine Bronzestatue daselbst errichtet ward.

Cateja (lat.), schwerer Wurfspieß, bei den Galliern und Deutschen gebräuchlich, hatte die Länge einer Elle, war stark mit Nägeln Geschlagen und an einem Riemen befestigt, mittels dessen ihn der Streiter nach dem Wurf wieder an sich zog.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]