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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chapel - Chapmann.

à claque oder bloß claque), ein von Gibus in Paris erfundener Hut, der mittels eines Mechanismus sich flach zusammenklappen und ebenso wieder aufspannen läßt; c. rouge, roter Hut, Kardinalshut.

Chapel (engl., spr. tschäppel), Kapelle; in England jede Kirche, die einer Dissidentengemeinde gehört.

Chapelain (spr. schap'lang), Jean, franz. Dichter, geb. 1595 zu Paris, Sohn eines Notars, studierte Medizin und vorzüglich alte und neue Sprachen und zog durch seine Vorrede zu Marinis "Adone" die Aufmerksamkeit Richelieus auf sich, der ihm eine Stelle an der neu zu errichtenden Académie française verlieh und ihn mit der Einrichtung derselben beauftragte, sich auch seiner Feder zur Feilung eigner Produktionen bediente. C. war jetzt das Orakel aller französischen Dichter. Mit großer Unparteilichkeit lieferte er dem Minister Colbert eine Liste derjenigen Schriftsteller des In- und Auslandes, welche würdig wären, von Ludwig XIV. mit einer Pension bedacht zu werden. Sein Ruhm sank indessen mit der Veröffentlichung der ersten zwölf Gesänge seines epischen Gedichts "La Pucelle d'Orléans" (1656), woran er 20 Jahre lang gearbeitet hatte. Die Erwartung war so hoch gespannt gewesen, daß in 18 Monaten 6 Auflagen erschienen; aber der langweilige Inhalt, der hölzerne Stil, der Mangel jeder dichterischen Eigenschaft ließen im Verein mit den beißenden Epigrammen und der vernichteten Kritik Boileaus und seiner Freunde ("C. décoiffé" und "Métamorphose de la perruque de C. en comète", 1664) das Werk und den Dichter bald in Vergessenheit geraten. C. starb 1674.

Chapelet (franz., spr. schap'leh), Rosenkranz als Gebetschnur.

Chapelgorris (span., spr. tsch-, "Rothüte"), leichtbewaffnete, irreguläre baskische Truppen, Anhänger der Christinos im spanischen Bürgerkrieg.

Chapel Hill (spr. tschäppel), Dorf im nordamerikan. Staat Nordcarolina, 40 km nordwestlich von Raleigh, mit (1880) 833 Einw.; Sitz der 1789 gegründeten Universität von Nordcarolina.

Chapelle (franz., spr. schápähl), Kapelle.

Chapelle (spr. schäpähl, eigentlich Claude Emmanuel Lhuillier), franz. Dichter, geb. 1626 zu La Chapelle St.-Denis bei Paris, gest. 1686, war der natürliche Sohn eines reichen Mannes, dem er eine vortreffliche Erziehung und ein großes Vermögen verdankte. Er folgte nun seinem Hang zu Trägheit und Genuß und lebte im vertrauten Umgang mit Racine, Molière, Boileau, welche ihn öfters über ihre Schriften zu Rate zogen. Seine Kritiken waren meist treffend, bisweilen scharf und schneidend. Außer einigen mäßigen Gedichten hat C. mit Bachaumont eine anziehende Reiseschilderung verfaßt: "Voyage en Provence et en Languedoc" (1663, neueste Aufl. 1874). Beider Werke zusammen gab Saint-Marc (Haag 1755; neue Ausg., Par. 1854) heraus.

Chaperon (franz., spr. schap'róng), Schweifkappe, die Kopf und Hals bedeckte, wurde im Mittelalter von beiden Geschlechtern getragen, verlor sich später und hinterließ nur den Mönchskappen und Doktorhüten ihre Form; in der Baukunst die nach beiden Seiten abfallende Abdeckung einer Hof- oder Gartenmauer, deren First die Grenzlinie zwischen zwei nebeneinander liegenden Grundstücken bezeichnet. Fällt die Mauerkrone nur nach einer Seite ab, so gehört die Mauer dem Grundstück an, nach dem sich die Böschung neigt. C. heißt auch eine ältere person zum Schutz und Geleit einer jungen Dame, Ehrendame; daher chaperonnieren, eine junge Dame als C. begleiten, bemuttern. C. rouge, Rotkäppchen.

Chapetones (span., spr. tsch-), neu angekommene europäische Einwanderer im ehemaligen spanischen Amerika, im Gegensatz zu den in Amerika gebornen, von Europäern abstammenden Kreolen.

Chapitre (franz., spr. schapitr), Kapitel; chapitrieren, abkanzeln, einem den Text lesen.

Chaplin (spr. schäplang), Charles, franz. Maler, geb. 6. Juni 1825 zu Andelys (Eure), wurde Schüler der École des beaux-arts und des Historienmalers Drolling in Paris, folgte aber nicht dessen akademischer Richtung, sondern widmete sich, unterstützt durch eine leichte, gefällige Technik, der koketten Boudoirmalerei im Sinn Watteaus und Bouchers. Auf das wohlgelungene Porträt seiner Schwester folgten mehrere andre treffliche Porträte und anziehende, graziöse Genrebilder, z. B. die Seifenblasen (Museum des Luxembourg), das Lottospiel (Museum von Rouen), die Geburt der Venus, die Turteltauben, die zerbrochene Lyra (1875) u. a., in denen sich die süßliche und sinnliche Seite seines Talents ausspricht. Besonders beliebt sind seine weiblichen Porträte, in denen er die eigentümliche Grazie und Eleganz der Französinnen geschickt darzustellen weiß, und seine dekorativen Malereien.

Chapman (spr. tschäppmäu), 1) George, engl. Dramatiker, geb. 1557 zu Hitching Hill in der Grafschaft Hertford, studierte zu Oxford und Cambridge besonders die alten Sprachen, gewann zu London die Freundschaft Shakespeares, Spensers, Ben Jonsons u. a., bekleidete unter Jakob I. eine Hofstelle und starb 12. Mai 1634. Am wichtigsten ist unter seinen Werken seine Übersetzung der "Ilias" (1603) und "Odyssee" (1614) in Alexandrinern (beide neu hrsg. von Hooper 1857, von Shepherd 1874), die in der Geschichte der englischen Litteratur einen hohen Rang einnimmt; auch übertrug er Hesiod, die Batrachomyomachie, Hymnen, Epigramme u. a. (neue Ausg. 1858). Unter seinen Dramen (im ganzen 18) sind die Trauerspiele: "Bussy d'Ambois", "The conspiracy of the Duke of Byron" und "Alphonsus, Emperor of Germany" (neu hrsg. von Elze, Leipz. 1867), ferner die Lustspiele: "Eastward Hol" (mit Jonson und Marston, 1605) und besonders "All fools" hervorzuheben; hier ahmte er geschickt Terenz nach, überließ sich aber in der Ausführung der romantischen Freiheit seiner Zeit. Eine Gesamtausgabe seiner "Plays", mit Biographie, erschien London 1874. Vgl. Swinburne, G. C., a critical essay (Lond. 1875).

2) James, engl. Afrikareisender, kam zu Anfang der 40er Jahre als Händler nach Natal, von wo aus er Handels- und Jagdreisen nach der Transvaalrepublik und den Betschuanenländern unternahm, besuchte seit 1852 wiederholt den Ngamisee, entdeckte die großen Salzpfannen, in denen sich dessen Abfluß, der Suga, verliert, und ging 1855 vom Ngamisee nach der Walfischbai, dann von hier wieder zurück zum Ngamisee und den Victoriafällen des Sambesi, in der Absicht, von dort zu Wasser den Indischen Ozean zu erreichen. Da das zu diesem Zweck gebaute Fahrzeug verunglückte, kehrte er 1863 nach der Walstschbai zurück. Er starb 6. Febr. 1872 zu Du Toits Pan in Neu-Griqualand. Er schrieb: "Travels in the interior of South Africa" (Lond. 1868, 2 Bde.).

Chapmann, Fredrik Henrik von, schwed. Vizeadmiral, geb. 9. Sept. 1721 zu Gotenburg, beschäftigte sich von Jugend auf mit der Schiffbaukunst, vervollkommte seine Kenntnisse darin namentlich in England und schrieb darüber das epochemachende Werk "An about ships". In diesem Werk ist zum erstenmal die Theorie auf den Schiffbau angewendet,

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