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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Centaurea - Centime.

verwaltung stand als unmittelbarer Beamter oder als Stellvertreter des Königs im Gau der Gaugraf (comes). Er bildete die höchste Militärobrigkeit, führte aber auch den Vorsitz im Gericht und war Exekutivbeamter für die Rechtssachen im Gau. Jede C. hatte einen Centgrafen (centenarius, in Sachsen advocatus [Vogt], auch vicarius genannt). Diese aus der Gaueinteilung hervorgegangene Gerichtsverfassung erhielt sich, wie die Gauverfassung selbst, während der ganzen karolingischen Zeit. Bald danach jedoch wurde sie erschüttert, als zunächst die Bischöfe für ihre bischöflichen Sitze und andre ihrer Kirche gehörige Güter und nach und nach auch weltliche Fürsten ihre Besitzungen durch erlangte Immunität und Exemtion der Gerichtsbarkeit der Gaugrafen zu entziehen wußten, und mit der Entwickelung und völligen Ausbildung der Landeshoheit im 12. und 13. Jahrh. ward ihr gänzlicher Verfall herbeigeführt. Der Ausdruck C. wurde jedoch als gleichbedeutend mit Gerichtsbarkeit überhaupt beibehalten, und namentlich bezeichnete man mit hoher C. (centena sublimis) den Blutbann, die eigentliche Kriminalgerichtsbarkeit. Auch legte man dem Ausdruck Centgericht oft noch eine engere Bedeutung bei und nannte diejenigen gutsherrlichen Gerichte so, welche den landesherrlichen Kriminalgerichten gegenüber die volle Kriminalgerichtsbarkeit auszuüben hatten. Daher Centherr, der Besitzer eines Guts, mit welchem die Kriminaljurisdiktion verbunden war; centbar (auf Personen und Sachen bezogen), s. v. w. einem bestimmten Kriminalgericht untergeben oder unterworfen, daher centbare Leute, centbare Grundstücke (Gegensatz: centfrei); Centdienste, Dienstleistungen, welche die centbaren Unterthanen für das Centgericht zu verrichten hatten, z. B. Wachen u. dgl.; Centgetreide, eine Abgabe an Getreide, z. B. Hafer, Korn etc., welche die Centuntergebenen an den Centherrn oder Centrichter (Centgrafen, Centner [s. oben], welcher die Centgerichtsbarkeit zu verwalten hatte) hier und da entrichten mußten; Centschöppen, die Beisitzer eines Centgerichts; Centfall, s. v. w. Kriminalfall, Kriminalvergehen, Verbrechen; Centkosten, s. v. w. Kriminalkosten, der Aufwand, welchen die Verwaltung der Centgerichtsbarkeit erforderte; Centpflicht, Centfolge, die Verbindlichkeit, der zufolge man sich vor einem bestimmten Gericht zu stellen hatte; auch heißt Centpflicht die Huldigung, welche die centbaren Unterthanen dem Centherrn zu leisten hatten. Gegenwärtig haben diese Verhältnisse nur noch historische Bedeutung, da die gutsherrliche Gerichtsbarkeit überall an den Staat übergegangen ist.

Centaurea L. (Flockenblume), artenreiche Gattung aus der Familie der Kompositen, ausdauernde, sehr selten einjährige Kräuter mit grundständigen oder abwechselnden, einfachen bis dreifach fiederschnittigen, nichtstachligen Blättern, einzeln endständigen oder Doldenrispen bildenden Blütenköpfen und verkehrt-eiförmigen, zusammengedrückten Achänen. Etwa 400 meist der östlichen Erdhälfte angehörende Arten. C. cyanus L. (Kornflockenblume, Kornblume, Tremse, Cyane), Sommergewächs aus Sizilien und wahrscheinlich mit dem Getreide schon zur Pfahlbauzeit verbreitet, findet sich besonders in Kornfeldern, variiert mit weißen, blaßblauen, rosenroten, braunen, purpurroten und bunten Blüten und wird daher auch als beliebte Zierpflanze in den Gärten kultiviert. Die Randblüten wurden früher als Heilmittel benutzt, jetzt dienen sie höchstens noch als Zusatz zu Räucherpulvern, um diesen ein bunteres Ansehen zu geben. C. montana L. (Bergflockenblume), mit größern, schönen himmelblauen, in der Mitte purpurrötlichen, endständigen Blüten, auf Kalkbergen und Gebirgswiesen, wird ebenfalls als Zierpflanze kultiviert. Eine schöne Zierpflanze ist auch C. atropurpurea Waldst. et Kit., 2 m hoch und darüber, mit zahlreichen Varietäten, zu Gruppierungen in Strauchpflanzungen. C. Calcitrapa L. (Calcitrapa Hippophaestum Gärtn.), mit blaß purpurroten oder weißen Blüten und bitter schmeckenden Blättern, die mit den Blüten zuweilen als Fiebermittel gebraucht werden, findet sich fast überall in Deutschland. C. moschata L. (Bisamflockenblume, Moschusblume), mit großen und schönen weißen oder lilaroten Blüten mit schwachem Bisamgeruch, stammt aus dem Orient und Griechenland. C. Behen L. (Rhaponticum Behen Kostel., Behenflockenblume, Rübendistel) wächst ausdauernd am Euphrat. Die Wurzel war die echte, früher gebräuchliche weiße Behenwurzel (Widerstoßwurzel, Gliedweichwurzel). Dieselbe schmeckt bitter, etwas scharf und wird noch jetzt im Orient gegen Gift, als Erregungsmittel, und um das Gedächtnis zu stärken, angewendet. Als sehr beliebte Zierpflanze, namentlich als Einzelpflanze auf Rasen, wird C. candidissima hort., aus Dalmatien, mit fein zerschlitztem, blendend weißem Laub, vielfach kultiviert.

Centaurea benedicta L., s. Cnicus.

Centauren, s. Kentauren.

Centavo (Centesimo), Rechnungsmünze in mehreren amerikan. Staaten, = 0,01 Peso oder Piaster, hier und da auch in Kupfer oder Bronze geprägt.

Centenarium (lat.), Fest des 100jährigen Bestehens, Säkular-, Jubelfest.

Centenarius (lat.), s. v. w. Centgraf (s. Cent); auch ein Hundertjähriger.

Centesimal ("hundertteilig"), s. Zentesimal.

Centesimo, s. Cent und Centavo.

Centfall, s. Cent.

Centfrei, s. Cent.

Cent-gardes (spr. ssang-gard, Hundertgarden), Name der Leibwache französischer Herrscher, wurden von Ludwig XI. 1474 in Stärke von 100 Mann aus Edelleuten errichtet und führten nach ihrer Waffe, einer Art Hellebarde, lange den Beinamen "au bec de corbin" (Rabenschnäbel), bis sie von Ludwig XV. 1727 aufgehoben wurden. Von Napoleon III. 1854 wieder errichtet, wurden sie 1856 und 1857 auf 200 Mann vermehrt, gingen aber mit dem Sturz des Kaiserreichs wieder ein. Sie trugen himmelblauen Koller, Küraß, Stahlhelm mit wallendem Roßschweif, Pallasch und Karabiner. Jeder Mann der C. mußte zwei Archers (s. d.) halten, aus welchen Ludwig XI. später die "petite garde du roi" bildete, aus der dann die "gardes du corps" hervorgingen.

Centgetreide, s. Cent.

Centgraf, s. Cent.

Centherr, s. Cent.

Centifolie, s. Rose.

Centiloquium (lat.), eine Sammlung von 100 Sentenzen, Meinungen, Aussprüchen. Am bekanntesten sind: das C. des Hermes mit 100 Aphorismen oder astrologischen Sätzen in lateinischer Sprache, nach einigen von mehreren gelehrten Arabern niedergeschrieben, von andern dem fabelhaften Hermes Trismegistos beigelegt; das C. des Ptolemäos, ein astrologisches Werkchen, welches ebenfalls aus aphoristisch hingeworfenen Sentenzen besteht.

Centimanen, s. Hekatoncheiren.

Centime (franz., spr. ssangtihm), kupferne Scheidemünze in Frankreich, s. Cent.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]