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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Champagny; Champaign; Champaigne

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Champagny - Champaigne.

vorzüglich dazu), in Koblenz, Mainz, Hochheim (der bekannteste und berühmteste deutsche Schaumwein, geht nur unter eigner Etikette, besonders viel nach England und Rußland, ist stärker und schwerer als echter Champagner), Frankfurt, Mannheim, Freiburg, Stuttgart, Eßlingen (einer der ältesten und besten deutschen Schaumweine), Würzburg, Frickenhausen in Unterfranken, Freiburg a. U., Naumburg, Dresden, Lößnitz, Hirschberg, Grünberg. Die deutsche Schaumweinfabrikation steht völlig auf gleicher Höhe mit der französischen, doch kommt ein sehr großer Teil der Produktion unter französischer Etikette auf den Markt. Dies ist um so weniger am Platz, als der gute deutsche Schaumwein den Vergleich mit dem französischen sehr wohl erträgt und letzterer in den meisten Fällen nur aus Kaprice oder Großthuerei vorgezogen wird. Anderseits begünstigt das Arbeiten unter falscher Etikette die Fabrikation einer schlechten Ware, welche in der That oft genug angetroffen wird. In Österreich werden sehr viele Schaumweine aus steirischen und niederösterreichischen Trauben dargestellt und finden unter Originaletiketten ansehnlichen Absatz in Frankreich, namentlich in Paris. Die Fabrikation des Champagners steht in notwendiger Beziehung zur Erfindung des Flaschenverschlusses mit Korken, welche dem Pater Kellermeister der Abtei von Hautvillers, Dom Pérignon, zugeschrieben wird und in die Zeit von 1670 bis 1715 fällt. Bis ins 18. Jahrh. hinein war auch der Gebrauch der Flaschen selten, und ein fester Verschluß derselben war unbekannt. Von Hautvillers scheint sich das Geheimnis der Fabrikation schnell verbreitet zu haben, und zu Anfang des 18. Jahrh. war der Champagner bereits in weitern Kreisen bekannt. In Deutschland wurde der erste Schaumwein von Häusler in Hirschberg dargestellt.

Die französische Champagnerproduktion betrug 1850: 6,706,780 Flaschen, 1881 aber 18,220,980 Flaschen. Frankreich konsumiert jährlich etwa 3, Großbritannien 2,5, Amerika 2,1, Rußland 1,7, Deutschland 1,5 Mill. Flaschen. Vgl. Maumené, Indications théoriques et pratiques sur le travail des vins mousseux (2. Aufl., Par. 1873); Tovey, Champagne, its history, manufacture, properties (Lond. 1870); Hamm, Weinbuch (2. Aufl., Leipz. 1874); Braun, C. (das. 1880).

Champagny (spr. schangpannji), 1) Jean Baptiste Nompère de, Herzog von Cadore, franz. Staatsmann, geb. 4. Aug. 1756 zu Roanne in Forez, im Collège La Flèche und der Militärschule von Paris gebildet, trat 1774 in die Marine, zeichnete sich im amerikanischen Krieg glänzend aus und wurde schon 1782 Linienschiffskapitän. 1789 von dem Adel von Forez zum Deputierten gewählt, schloß er sich als einer der ersten dem dritten Stand an und that sich in der Nationalversammlung bei den Beratungen über die Reformen durch seine Beredsamkeit und seine gemäßigt freisinnigen Grundsätze hervor. Während der Schreckensregierung zog er sich in das Privatleben zurück, ward aber dessenungeachtet bis zum 9. Thermidor ins Gefängnis geworfen. Nach dem 18. Brumaire ernannte ihn der Erste Konsul zum Staatsrat im Marinedepartement. Im Juli 1801 ging C. als Gesandter nach Wien, ward 1804 zum Minister des Innern, 1807 zum Minister des Auswärtigen ernannt. Als solcher wirkte er besonders zu dem berüchtigten Traktat von Fontainebleau mit, welcher die Abdankung König Karls IV. von Spanien und Ferdinands VII. und die französische Invasion in Spanien zur Folge hatte. Von Napoleon 1808 zum Herzog von Cadore (einem Flecken im Venezianischen, nordöstlich von Belluno) erhoben, hielt er sich 1809 in Deutschland, besonders bei König Jérôme in Kassel, auf. Die Verhandlungen über den Wiener Frieden 1809 und die Vermählung mit einer österreichischen Erzherzogin gingen durch seine Hand. 1811 verlor C. das Portefeuille des Auswärtigen, weil die Unterhandlungen mit Rußland nicht den gewünschten Erfolg hatten, erhielt aber bald die Intendantur der Krondomänen und ward Senator. Während des russischen Feldzugs fungierte er als Staatssekretär bei der Kaiserin Marie Luise, und 1814 beim Herannahen der Alliierten folgte er derselben nach Blois. Nach Napoleons I. Rückkehr von Elba zum Pair ernannt, trat er bei der zweiten Restauration in den Privatstand zurück, bis ihn eine Ordonnanz von 1819 wieder in die Pairskammer berief. Er starb 3. Juli 1834 in Paris. C. hinterließ vier Söhne, von denen der älteste, der Herzog von Cadore (gest. 1870), als Diplomat, die beiden jüngsten als Deputierte unter dem Kaiserreich eine politische Rolle spielten.

2) François Joseph Marie Thérèse Nompère de (gewöhnlich Graf Franz de C. genannt), franz. Publizist, zweiter Sohn des vorigen, geb. 10. Sept. 1804 zu Wien, war als Gesinnungsgenosse von Beugnot und Montalembert ein eifriger Mitarbeiter am "Ami de la religion" und am "Correspondant" und verfocht namentlich die Unterrichtsfreiheit vom klerikalen Standpunkt aus mit vielem Talent. Mehrere seiner Aufsätze erschienen auch separat, z. B.: "Un mot d'un catholique" (1844); "Du projet de loi sur la liberté d'enseignement" (1847); "De la propriétè" (1849); "Du Germanisme et du Christianisme" (1850); "La charité chrétienne dans les premiers siècles de l'Église" (1854); "De la critique contemporaine" (1864); "Le chemin de la vérité" (2. Aufl. 1874) u. a. Sein Hauptwerk ist die "Histoire des Césars" (1841-43, 4 Bde.; 2. Aufl. 1853), deren Fortsetzungen unter den Titeln: "Les Antonins" (1863, 3 Bde.; 2. Aufl. 1866) und "Les Césars du III. siècle" (1870 u. öfter, 3 Bde.) erschienen. Von seinen sonstigen Publikationen erwähnen wir: "L'homme à l'école de Bossuet" (1847, 2 Bde.), ein Auszug aus den Werken des berühmten Geistlichen, und eine französische Übertragung der Briefe und Reden von Donoso Cortès (1850). C. gehörte mit zu den Gründern der "Revue contemporaine" und wurde 1869 an Berryers Stelle zum Mitglied der französischen Akademie gewählt. Er starb 4. Mai 1882 in Paris.

Champaign (spr. schälnpahn), s. Urbana.

Champaigne (spr. schangpänj. Champagne), Philippe de, franz. Maler, geb. 26. Mai 1602 zu Brüssel, kam 1621 nach Paris, wo er unter Duchesne im Luxembourgpalast thätig war. Durch dessen Eifersucht vertrieben, begab er sich 1627 wieder nach Brüssel, wurde aber sogleich von der Königin Maria von Medicis zurückgerufen, die ihn an Stelle des eben verstorbenen Duchesne zu ihrem ersten Hofmaler ernannte. Er wurde später Mitglied der Akademie, dann Professor und endlich Rektor derselben. Als Le Brun Champaignes Ruhm verdunkelte, zog sich dieser nach Port Royal zurück, wo die Genesung seiner Tochter, einer Nonne, zu dem berühmten Gemälde Veranlassung gab, welches die Schwester Susanne mit der Mutter Agnes im Gebet vorstellt (1662, im Louvre). C. starb 12. Aug. 1674 in Paris. Es fehlte ihm an Erfindungskraft und Kompositionsgabe, seine Figuren verraten zu sehr das Modell. Genie besaß er nicht, dagegen alles, was ein tüchtiges Studium verleihen kann. Poussins Einfluß ist erkennbar, doch

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]