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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chalkographie - Challemel-Lacour.

Sparta, um den vertriebenen Isagoras nach Athen zurückzuführen, erlag aber der Macht Athens, welches den Landbesitz von C. unter 4000 athenische Ansiedler verteilte. Im J. 445 empörte sich die Stadt gegen Athen, wurde jedoch alsbald nebst der ganzen Insel von Perikles wieder unterworfen. Nach Athens Demütigung im Peloponnesischen Krieg ward C. auf kurze Zeit wieder frei. Der strategisch hochst wichtig gelegenen Stadt (sie galt neben Demetrias und Korinth als einer der drei "Schlüssel von Hellas") bemächtigten sich dann nacheinander wieder Athen, Makedonien, Antiochos von Syrien, Mithridates, endlich die Römer. Kaiser Justinian verstärkte ihre Befestigungen und gab der Stadt damit eine durchs ganze Mittelalter dauernde Wichtigkeit. - Das jetzige C. (im Mittelalter Euripos, griech. Egripo, ital. Negroponte), das zur Türkenzeit Mittelpunkt eines Verwaltungsbezirks mit wichtiger Flottenstation und bis vor kurzem dem Aussehen nach eine echt türkische Stadt war, ist von mächtigen grauen, krenelierten Mauern mit Türmen umgeben, überragt von Moscheen und Minarets nebst Cypressen und Palmen, im Innern von schmutzigen, engen Gassen durchzogen, mit hohen, unregelmäßig gebauten Häusern, an denen Erker vorspringen. Sie hat fast keine Reste aus dem Altertum, zwei Citadellen und zwei Häfen, ein Gymnasium, eine niedere theologische Schule, ist Hauptstadt des Nomos Euböa, Sitz eines Erzbischofs, hat Garnmanufaktur und zählt (1879) 6877 Einw. (darunter eine Anzahl Mohammedaner und Inden). Im Euripos steht ein alter, dicker Turm der Venezianer mitten im Wasser, von wo eine steinerne, in ihrer ersten Anlage uralte Brücke zum Festland und eine Drehbrücke zum Thor der Stadt führen.

Chalkographie (griech.), s. v. w. Kupferstecherkunst; auch ein Erzeugnis derselben.

Chalkondylas (Chalkokondylas), 1) Laonikos (Nikolaus), byzantin. Historiograph, geboren zu Athen, lebte um 1470 in Italien. Er schrieb eine Geschichte der Türken und des Untergangs der griechischen Herrschaft (1297-1462) in 10 Büchern. In das Lateinische übersetzt ward das Werk von Konrad Clauserus (Basel 1560); griechisch, mit Clausers lateinischem Text, erschien es Genf 1650. Dann ward es herausgegeben von Fabroti (Vened. 1729), griechisch und lateinisch von Bekker im "Corpus scriptorum historiae Byzantinae" (Bonn 1843). C. verlebte seine letzten Jahre in Italien.

2) Demetrios, griech. Grammatiker, Bruder des vorigen, geboren um 1428 zu Athen, ging nach der Eroberung seiner Heimat als Lehrer der griechischen Sprache nach Italien, hielt sich in Perugia, Rom u. a. O. auf, bis er 1479 von Lorenzo Medici nach Florenz und 1492 von Ludwig Sforza nach Mailand berufen wurde, wo er, wegen seiner Gelehrsamkeit und seines sittlichen Charakters in hohem Ansehen stehend, 1511 starb. Seine Sprachlehre "Erotemata" (Mail. 1493, Par. 1525, Basel 1546) übertrifft des Chrysoloras Hilfsbuch an Vollständigkeit und das Gazas an Einfachheit. Berühmt sind auch die von ihm besorgten ersten Drucke des Homer (Flor. 1488, 2 Bde.), Isokrates (Mail. 1493) und Suidas (das. 1499), besonders in typographische Beziehung.

Chalkophyllit, s. Kupferglimmer.

Chalkopyrit, s. v. w. Kupferkies.

Chalkosin, s. Kupferglanz.

Chalkotrichit, s. Rotkupfererz.

Chalkotypie (griech.), ein Hochätzverfahren in Kupfer, erfunden um 1850 von H. Heims in Berlin, wurde daselbst sowie von A. Jourdain in Paris eine Zeitlang praktisch geübt. Den Zweck, gute, billigere und dauerhaftere Hochgravierungen, als sie durch den Holzschnitt geschaffen werden, mittels C. zu erzeugen, zum gleichzeitigen Druck mit Buchdrucklettern, erreichte man jedoch nicht.

Chalkoxylographie (griech.), eine von Siegländer in Wien erfundene und 1837 bekannt gemachte Methode, die Kupferstecher- mit der Holzschneidekunst dergestalt zu verbinden, daß die Aquatintamanier im Stahlstich treu und mit gleicher Feinheit und Vollendung wiedergegeben erscheint.

Chalkus (griech.), eine athen. Kupfermünze, = 1/8 Obol. So sicher die Existenz derartiger Stücke feststeht, so verfehlt sind die Versuche, vorhandene Kupfermünzen mit diesem Namen zu bezeichnen. In späterer Zeit finden wir inschriftlich eine kleine Kupfermünze der Insel Chios als Stück von 2 C. (Dichalkon) und kleine, in Syrien geprägte griechische Kupfermünzen als Chalkusstücke bezeichnet.

Challa (hebr., "Kuchen"), die Teighebe, die als erstes von jedem Teig abgenommen und dem Priester gegeben werden mußte (4. Mos. 15, 21). Heute wird die C. von religiösen jüdischen Frauen mit einem Segensspruch vom Teig abgenommen ("Challanehmen") und im Feuer verbrannt.

Challamel (spr. schallamell), Augustin, franz. Historiker, geb. 18. März 1818 zu Paris, besuchte das Collège Henri IV, trat in ein Handelshaus, wandte sich dann dem Studium der Rechte zu und wurde gegen 1840 Advokat. Später widmete er sich ganz der Litteratur und ward 1844 an der Bibliothek Ste.-Geneviève angestellt. Seine frühern Schriften sind kunstgeschichtlichen, die spätern rein historischen Inhalts. Wir nennen davon: "Histoire-Musée de la République française depuis l'assemblée des notables jusqu'à l'empire" (1841, 2 Bde.; 3. Aufl. 1858); "Saint-Vincent de Paul" (1841, 3. Aufl. 1856); "Les Français sous la Révolution" (1843, mit W. Tenint); "Isabelle Farnese" (1851, 2 Bde.); "Madame du Maine, ou les légitimes et légitimés" (1851 u. 1853); "Histoire populaire de la France, de la Révolution, de Napoléon, de Paris" (1851, 4 Abtlgn., illustriert von H. Bellangé); "Histoire anecdotique de la Fronde" (1860); "Histoire du Piémont et de la maison de Savoie" (1860); "Histoire populaire des papes" (2. Aufl. 1861); "La régence galante" (1861); "Le roman de la plage" (1863); "Mémoires du peuple français" (1865-73, 8 Bde.); "Histoire de la mode en France" (1874); "La France et les Français à travers les siècles" (1883, 2 Bde.); "Précis d'histoire de France" (1883).

Challans (spr. schallang), Stadt im franz. Departement Vendée, Arrondissement Sables d'Olonne, in Morästen, an der Eisenbahn Nantes-La Roche sur Yon, mit (1876) 1697 Einw., welche Fischerei, Gipsbrennerei und Töpferei treiben. Unfern, auf einem Heidestrich, ein über 4 m hoher Menhir. Hier Sieg der republikanischen Truppen über die insurgierten Vendéer unter Charette 12. April 1793.

Challemel-Lacour (spr. schallmell-lakuhr), Paul Armand, franz. Publizist und Politiker, geb. 19. Mai 1827 zu Avranches, wurde im Lycée St.-Louis und in der Normalschule gebildet, hielt in Paris und später zu Limoges Vorträge über Philosophie, ward aber nach dem 2. Dez. 1851 seiner freiheitlichen Ansichten wegen verhaftet und verbannt. Nach dreijähriger Abwesenheit zurückgekehrt, wirkte er als Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften (z. B. des "Temps"), wurde dann während des Kriegs 1870/71 von seinem Freund Gambetta zum Präfekten in Lyon er-^[folgende Seite]

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