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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Châlon sur Saône; Châlons sur Marne; Chalosse; Chalotais

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Châlons sur Marne - Chalotais.

von Leinwand und Seilerwaren, Färberei und Weinbau treiben. C. liegt im Zentrum des Kohlenbeckens der untern Loire, das sich über die Departements Niederloire und Maine-et-Loire erstreckt und jährlich gegen 1 Mill. metr. Ztr. Kohlen liefert. Die Stadt ist reich an Resten aus der gallorömischen Zeit; dabei auch Ruinen eines alten festen Schlosses.

Châlons sur Marne (spr. schalóng ssürr marn), Hauptstadt des franz. Departements Marne, an der Marne und dem Marne-Rheinkanal, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien nach Paris, Troyes, Straßburg, Bar le Duc, Reims u. a., in einer anmutigen Wiesenebene der Champagne, die zu beiden Seiten weite Kreideebenen umschließen, hat meist Holzhäuser, aber gerade und reinliche Straßen, schöne Kirchen mit vielen Spitztürmen (darunter die schöne Kathedrale St.-Etienne aus dem 13. Jahrh., mit einem romanischen und einem gotischen Turm, und die Kirche Notre Dame, 1158-1322 im Übergangsstil erbaut, mit schönen Glasgemälden, an sonstigen bemerkenswerten Bauwerken das Präfekturgebäude mit dem Archivpalais und das Stadthaus (von 1771) sowie (1881) 23,192 (einst 60,000) Einw. Erwerbsquellen sind vorzüglich Fabrikation von Champagnerwein (große Kellereien), Schuhwaren, Maschinen und Seilerwaren. C. ist Sitz eines Präfekten, eines Bischofs, des Generalkommandos des 6. Armeekorps, eines Handelsgerichts und hat eine Kunstgewerbeschule, ein Collège, ein großes Seminar, eine Lehrerbildungsanstalt und eine Bibliothek von 28,000 Bänden. Längs der Marne zieht sich der Jard hin, eine Promenade von 8 Hektar Flächenraum. - C. ist eine sehr alte Stadt; unter dem Namen Catalaunum oder Durocatalaunum war sie die Stadt der Katalaunen und eine der vornehmsten Städte von Gallia belgica. In ihrer Nähe besiegte Kaiser Aurelianus den Usurpator Tetricus 273 n. Chr., während die andre, berühmtere Schlacht aus den Katalaunischen Feldern (Campi Catalauni), in der das Heer Attilas 451 von den Westgoten unter Theoderich (der jedoch fiel) und den Römern unter Aetius überwunden ward, nicht bei C., sondern bei Troyes stattfand. 643 ward die Stadt vom Grafen Herbert von Vermandois, 931 von Rudolf von Burgund, 947 von Robert von Vermandois erobert und verwüstet. Sie stand nie unter den Grafen von Champagne, sondern unter dem Bischof von C. 1589 verlegte Heinrich IV. das Parlament von Paris nach C., und 15. Juni 1591 ward hier die gegen Heinrich IV. gerichtete Exkommunikationsbulle Gregors XIV. sowie 1592 die Bulle Clemens' VIII. öffentlich durch den Henker verbrannt. Am 4. Febr. 1814 eroberten die Preußen unter York die Vorstadt St.-Memmie gegen Macdonald und besetzten 5. Febr. nach dessen Abzug die Stadt selbst. In jüngster Zeit ward C. vorzugsweise genannt wegen des berühmten Lagers von C., welches von Napoleon III. 1856 zunächst als Übungslager für die französische Armee errichtet und 1857 zum erstenmal bezogen wurde. Es liegt 30 km im NO. der Stadt, im Winkel zwischen den Eisenbahnlinien nach Reims und Verdun, aus dem Territorium der beiden ca. 6 km voneinander entfernten Orte Grand-Mourmelon (mit dem kaiserlichen Hauptquartier) und Petit-Mourmelon und bedeckt einen Raum von 12,000 Hektar. Die Truppen lagern in Zelten und Baracken. Bei Ausbruch des Kriegs 1870/71 war das Lager das Standquartier des 6. Armeekorps unter Marschall Canrobert. Hierher zogen sich nach dem Abmarsch Canroberts nach Metz und den Siegen der Deutschen bei Weißenburg und Wörth die Trümmer der Armee Mac Mahons und des Korps de Faillys zurück, wo aus ihnen und dem neugebildeten 12. Korps Mac Mahon während der Schlachten bei Metz die "Armee von C." organisierte, mit der er 21. Aug. nach Reims aufbrach, um den unglücklichen Zug auszuführen, der mit der Kapitulation von Sedan endete. Die Kavallerie der deutschen Avantgarde, die 24. Aug. in C. eintraf, fand das Lager zerstört und größtenteils verbrannt. Jetzt wird das Lager von C. nur in beschränkterm Umfang als Übungslager benutzt. Vgl. Barbat, Histoire de la ville de C. (Châlons 1854 bis 1860); Barthélemy, Histoire de la ville de C. (das. 1854).

Châlon sur Saône (spr. schalóug ssürr ssohn), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Saône-et-Loire, am rechten Ufer der Saône, an der Mündung des Canal du Centre und an der Paris-Lyoner Eisenbahn, in fruchtbarer, aber wegen häufiger Überschwemmungen ungesunder Gegend, ist unregelmäßig und schlecht gebaut, hat aber schöne und belebte Kais, mehrere Kirchen (darunter die schöne St.-Vincentkirche von 1386 bis 1440, mit restauriertem Turm), ein Hospital (1528 gegründet) und einen modernen Justizpalast. Über den Fluß führt zur Vorstadt St.-Laurent eine große, schöne Steinbrücke (1418 bis 1508 erbaut) mit fünf Bogen. Die Zahl der Bewohner beträgt (1881) 21,156. Die Industrie umfaßt insbesondere Eisen- und Kupfergießerei, Maschinen- und Schiffbau, Fabrikation von Glas, Papier, Chemikalien etc. Durch den Canal du Centre, welcher das Gebiet des Rhône mit dem der Loire verbindet, durch die Dampfschiffahrt auf der Saône nach Lyon und verschiedene Eisenbahnlinien ist die Stadt Mittelpunkt eines wichtigen Binnenhandel geworden, welcher den Austausch der Produkte von Nord- und Südfrankreich vermittelt. Namentlich ist C. Stapelplatz für Weine, Spirituosen, Essig, Getreide, Mehl, Holz, Leder, Steinkohlen und Eisen. C. ist Sitz eines Handelsgerichts und hat ein Collège, eine Zeichenschule, eine Bibliothek von 22,000 Bänden, eine Gemälde- und Antiquitätensammlung und mehrere wissenschaftliche Gesellschaften. In der Nähe finden sich viele römische Altertümer vor. - Zur Zeit Cäsars hieß C. Cabillonum und war eine Stadt der Äduer, welche unter römischer Herrschaft zu großer Blüte gelangte. Der heil. Marcellus und der heil. Valerianus verbreiteten hier das Christentum und starben 179 den Märtyrertod. Im 4. Jahrh. wurde ein Bistum hier gegründet, welches zur Zeit der Revolution aufgehoben wurde. Später bemächtigten sich die Burgunder der Stadt; der König Guntram von Burgund hatte daselbst einen Palast. Im 6. Jahrh. wurde C. von Chramnus, dem aufrührerischen Sohn des fränkischen Königs Chlotar I., verwüstet und im 8. Jahrh. von den Sarazenen geplündert. 830 war Theoderich I. Graf von C. und Mâcon. Im 10. Jahrh. bildete es mit seinem Gebiet die burgundische Lehnsgrafschaft Châlonnais und behielt seine eignen Grafen, bis es 1267 durch Tausch gegen Senlis und andre Ländereien an Burgund kam. 1477 fiel C. an die französische Krone, 1562 wurde die Stadt von den Hugenotten genommen, 1563 die Citadelle erbaut; später verfiel die Festung. Vgl. J. ^[Jules] Chevrier, C. pittoresque et démoli (Par. 1883).

Chalosse (spr. schalóß), franz. Landschaft in der Gascogne, jetzt der südöstliche Teil des Departements Landes, ist sandig, gut bewässert und getreidereich. Hauptstadt war St.-Sever am Adour.

Chalotais (spr. schalötä), Louis René de Caradeuc de la, Generalprokurator beim Parlament von Bre-^[folgende Seite]

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