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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Charenton le Pont; Charenza; Chares; Charesm; Charette

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Charenton le Pont - Charette.

ist das Departement in fünf Arrondissements: Angoulême, Barbezieux, Cognac, Confolens und Ruffec; Hauptstadt ist Angoulême. Das Land stand früher unter eignen Grafen, ward 1380 wegen Felonie eingezogen und kam an das Haus Orléans und mit dessen Thronbesteigung für immer an die französische Krone. Hier wurden die blutigen Kämpfe zwischen den Engländern und Franzosen und zwischen den katholischen und reformierten Einwohnern entschieden. Vgl. Coquand, Description physique, géologique etc. du departement de la C. (Par. 1859-62, 2 Bde.); Lièvre, Exploration archéologique du departement C. (Angoulême 1881).

Das Departement Niedercharente (C. inférieure) ist fast ganz aus den alten Provinzen Saintonge und Aunis und einem kleinen Teil von Poitou gebildet. Es grenzt westlich an den Ozean, nördlich an das Departement Vendée, nordöstlich an die beiden Sèvres, östlich an C., südöstlich an Dordogne, südlich an das Departement Gironde und an das breite Mündungsbecken dieses Flusses und hat 6826 qkm (123,9 QM.). Der Boden bietet wenig Ungleichheiten; im Ostteil ziehen sich mäßige Hochebenen hin, wo man eine gesunde Luft atmet; an der Meeresküste dehnen sich weite, fruchtbare, künstlich dem Meer entrissene und trocken gelegte Striche aus; hier verbreiten die Salzmoräste, die ein berühmtes, besonders in England geschätztes Salz liefern, Ausdünstungen, die auf die Gesundheit der Bewohner sehr nachteilig einwirken. Über die Hälfte der Bodenfläche ist Ackerland, etwa 1/6 mit Wein angebaut, gegen 1/8 Wiese, 1/7 Waldung. Hauptfluß ist die Charente, welche hier in die Meerenge Pertuis d'Antioche mündet und die Seugne und Boutonne aufnimmt; weiter südlich fließt die Seudre, an der südlichen Grenze die Gironde, an der nördlichen die Sèvre Niortaise. Dem Verkehr dienen auch drei Kanäle, der von Marans nach La Rochelle im N. und die Kanäle von Charras und Brouage bei Rochefort. Die Bevölkerung zählte 1881: 466,416 Einw. (1861 noch 481,060). Das Departement ist einer der reichsten Ackerbaudistrikte Frankreichs. Man baut Getreide, Hülsenfrüchte, Hanf und Flachs, viel, aber wenig geschätzten Wein, aus welchem größtenteils Branntwein gewonnen wird, und vorzügliches Obst. Auch die Pferde und Schafe sind geschätzt. Das Meer und die Flüsse liefern treffliche Fische und Austern (berühmt sind die von Marennes). Außer dem Seesalz (jährlich ca. 2 Mill. metr. Ztr. im Wert von 1,59 Mill. Frank) wird auch Torf gewonnen. Die Industrie umfaßt außer ihren beiden Hauptzweigen, der Branntweinbrennerei und Seesalzgewinnung, noch den Schiffbau (namentlich in den Werften von Rochefort), den Eisenhüttenbetrieb, die Fabrikation von Maschinen, Seilerwaren, Porzellan, Soda, die Gerberei etc. Der Handel wird durch die schiffbaren Flüsse, Kanäle und zahlreichen Reeden und Häfen (29 an Zahl) an der Küste wesentlich begünstigt und hat sich sehr emporgeschwungen. Die Haupthäfen sind Rochefort und Tonnay-Charente; der Hauptverkehr (besonders in Wein und Branntwein) findet mit England statt. Zu diesem Departement gehören die Inseln Ré und Oleron und mehrere Felseneilande, wie Aix, Madame etc. Es zerfällt in die Arrondissements: Jonzac, La Rochelle, Marennes, Rochefort, Saintes, St.-Jean d'Angely; Hauptstadt ist La Rochelle. Vgl. Delayant, Histoire du département C. inférieure (La Rochelle 1873).

Charenton le Pont (spr. scharangtong lö póng), Flecken im franz. Departement Seine, 2 km südöstlich von Paris, an der Marne, welche die Lyoner Eisenbahn auf einer eisernen Brücke überschreitet, nahe dem Wald von Vincennes, mit dem Pavillon Antons von Navarra, Irrenanstalt, lebhafter Industrie in Bijouteriewaren, künstlichen Blumen, Porzellan, Kautschuk, Firnis, Absinth etc. und (1881) 11,826 Einw. Jenseit der Marne liegt das Fort Charenton.

Charenza, Wendenburg, s. Garz 2).

Chares, 1) athen. Feldherr, Sohn des Theochares, aus Aixone gebürtig, kam 367 v. Chr. mit athenischen Hilfsvölkern den von Sikyon und Argos bedrängten Phliasiern erfolgreich zu Hilfe, erregte jedoch 361 im Feldzug gegen Alexander von Pherä durch seine Habsucht die Erbitterung der Bundesgenossen gegen Athen so, daß er von manchen als Urheber des Bundesgenossenkriegs angesehen wurde. Nach Ausbruch dieses Kriegs wurde er mit Chabrias gegen Chios geschickt und nach dessen Tod 355 alleiniger Feldherr, bis Iphikrates und Timotheos mit einer zweiten Flotte erschienen, worauf die vereinigten Geschwader der Athener gegen Byzanz segelten, um die Chier, Rhodier und Byzantiner von Samos abzuziehen. Da die andern Feldherren auf der Fahrt nicht dem Rate des C., während eines Sturms die feindliche Flotte, die man bei Chios traf, anzugreifen, folgten, so klagte er sie in Athen an und veranlaßte dadurch deren Absetzung. So im alleinigen Besitz des Kommandos, lieh er seine Streitkräfte dem aufständischen Satrapen Artabazos, wurde aber auf die Drohungen des Königs hin nach Athen zurückgerufen. In dem Krieg zwischen Philipp von Makedonien und den Olynthiern (349) kam C. mit athenischen Truppen den letztern zweimal zu Hilfe. Auch den Byzantinern ward er als Beistand gesendet, aber von diesen wegen seiner früher an den Bundesgenossen verübten Erpressungen nicht aufgenommen. Zuletzt war er Unterbefehlshaber in der Schlacht bei Chäroneia (338), ein Mann nicht ohne Talent, ein geborner Krieger voll Mut und Unternehmungsgeist, aber ohne sittlichen Halt, habsüchtig, gewissenlos und gegen andre treulos und gewaltthätig.

2) Bildhauer, von Lindos auf Rhodus gebürtig, Schüler des Lysippos, lebte um 324 v. Chr. und verfertigte den 70 Ellen (105 Fuß) hohen Sonnenkoloß auf Rhodus. Die Statue bestand ohne Zweifel aus mehreren Gußstücken, und ihren Kern bildeten gemauerte große Werkstücke. Wie der Koloß aussah, wissen wir nicht; die bekannte Figur mit den gespreizten Beinen, durch welche Schiffe fahren, ist reine Phantasie, die zuerst in den Niederlanden (Martin Heemskerk) im 16. Jahrh. aufgetaucht zu sein scheint. Dieses siebente Wunderwerk der Welt wurde übrigens schon 56 Jahre nach seiner Aufstellung durch ein Erdbeben oberhalb der Kniee abgebrochen. Plinius nennt die Trümmer gähnende Schlünde. Von C. befand sich auch ein kolossales Haupt auf dem römischen Kapitol, vom Konsul P. Lentulus dahin gestiftet.

Charesm (Chorasmien), älterer Name des heutigen Chanats Chiwa (s. d.).

Charette (spr. scharett), Athanese, Baron de, franz. Legitimist, geb. 1828 aus einer Familie der Vendée, welcher auch der bekannte Führer der Vendéer (s. den folg. Artikel) angehörte, trat in die päpstl. Armee ein und erhielt das Kommando eines fast ausschließlich aus jungen Adligen verschiedener Länder zusammengesetzten Regiments. Mit diesem machte er 1860 die Schlacht von Castelfidardo mit. Als im Krieg von 1870 die französische Okkupationsarmee Rom verließ und die italienischen Truppen in diese Stadt einrück-^[folgende Seite]

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