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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cédille - Cédule.

Cédille (franz., spr. ssedihj), das Häkchen, welches unter c, wenn es vor a, o, u wie ß lauten soll, gehängt wird, z. B. ça, leçon, reçu.

Cedrat, s. Zitronat.

Cedratbaum, s. Citrus.

Cedratöl, s. Zitronenöl.

Cedrela L. (Cedrobaum), Gattung aus der Familie der Meliaceen, große Bäume mit immergrünen, paarig gefiederten Blättern, in Trauben stehenden Blüten und mehrsamiger, holziger Kapsel. Etwa zwölf im tropischen Asien, Amerika und Australien heimische Arten. Von C. febrifuga Blume, einem hohen Baum, dessen Stamm 4-5 m im Umfang hat, auf Java und andern ostindischen Inseln, wird die Rinde der jüngern Äste (China von Ostindien oder China von Giava, Surenrinde, Cedrelarinde) gegen Fieber, Diarrhöen etc. angewendet. C. odorata L., in Westindien und dem heißen Amerika, wird oft 25 m hoch, das Laub hat, besonders während der heißen Jahreszeit, einen sehr unangenehmen Geruch. Auch die frische Rinde riecht widrig und wird, wie das Holz, das eine rötliche Farbe besitzt und später wohlriechend wird, gegen Wechselfieber angewendet; auch dient es zu Indianerkähnen, Möbeln und besonders zu Zigarrenkisten; es ist leicht, weich, sehr vollkommen spaltbar, glänzend und kommt als Cedrelaholz, Zigarrenkisten-, Zuckerkistenholz, spanisches Zedernholz, Acajou femelle in den Handel. C. Toana Roxb., in Ostindien, liefert ein geschätztes, mahagoniartiges, aber leichteres Holz, welches wahrscheinlich als Chittagongholz in den Handel kommt und, wie auch das Holz von C. montana Karst., ebenfalls zu Zigarrenkisten benutzt wird. Rinde, Blätter und Früchte aller Arten hauchen einen starken knoblauchartigen Geruch aus, der sich auch dem Fleisch der Tiere, welche davon fressen, mitteilt.

Cedrelaceen, dikotyle Pflanzengruppe aus der Ordnung der Hesperiden, eine Unterfamilie der Meliaceen (s. d.) bildend. Zu ihnen gehört der in Südamerika einheimische Mahagonibaum (Swietenia Mahagoni), der das Mahagoniholz liefert.

Cedrium, nach Plinius Zedernharz, nach andern Holzessig, dessen sich die Ägypter zum Einbalsamieren bedient zu haben scheinen.

Cedrobalsam, farbloser, klarer, dünnflüssiger Terpentin aus der Zirbelkiefer oder Arve.

Cedrobaum, s. Cedrela.

Cedronsamen, die Samen von Simaba Cedron Planch., einem Baum aus der Familie der Simarubeen in Neugranada, sind 2-3 mm lang, 15-17 mm breit, bräunlich, leicht gerunzelt oder glatt, sehr hart, geruchlos und schmecken sehr bitter. Sie kommen meist gespalten vor und sind gegen Fieber empfohlen worden. Die Südamerikaner benutzen sie gegen Schlangenbiß; in größerer Menge genossen, sind sie giftig.

Cedroöl, s. v. w. Zitronenöl.

Cedrus Lk. (Zeder), Gattung aus der Familie der Abietineen, große, schöne Bäume, deren Hauptäste mehr oder weniger deutliche Quirle bilden, und deren Nebenäste in zwei Reihen stehen. Die Bätter ^[richtig: Blätter] sind nadelförmig und stehen wie bei der Lärche in größerer Anzahl am Ende eines ganz verkürzten und nicht zur Entwickelung gekommenen Zweigs, fallen aber nicht wie die der Lärche im Herbst ab. Die männlichen Blüten stehen einzeln am Ende kurzer Äste, die weiblichen ebenfalls einzeln am Ende eines kurzen Stiels und wachsen zu einem ziemlich großen, eirunden oder breit länglichen, im zweiten oder dritten Jahre reifenden Zapfen aus. Die Früchte sind mit einem oben breitern Flügel versehen. C. Deodara Roxb. (Himalajazeder), ein pyramidenförmiger Baum mit meist überhängender Spitze, mehr oder weniger wagerecht stehenden Ästen, deren Spitze gleichfalls überhängt, sehr ungleich langen, graugrünen Nadeln und verhältnismäßig sehr großen Zapfen, wächst nur auf dem Himalaja in 1500-3900 m Höhe, wird von den Hindu heilig gehalten (Devadara, s. v. w. Gottesbaum) und findet sich daher häufig in der Nähe der Tempel und Wohnungen angepflanzt. Das harzige, dauerhafte Holz wird seit den ältesten Zeiten zu Grund- und Wasserbauten benutzt. Seit 1822 in England eingeführt, findet sich der Baum häufig in Parken und gedeiht in England, im Westen und Süden Frankreichs und am Rhein vortrefflich. Durch die Kultur sind mehrere Varietäten entstanden. C. patula Salisb. (Larix Cedar Mill., Pinus C. L., Libanonzeder), ein prachtvoller Baum mit 40 m hohem Stamm, graubrauner Rinde, zuerst pyramidaler, später schirmförmiger Krone, oft bis an die Basis des Stammes herabgehenden, weitgreifenden Ästen, graugrünen, stark abstehenden, 15-35 mm langen Nadeln und eilänglichen, 8-10 cm langen Zapfen, bildet im kilikischen Taurus zwischen 1300 und 1828 m Meereshöhe große Wälder, ebenso im Antitaurus und findet sich auch auf dem Libanon und in Afrika auf dem Atlas. Man unterscheidet eine kleinfruchtige, ziemlich schnell wachsende Ärt mit stets pyramidenförmigem Gipfel und blaugrünen Nadeln, welche sich auf dem Atlas (daher C. atlantica Manetti) untermischt mit der großfruchtigen, langsam wachsenden, etwas gedrungenen Hauptart findet, die eine schirmförmige Krone bildet und nur auf dem Libanon wächst. Die Libanonzeder gedeiht noch in Frankreich und vorzüglich in England; am Rhein widerstehen große Exemplare den härtesten Wintern, aber in Norddeutschland verlangt sie einen geschützten Standort und im Winter Bedeckung. Der Same keimt leicht, aber die jungen Pflanzen lassen sich schwer versetzen. Die Bäume wachsen in der Jugend schnell und erreichen ein sehr hohes Alter. Im Orient ist die Libanonzeder gegenwärtig fast ausgerottet, der heilige Salomonshain des Libanon nahe bei Ehden besteht noch aus ca. 400 Stämmen und besitzt 13 Stämme von etwa 11 m Umfang, deren Alter man auf mehrere Jahrtausende schätzt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß C. patula keineswegs der berühmte Baum des Altertums ist, denn das Holz ist leicht, hell und weich und besitzt nicht die Dauerhaftigkeit, welche dem Zedernholz zugeschrieben wurde (vgl. Zeder). Letzteres gebrauchte man seines guten Geruchs wegen auch zum Räuchern. Kostbare Dinge, besonders Bücher, bewahrte man in Kästchen von Zedernholz oder bestrich sie mit Zedernöl, um sie vor Wurmfraß zu sichern; daher die Redensart: Cedro digna opera. Die Holzspäne dienten zum Einbalsamieren der Leichname. In den Apotheken führte man das Zedernholz unter dem Namen Lignum Cedri s. Lignum cedrinum; jetzt versteht man unter dieser Benennung das Holz mehrerer Wacholderarten. Das Harz (Cedria, Resina Cedri), welches entweder von selbst oder nach gemachten Einschnitten aus der Rinde der Zeder ausfließt, ist durchsichtig, gelb, zerreiblich, wohlriechend und diente früher als Heilmittel sowie zum Einbalsamieren der Leichname; auch bereitete man ein Öl aus dem Holze (Zedernöl, Cedrium, Oleum Cedri). Bisweilen schwitzen die Blätter einen mannaartigen, süßen Stoff, das Zedernmanna (Manna cedrina), aus.

Cédule (franz., spr. ssedühl), Zettel, Handschrift, insbesondere s. v. w. Lagerscheine (s. d.).

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]