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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Catel; Catena; Catenaria; Catesby; Catgut; Catha edulis; Cathartica; Cathartidae; Cathartin; Cathcart

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Catel - Cathcart.

Catel (spr. katell), 1) Charles Simon, franz. Komponist, geboren im Juni 1773 zu Aigle (Departement Orne), kam jung nach Paris, studierte dort Klavierspiel bei Gobert und Komposition bei Gossec, wurde 1787 Lehrer an der königlichen Musikschule, 1795 Kompositionslehrer am neubegründeten Konservatorium, von 1810 an auch einer der vier Inspektoren der Anstalt (neben Gossec, Méhul und Cherubini), zog sich aber nach 1814 ins Privatleben zurück und starb 29. Nov. 1830 in Paris. Sein Hauptwerk ist der "Traité de l'harmonie" (Par. 1796; franz. u. deutsch, Leipz. 1831), welcher 20 Jahre hindurch in Frankreich allen hierher gehörigen Studien zur Grundlage diente. Als Komponist hat er sich durch mehrere Opern und politische Gelegenheitsarbeiten hervorgethan; unter erstern zeichnen sich besonders "Sémiramis", "Les Bayadères", "L'auberge de Bagnères", "Les artistes paroccasion", "Wallace", "L'officier en levé" u. a. durch reinen Stil, anmutige Melodik und richtige Deklamation aus. Außerdem hat C. einen wesentlichen Anteil an der Redaktion des unter dem Titel: "Solféges du Conservatoire" berühmt gewordenen Gesangstudienwerks.

2) Franz, Maler, Bruder des vorigen, geb. 22. Febr. 1778 zu Berlin, war ursprünglich Holzbildhauer, widmete sich dann der Malerei und lebte seit 1809 in Rom. Im J. 1830 ließ er sich auf seinem Gut bei Macerata in der Mark Ancona nieder und starb 19. Dez. 1856 in Rom. Er malte Historien-, Genre-, namentlich aber Landschaftsbilder, denen er auch seinen Ruf verdankt. Er hatte sorgsam die perspektivische Wirkung im Auge und war bestrebt, den sonnigen Glanz der italienischen Gegenden, überhaupt Lichtwirkungen getreu wiederzugeben. Seine Landschaften schließen sich an die stilistische Richtung an. Die Linien und Formen sind schärfer betont als die Farbe, welche an Trockenheit und Härte leidet.

Catena (lat.), Kette; Catenae ecclesiae oder patrum, s. Exegetische Sammlungen.

Catena, Vincenzo di Biagio, genannt C., ital. Maler, geboren um 1470 zu Treviso, war 1495 im Ratssaal des Dogenpalastes in Venedig thätig, bildete sich nach Giov. Bellini und Giorgione und starb 1531 in Venedig. C. wurde besonders von den Zeitgenossen wegen seiner geschickten Anlehnung an seine Vorbilder gerühmt. Bedeutender als seine religiösen Bilder, von denen die Nationalgalerie in London das wertvollste, einen vor der Madonna knieenden Ritter, besitzt, sind seine Porträte. Im Wiener Belvedere befindet sich das eines Domherrn, in der Berliner Galerie das des Grafen Raimund Fugger.

Catenaria, Kettenlinie (s. d.).

Catesby, Marcus, s. Cat.

Catgut (engl., spr. kattgött, "Darmsaite"), Unterbindungsfäden aus dem Darm verschiedener Tiere, besonders aus Schafdarm, nach Art der Saiten bereitet, wurde bereits in frühern Zeiten versuchsweise verwendet, aber sehr bald als unzweckmäßig verworfen. Erst in neuerer Zeit ist das C. wieder in Aufnahme gekommen, nachdem Lister bei der antiseptischen Wundbehandlung davon Gebrauch gemacht. Man benutzt durch vorhergehende Behandlung mit öligen Karbollösungen präpariertes C. zur Unterbindung der Blutgefäße und bisweilen zur Naht und erzielt den großen Vorteil, daß es im Körper keine Eiterung, wie Seide, Metall etc., hervorruft, sondern spontan durch Aufsaugung verschwindet und nicht besonders entfernt zu werden braucht.

Catha edulis, s. Celastrus.

Cathartica (griech.), Abführmittel.

Cathartidae (Neuweltsgeier), Familie aus der Ordnung der Raubvögel (s. d.).

Cathartin, s. Sennesblätter.

Cathcart, 1) William Shaw, Graf, brit. General und Diplomat, geb. 17. Sept. 1755 aus altem schottischen Geschlecht, studierte in Glasgow und ward 1776 Advokat in Edinburg, trat aber nach seines Vaters Tod 1777 in die Armee und zeichnete sich im amerikanischen Revolutionskrieg aus. 1788 ward er zum Repräsentativpeer für Schottland gewählt und blieb es in fünf aufeinander folgenden Parlamenten. In den Koalitionskriegen gegen die Franzosen avancierte er 1790 zum Obersten und 1794 zum Generalmajor. Nachdem er 8. Jan. 1795 den Franzosen das blutige Treffen bei Buren geliefert und am Ende des Jahrs nach England zurückgekehrt war, ernannte ihn Georg III. 1797 zum Chef des 2. Leibgarderegiments, 1801 zum Generalleutnant und 1803 zum Oberbefehlshaber in Irland. Anfang 1805 erhielt er eine Mission an den Kaiser Alexander I., die aber durch die Schlacht von Austerlitz zwecklos wurde. Im Juli 1807 befehligte er die Landungstruppen bei der Expedition nach Kopenhagen, für deren glücklichen Ausgang er durch die Erhebung zum britischen Peer mit dem Titel Viscount C. belohnt wurde. Im J. 1812 ging er abermals als Gesandter nach Rußland, machte an der Seite des Kaisers Alexander die Feldzüge von 1813 und 1814 mit und nahm an den Kongressen von Châtillon und Wien teil. Am 18. Juni 1814 zum Grafen C. ernannt, brachte er die letzten Jahre seines Lebens auf seinem Landsitz Cartside bei Glasgow zu, wo er 17. Juni 1843 starb.

2) Charles Murray, Graf, früher unter dem Namen Lord Greenock bekannt, ältester Sohn des vorigen, geb. 21. Dez. 1783, focht in Spanien und bei Waterloo unter Wellington, ward 1830 Generalmajor, 1837 Gouverneur von Edinburg Castle, 1841 Generalleutnant, fungierte 1846-51 als Oberbefehlshaber in Kanada und erhielt nach seiner Rückkehr das Kommando des westlichen Militärdistrikts in England. 1854 wurde er wirklicher General. Er starb 16. Juli 1859 zu St. Leonards bei Hastings. - Die Peerswürde erbte sein ältester Sohn, Alan Frederick, dritter Graf C., geb. 15. Nov. 1828, Oberst eines Freiwilligenregiments von Yorkshire.

3) Sir George, Bruder des vorigen, geb. 12. Mai 1794, trat 1810 in die Armee, begleitete seinen Vater 1812 nach Rußland und wohnte an dessen Seite den Feldzügen von 1813 bis 1814 bei. Hierauf beziehen sich seine interessanten "Commentaries on the war in Russia and Germany in 1812 and 1813" (Lond. 1850). Er focht später als Adjutant Wellingtons bei Quatrebras und Waterloo, begleitete denselben zum Kongreß nach Aachen, erhielt 1828 das Kommando eines Infanterieregiments, mit dem er in Neuschottland, auf den Bermudas und auf Jamaica war, zog sich aber 1834 aus dem Dienst zurück, bis er 1837 in Kanada das Kommando einer Kavalleriebrigade erhielt. Bald darauf zum Oberbefehlshaber über die südlich vom St. Lorenzstrom operierenden Regierungstruppen ernannt, unterdrückte er den Aufstand in Kanada völlig, kehrte 1844 nach England zurück und ward 1846 Deputy-Lieutenant des Towers. 1852 übernahm er den Oberbefehl gegen die Kaffern in Südafrika, wo er den Frieden bald wiederherstellte. Vgl. seine "Correspondence relative to his military operations in Kaffraria" (Lond. 1856). Im Krimkrieg erhielt er als Generalleutnant das Kommando der 4. Division der englischen Truppen und fiel 5. Nov. 1854 in der Schlacht bei Inkjerman.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]