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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cerrito - Certifikat.

ter zum Gesandten am Hofe von Parma, von wo er als Direktor der Studien nach Bologna ging. Der Einmarsch der Österreicher und Russen in Italien 1799 nötigte ihn zur Flucht; erst nachdem Napoleon I. die französische Herrschaft in Italien befestigt hatte, kehrte er zurück. Im J. 1804 übernahm er die Professur der Beredsamkeit zu Pavia, wo er 5. März 1808 starb. Seine "Poesie e prose scelte" gaben Pedroni (Mail. 1812, 2 Bde.) und Rosini (Pisa 1813) heraus. Außerdem erschienen "Poesie scelte" allein (Mail. 1822) und zwei Briefsammlungen (das. 1830 u. 1836). Seine Gedichte zeichnen sich durch Wahrheit, Einfachheit und Anmut aus; unter seinen Prosaschriften sind die "Instituzioni di eloquenza" (Mail. 1811) hervorzuheben.

Cerrito (spr. tscherr-), Fanny, ital. Tänzerin, geb. 11. März 1821 zu Neapel, debütierte 1835 auf dem Carlotheater, trat in den nächsten Jahren auf allen größern Bühnen Italiens mit immer steigendem Beifall auf und begab sich dann nach Wien, wo sie auf zwei Jahre ein Engagement am Kärntnerthor-Theater einging. Von 1840 bis 1845 erschien sie in jeder Saison zu London, wo sie zugleich mit Fanny Elßler, der Taglioni und Grisi tanzte. Unübertroffen zeigte sie sich namentlich in der Darstellung des Naiven, des Neckischen und Lieblichen. Seit 1845 trat sie abwechselnd in Deutschland, Italien, London und Paris auf. Verheiratet ist sie mit dem Violinspieler Saint-Léon (s. d.), trennte sich aber 1850 zu Paris von ihm und zog sich darauf von der Bühne zurück.

Cerro (span.), Hügel, Berg, daher oft mit Namen von Bergen, Pässen etc. verbunden.

Cerro Alzul (spr. sserro asul), Hafenort in Peru, s. Canete.

Cerro Blanco, s. Cayambe.

Cerro de Pasco (spr. sserro), Hauptstadt des Departements Junin in der Republik Peru und wichtiger Bergwerksort, liegt 4352 m ü. M. am nördlichen Ende der Hochebene von Bombon, 320 km nordöstlich von Lima, hat ein unfreundliches, kaltes Klima, ist schlecht gebaut, ohne ein einziges öffentliches Gebäude von Bedeutung, aber weltberühmt durch seine Silberminen, welche 1630 durch einen Indianer entdeckt wurden und denen von Guanajuato in Mexiko und von Potosi an Ergiebigkeit nicht nachstehen. Die Einwohnerzahl wechselt je nach dem Eifer, mit dem der Bergbau betrieben wird, und war 1876: 6418, während der Jahresertrag der Gruben seit Anfang des Jahrhunderts zwischen 56,719 und 387,918 Mark (zu 230 g) geschwankt hat und sich im Durchschnitt der Jahre 1874-77 auf 173,117 Mark belief. Die Stadt ist Sitz eines Berg- und eines Handelsgerichts; die Münze ist seit 1845 geschlossen. Die Bevölkerung, welche ganz vom Ertrag des Bergbaues lebt, besteht aus einem Gemisch von allerlei Rassen und Nationalitäten, in welchem die Indianer und Mestizen die Mehrzahl bilden, aber auch viele Europäer sich finden, die als Kaufleute, Techniker etc. hier ihren Erwerb suchen. Die Umgebung ist öde und unfruchtbar und das Leben in C. selbst ein äußerst wüstes, teuer und freudenlos.

Cerro Gordo, ein Bergpaß in Mexiko, auf der Straße von Veracruz nach der Hauptstadt, ist durch die Niederlage bekannt, welche der auf den umliegenden Höhen verschanzte mexikanische General Santa Anna durch den nordamerikanischen General Scott 18. April 1847 erlitt.

Cerro Largo (spr. sserro), Departement des südamerikan. Staats Uruguay, grenzt an Brasilien, von welchem der Lagoa mirim und der Rio Jaguarao es trennen, ist wellenförmig, gut bewässert und bewaldet und 22,234 qkm (404 QM.) groß. Die (1881) 36,000 Einw. treiben fast ausschließlich Viehzucht. Die Hauptstadt C. (oder Villa de Melo), am Tacuari, wurde 1796 gegründet und hat 5000 Einw.

Certaldo (spr. tscher-), Flecken in der ital. Provinz Florenz, Kreis San Miniato, an der Eisenbahn von Florenz nach Siena, mit einem alten Schloß, dem gut erhaltenen Wohn- und Sterbehaus des hier gebornen Dichters Boccaccio und (1881) 2546 Einw.

Certamen (lat.), Wettstreit, Wettkampf; in Schulen eine Arbeit, nach deren Ausfall versetzt wird. Schon die Alten kannten diese Schuleinrichtung.

Certepartie, s. Chartepartie.

Certhia, Baumläufer; Certhiidae (Baumläufer), Familie der Sperlingsvögel (s. d.).

Certieren (lat.), wetteifern, streiten. Im Schulleben bezeichnet man mit diesem Worte die Einrichtung, daß die Schüler nach dem Ausfall einer mündlichen Prüfung oder einer schriftlichen Arbeit die Rangordnung wechseln. Mit Recht hat man neuerlich auf die Gefahren des übertriebenen Certierens sowohl für den Körper (Nervensystem) als auch für den Verstand und das Gemüt der Schüler hingewiesen. Vgl. den Erlaß des preußischen Ministers v. Goßler vom 31. März 1882, betreffend Lehrpläne der höhern Unterrichtsanstalten.

Certifikat (lat.), im allgemeinen jeder Schein, jede als Beweis dienende schriftliche Versicherung. Bei Wertpapieren werden nicht selten Certifikate ausgegeben, welche die Originalobligation für den Umlauf zu ersetzen bestimmt sind. Mehrere Staaten nämlich, die das Rentensystem befolgen, wie England, Frankreich, Rußland, Spanien und Italien, geben nicht immer eigentliche Obligationen über die von ihnen abgeschlossenen Anleihen aus, sondern die Namen der Gläubiger und die Summen ihrer Forderungen werden in das große Staatsschuldenbuch eingetragen, und hierüber wird eine Bescheinigung ausgehändigt. Die Forderung ist nun ganz oder zum Teil übertragbar, und es werden bei solchen Übertragungen unter Zu- und Abschreibung im Schuldbuch neue Certifikate ausgestellt. Damit aber diesen Inskriptionen auch im Ausland Umsatz verschafft werde, wird ein gewisser Teil der Staatsschuld auf den Namen eines Bankierhauses übertragen und dieses autorisiert, Certifikate, d. h. Obligationen für den Belauf der ihm zugeschriebenen Summe in der betreffenden Landeswährung mit Zinskoupons, auszugeben. So vertreten diese auf den Inhaber (au porteur) ausgestellten Certifikate im Ausland die Originaleffekten und werden an den Börsen gleich wie andre Staatspapiere verkauft. Im Aktienwesen bedeutet C. eine Interimsaktie (vgl. Aktie, S. 262 f.). Auch nennt man so den Schein, gegen welchen bei einer neuen Emission von Aktien solche ausgehändigt werden. Oft wird den Inhabern von Stammaktien ein Vorrecht auf Erlangung neuer Aktien eingeräumt. Sie erhalten bei Vorzeigung ihrer Aktien ein auf den Inhaber lautendes C., welches die Zahl der Aktien angibt, zu deren Empfang der Inhaber berechtigt ist. Um zu vermeiden, daß unter wiederholter Vorlegung derselben Stammaktien zu viele Certifikate ausgefertigt werden, werden die Stammaktien bei der Vorlegung abgestempelt. Beim Zollwesen sind Ursprungscertifikate amtliche Bescheinigungen, durch welche die Herkunft einer Ware, bez. das Land ihrer Erzeugung nachgewiesen wird. In denselben sind wohl auch Namen und Wohnort der Produzenten, Menge und Stückzahl der Ware etc. sowie die Art angegeben, wie

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]