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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cayennepfeffer; Caylus; Caymans; Cayuga; Cazalès; Cazalla de la Sierra; Cazembe

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Cayennepfeffer - Cazembe.

und zerfällt in die alte Stadt (mit dem Gouvernementshaus) und in die besser gebaute neue Stadt (mit einer schönen Kirche). Zwischen beiden liegt die mit Orangenbäumen bepflanzte Place d'Armes. Die 10,000 Einw., darunter mehrere Tausend ehemalige Negersklaven und 600 Asiaten, beschäftigen sich vorzugsweise mit Handel. Der Hafen ist zwar der beste dieser Küste, aber doch wenig sicher und nur tief genug, um Schiffe geringerer Last aufzunehmen, während die größern vor der Mündung des Cayenneflusses ankern. Das Klima ist feucht und sehr verrufen, obschon weniger ungesund als im Innern des Landes. Die Stadt ist der Sitz der Regierung der Kolonie und der obersten Justizbehörde, auch der Mittelpunkt für den ganzen auswärtigen Handel. Die Franzosen nahmen zuerst 1604 Besitz von der Insel C., verließen sie aber 1654 wieder, worauf die Engländer sie besetzten, bis diese 1664 von den Indianern vertrieben wurden. Im J. 1676 nahmen die Holländer C. ein, schon im nächsten Jahr wieder die Franzosen, in deren Besitz es seitdem verblieben ist. Seit 1852 dient C. als Deportationsort für Sträflinare (s. Guayana).

Cayennepfeffer (Guineapfeffer), starkes, beißendes Gewürz, besteht aus dem Pulver eines aus getrockneten Schoten von Capsicum annuum und andern ostindischen Arten mit Weizenmehl bereiteten Gebäcks, ist scharlachrot (nicht selten künstlich gefärbt) und dient namentlich in England zur Bereitung der Mixed pickles. Auch die getrockneten Beeren von Capsicum fastigiatum, frutescens und baccatum kommen als C. in den Handel.

Caylus (spr. kälühs), Anne Claude Philippe de Tubières, Graf von, franz. Archäolog, geb. 31. Okt. 1692 zu Paris, diente im spanischen Erbfolgekrieg, widmete sich aber nach dem Rastatter Frieden den Wissenschaften, vorzüglich der Archäologie. Er bereiste zu diesem Zweck Italien, Griechenland und die kleinasiatische Küste und lebte, nachdem er auf Wunsch seiner Mutter 1717 mit reichen Sammlungen zurückgekehrt war, in Paris ganz den Künsten und dem Studium der Altertumswissenschaft. Im J. 1731 wurde er in die Akademie der Malerei und Skulptur und 1742 in die der Inschriften und schönen Wissenschaften aufgenommen; in beiden Klassen stiftete er einen Preis. Er starb 5. Sept. 1765 in Paris. In seinen Schriften trifft C. freilich nicht immer das Richtige, und das eigentliche Wesen der antiken Welt hat er nicht verstanden, wie dies Lessing im "Laokoon" und sonst gezeigt hat. Sein Hauptwerk ist: "Recueil d'antiquités égyptiennes, étrusques, grecques, romaines et gaules" (Par. 1752-67, 7 Bde.; deutsch von Panzer, Nürnb. 1766; unvollendet), wozu er die Platten selbst ätzte. Außerdem schrieb er: "Sur la peinture à l'encaustique et sur la peinture à la cire" (Par. 1755); "Recueil des pierres gravées du cabinet du roi", mit 306 selbstgestochenen Platten; "Numismata aurea imperatorum romanorum". Seine Abhandlungen in den Memoiren der Akademie der Inschriften erschienen deutsch von Meusel (Altenb. 1785, 2 Bde.). Seine belletristischen Schriften, darunter die "Contes orientaux" (deutsch, Leipz. 1781), sind in den "OEuvres badines" (hrsg. von Garnier, Par. 1788, 12 Bde.) enthalten. Eine Auswahl kleinerer Stücke gab Uzanne heraus ("Facéties du comte de C.", 1879). Vgl. "Mémoires et réflexions du comte de C." (Par. 1874); "Correspondance inédite du comte de C. avec le P. Paciaudi, théatin, 1757-65" (hrsg. von Nisard, das. 1877, 2 Bde.). - Seine Mutter Marthe Marguerite de Villette, Marquise de C., geb. 1673, gest. 15. April 1729, war eine Zierde des Hofs Ludwigs XIV. und ist Verfasserin des interessanten Buches "Mes souvenirs" (hrsg. von Voltaire, Par. 1770; neue Ausg. von Raunié, 1881).

Caymans, drei Koralleninseln nordwestlich von Jamaica, 584 qkm groß, von denen nur eine, Großcayman, bewohnt ist. Sie hat ein gesundes Klima, üppige Vegetation, viele Schildkröten und 2400 Einw., welche etwas Feldbau und Fischerei treiben und gute Lotsen sind.

Cayuga, Indianerstamm, s. Irokesen.

Cazalès (spr. -saläs), Jacques Antoine Marie de, franz. Politiker in der Revolutionszeit, geb. 1. Febr. 1752 zu Grenade an der Garonne, diente als Dragonerhauptmann, kam 1789 als Deputierter des Adels in die Konstituierende Versammlung, schwang sich durch Beredsamkeit bald an die Spitze des Adels, stimmte für gleiche Verteilung der Abgaben und schlug vor, der Adel solle auf seine Privilegien freiwillig verzichten. Dagegen bekämpfte er die Vereinigung der Stände und verließ die Versammlung, als sein Eifer erfolglos blieb, wurde aber zu Caussade festgenommen und mußte in die Versammlung zurückkehren. Fortan trat er, mit bedeutenden Rednergaben ausgestattet, für die Erhaltung der königlichen Macht ein und duellierte sich sogar deshalb mit dem Demokraten Barnave. Nach der verunglückten Flucht des Königs 1791 ging er nach Koblenz, von wo er aber ausgewiesen wurde, da er den Emigranten noch viel zu liberal war, und nach dem Feldzug von 1792 nach England. Als der Prozeß Ludwigs XVI. begann, bat er umsonst um die Erlaubnis, den König verteidigen zu dürfen. 1803 nach Frankreich zurückgekehrt, schlug er alle Anerbietungen Napoleons aus und starb in ziemlich dürftigen Verhältnissen 24. Nov. 1805 in Engalin (Gers). Seine "Discours et opinions" erschienen 1821.

Cazalla de la Sierra, Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, am Südabhang der Sierra Morena, mit Bergbau, Oliven- und Weinbau und (1878) 8322 Einw.

Cazembe, Vasall des Negerfürsten Muata Jamvo im Binnenland von Südafrika, dessen Reich den östlichsten Zipfel des Lundareichs bildet und nördlich vom Bangweolosee zwischen dem Moerosee und den Flüssen Luapula und Kalongosi liegt. Es ist ein zum Teil unfruchtbares und dünn bevölkertes Land. Die Bevölkerung, aus eingebornen Messira und von W. her eingedrungene Campocolo bestehend, ist sehr industriös, verfertigt aus Holz Gefäße und Kanoes, webt aus Bast und Baumwolle grobe Tücher, fabriziert Thon- und Eisenwaren, baut Maniok, Mais, Sorghum etc. und treibt bedeutenden Handel mit Sklaven, Elfenbein, grünen Steinen (vermutlich grünen Kupfererzen) und Kupfer nach den portugiesischen Besitzungen am obern Sambesi. Der jedesmalige C. residiert unfern des Moerosees in einer ausgedehnten Stadt aus niedrigen Hütten, deren Lage bei jedem Regierungswechsel sich ändert. Zuerst besuchte der Portugiese Lacerda (dessen Reisebericht von Burton, Lond. 1873, neu herausgegeben wurde) 1799 das Land; eine nähere Schilderung gab die portugiesische, vom Sambesi 1831 ausgehende Expedition unter Monteiro und Gamitto ("O' Muata C.", Lissab. 1854: deutsch in der "Zeitschrift für allgemeine Erdkunde", Bd. 6); endlich wurde es 1867 von Livingstone besucht, der zuerst seine Geographie aufklärte. Vgl. Waller, Letzte Reise von D. Livingstone, Bd. 1 (deutsch, Hamb. 1875).

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]