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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Charlestown; Charlet; Charleville; Charlière; Charlieu; Charlotte

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Charlestown - Charlotte.

selten sind. In den Vorstädten gibt es viele von Gärten umgebene Villen. Eine Hauptstraße, Meeting Street genannt, durchkreuzt die Stadt von N. nach S.; in ihr liegen die wichtigsten öffentlichen Gebäude, und sie ist Sitz des großen Geschäfts, während in der mit ihr gleichlaufenden Charles Street die glänzendsten Läden zu finden sind. Eine hübsche Anlage (Battery) liegt am Hafen. Die öffentlichen Gebäude sind meist unansehnlich. Unter den Kirchen ist die älteste die 1752 erbaute St. Michaelskirche. Erwähnung verdienen: das Rathaus, das Zollhaus, das Postamt (1761 erbaut), die Gerichtshöfe, das Wachthaus (Guard house) der Polizei, eine große Markthalle und das städtische Gefängnis. C. hatte 1870: 48,956, 1880: 49,984 Einw. Die Industrie befaßt sich mit Herstellung von Kunstdünger (aus dem phosphorsauren Mergel, der 1868 in der Nähe der Stadt entdeckt wurde), Maschinen, Mahlen von Getreide und Reis, Destillation von Teer und Terpentin. Weit bedeutender ist indes der Handel. Zur Ausfuhr kommen namentlich: Baumwolle, Reis, Tabak, Korn, Speck, Terpentinöl und Bauholz, zusammen im J. 1883/84 im Wert von 16,232,067 Doll., während die Einfuhr nur 462,949 Doll. betrug. C. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten ragt das Waisenhaus durch seine Größe hervor, es ist das bedeutendste Gebäude der Stadt. Von Bildungsanstalten sind zu nennen: das 1788 gegründete College mit Bibliothek und Museum, die medizinische Schule und die städtische Bibliothek. Auch ein Theater (Academy of Music) hat die Stadt, und die Freimaurer sind im Besitz eines stattlichen "Tempels". - C. ist eine der ältesten Städte der Union. Die erste Ansiedelung fand 1672 statt; sie erhielt gegen Ende des Jahrhunderts bedeutenden Zufluß durch Auswanderer aus Barbados und durch Hugenotten aus Frankreich. 1783 wurde C. zur City erhoben; 1779 besetzten die Engländer die Stadt, gaben sie aber im folgenden Jahr wieder auf. Im letzten nordamerikanischen Bürgerkrieg spielte C. eine wichtige Rolle. Am 12. April 1861 eröffneten die Konföderierten hier die Feindseligkeiten, indem sie Fort Sumter beschossen, welches sich am 14. ergab. Sie sammelten hier bedeutende Kriegsvorräte an, welche ihnen teilweise durch "Blockadebrecher" zugeführt wurden. Die 1863 von den Unionisten zur See gemachten Angriffe wurden zurückgeschlagen; darauf begann im August das Bombardement der Stadt, das mit geringen Unterbrechungen bis zum 17. Febr. 1865 andauerte, an welchem Tag die Konföderierten C. verließen und die Stadt sich ergab, von der ein Teil während der Belagerung zusammengeschossen und abgebrannt war. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Westvirginia, am schiffbaren Kanawha, 100 km oberhalb dessen Mündung in den Ohio, in fruchtbarem Thal, in welchem auch Steinkohlen, Eisen und Salzquellen vorkommen, mit (1880) 4192 Einw. 1870-75 war es die Hauptstadt des Staats. Das damals gebaute Kapitol dient jetzt andern Zwecken.

Charlestown, (spr. tscharlstaun), Stadt im nord-amerikan. Staat Massachusetts, mit dem Bunker Hill-Denkmal und einem Marinearsenal der Vereinigten Staaten, bildet seit 1874 einen Teil von Boston (s. d.). Vgl. Bartlett, Historical sketch of C. (1881).

Charlet (spr. scharlä), Nicolas Toussaint, franz. Maler und Zeichner, geb. 20. Okt. 1792 zu Paris, war unter dem Kaiserreich Schreiber, verlor aber unter der Restauration seine Stelle und studierte nun in dem Atelier des Malers Gros. Er begann mit Darstellungen aus dem Soldatenleben, wobei es ihm gelang, den Grenadier der Zeit Napoleons in verschiedenen Szenen in packender Wahrheit hinzustellen. Sein Grenadier von Waterloo sowie seine Episoden aus dem russischen Feldzug waren epochemachend. Sein eigentliches Feld jedoch war das des Humors, wobei Straßenjungen, Marktweiber, Arbeiter, Portiers etc. in unerschöpflicher Mannigfaltigkeit vorgeführt werden. Dadurch schuf er sich allmählich ein eignes Genre, worin ihn niemand von den Zeitgenossen erreichte. C. ist der Béranger der Karikatur. Seine Kompositionen sind frei von Übertreibung, voll Geist und Naivität, wahre Meisterstücke des satirischen Witzes und die Unterschriften dabei so treffend, daß manche dramatische Autoren die Grundidee ihrer Stücke von C. geborgt haben. Seine Zeichnungen und Lithographien sind zahllos. Von seinen Gemälden erwähnen wir: eine Episode aus dem russischen Feldzug, im Museum zu Versailles; Moreaus Übergang über den Rhein, im Museum zu Lyon; ein Zug von Verwundeten, im Museum von Bordeaux. C. starb 29. Okt. 1845. Vgl. La combe, C., sa vie, ses lettres, etc. (Par. 1856).

Charleville (spr. scharlwil), Stadt im franz. Departement Ardennen, Arrondissement Mézières, an der Maas, mit dem gegenüberliegenden Mézières durch eine Brücke verbunden und mit demselben eigentlich nur eine Stadt bildend, Station der Ostbahn, ist regelmäßig gebaut, hat als Mittelpunkt einen Hauptplatz (Place ducale), von welchem gerade Straßen auslaufen, eine neue Kirche (seit 1863), ein Theater, eine Normalschule, ein Collège, eine Bibliothek (von 23,000 Bänden und 400 Manuskripten), ein Handelstribunal, einen Flußhafen und (1881) 15,206 Einw., deren gewerbliche Thätigkeit sich aus Fabrikation von Waffen, Nägeln und andern Metallwaren, Gerberei und Zuckerfabrikation erstreckt. Die Stadt wurde erst 1606 von Charles de Gonzaga gegründet.

Charlière (franz., spr. scharljähr), s. Luftballon.

Charlieu (spr. scharliö), Stadt im franz. Departement Loire, Arrondissement Roanne, am Sornin, in einem fruchtbaren Thal, hat 4 Kirchen, eine alte Benediktinerabtei, Seiden- und Baumwollweberei und (1876) 3751 Einw. Die Umgegend liefert guten Wein.

Charlotte (spr. scharrlot), Stadt im nordamerikan. Staat Nordcarolina, 210 km westsüdwestlich von Raleigh, aus goldhaltigem Höhenzug gelegen, mit (1880) 7094 Einw. Früher hatte es eine Münze.

Charlotte, 1) C. Elisabeth, Herzogin von Orléans, s. Elisabeth Charlotte.

2) Christine, Tochter des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. 26. Aug. 1694, ward 1711 an den russischen Großfürsten Alexis Petrowitsch, Sohn Peters I., vermählt und starb, von ihrem Gemahl schlecht behandelt, 1715, nachdem sie einen Sohn geboren hatte, der 1727 als Peter II. den Thron bestieg. Unbegründet ist die Sage, daß sie sich für tot habe ausgeben lassen, nach Paris und von da nach Nordamerika entflohen sei, hier einen Franzosen, d'Auban, geheiratet, später in Brüssel gelebt habe und hier 1770 gestorben sei. Dieselbe wurde indessen von Zschokke in einer Novelle behandelt und von Charl. Birch-Pfeiffer zu einem Operntext verarbeitet ("Santa Chiara"), den Herzog Ernst von Sachsen-Koburg komponierte. Vgl. Guerrier, Die Kronprinzessin C. von Rußland. Nach ihren noch ungedruckten Briefen 1707-15 (Bonn 1875).

3) (Carlotta) Joachime Therese von Bourbon, Tochter Karls IV. von Spanien und der Marie Luise von Parma, geb. 25. Aug. 1775, ward dem portugiesischen Infanten Johann verlobt und 1790 mit

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