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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Charlottenhof - Charondas.

von 3 besoldeten und 9 unbesoldeten sowie eine Stadtverordnetenversammlung von 42 Mitgliedern. Garnison: 1 Eskadron des Regiments Garde du Korps.

Charlottenhof, Schloß, s. Potsdam.

Charlottenlund, Schloß, s. Kopenhagen.

Charlottesville (spr. schárlotswil), Stadt im nordamerikan. Freistaat Virginia, Grafschaft Albemarle, 110 km nordwestlich von Richmond, mit (1880) 2676 Einw., ist Sitz der 1819 gegründeten Universität von Virginia, zu der Jefferson den Plan entwarf.

Charlottetown (spr. schárlottaun), Hauptstadt der Prince Edward-Insel in Britisch-Nordamerika, auf einer Anhöhe am fjordartigen Hillsborough River, der einen sichern Hafen bildet, ist schön gebaut, hat regen Handel und Fischerei und (1881) 11,485 Einw.

Charmant, charmieren, s. Scharmant etc.

Charmey (spr. scharmä), s. Jaunthal.

Charmides, vornehmer Athener, Sohn des Glaukon, Vetter und Mündel des nachmaligen Tyrannen Kritias, ein edler, philosophisch feingebildeter Mann, aber Oligarch, war zur Zeit der Dreißig Tyrannen einer der zehn Vorsteher des Piräeus und fiel mit Kritias am Kephisos im Kampf gegen Athens Befreier. Platon benannte mit seinem Namen einen seiner Dialoge.

Charmoy (spr. scharmoa), François Bernard, franz. Orientalist, geb. 14. Mai 1793 zu Sulz im obern Elsaß, betrieb seit 1810 in Paris orientalische Studien, wurde aus S. de Sacys Empfehlung mit Demange 1817 nach St. Petersburg berufen, um hier das Studium der orientalischen Sprachen einzuführen, und übernahm daselbst die Professur des Persischen und Türkischen. Nebenbei beschäftigte er sich mit den Geschichtsquellen der Mongolen und der mittelalterlichen Geschichte Rußlands und veröffentlichte in den Memoiren der Petersburger Akademie unter anderm eine Episode aus dem persischen Epos "Iskender Nameh" über eine angebliche Expedition Alexanders d. Gr. gegen die Russen (1829). Seit 1835 nach Frankreich zurückgekehrt, ließ er sich zu Aouste im Departement Drôme nieder, wo er sich vorzugsweise mit der Sprache und Geschichte der Kurden beschäftigte und die Übertragung der Geschichte dieses Volkes von Chérefeddin (einem kurdischen Fürsten) unternahm. Der erste Band dieses großen, in vieler Beziehung wichtigen Werkes, die ethnographische und geographische Einleitung, erschien unter dem Titel: "Chéref-Nameh, ou Fastes de la nation kourde" (Petersb. 1868). Bald nach Veröffentlichung desselben, Anfang 1869, starb C.

Charnière, zuweilen unrichtig Charnier, s. Scharnier.

Charnwood Forest (spr. tschárnwudd fórest), ein früher bewaldeter Höhenzug in Leicestershire (England), der eine Höhe von 260 m erreicht.

Chaerocampa, s. Oleanderschwärmer.

Charolais (spr. scharolä), ehemalige franz. Landschaft, s. Charolles. Die hiernach benannten Berge von C. sind ein niederer nordsüdlicher Höhenzug im Departement Saône-et-Loire und bilden die Wasserscheide zwischen Saône und Loire, welche beide durch eine Einsenkung am nördlichen Fuß des Gebirgszugs durch den Canal du Centre miteinander verbunden sind. Reiches Weideland bedeckt die granitischen Höhen, Weinberge die untern, aus Jurakalk bestehenden Gehänge.

Charolles (spr. scharoll), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Saône-et-Loire, am Zusammenfluß der Semence und Arconce und an der Lyoner Bahn, hat ein Handelstribunal, ein Collège, eine Bibliothek und (1881) 3208 Einw., welche Fayence, Drainierröhren und Öl fabrizieren und Handel mit Holz, Wein und Vieh treiben. Über der Stadt die Trümmer des alten Schlosses von C. In der Nähe ergiebige Steinbrüche. Der Ort war ehedem die Hauptstadt der alten Landschaft Charolais, die im 9. Jahrh. zur Grafschaft erhoben wurde und 1390 an Burgund fiel. Mit der burgundischen Erbschaft kam sie im 15. Jahrh. an die Habsburger und war unter Ludwig XIV. ein Zankapfel zwischen Spanien und Frankreich. Im Widerspruch mit dem Pyrenäischen Frieden (1659) verlieh sie Ludwig XIV. an das Haus Condé; 1771 fiel sie an die französische Krone.

Charon, in der griech. Mythologie Sohn des Erebos und der Nyx, der greise Fährmann der Unterwelt, welcher die Schatten der beerdigten Toten über die Flüsse der Unterwelt setzte, wofür er einen dem Toten bei der Bestattung in den Mund gesteckten Obolos erhielt. Lebende, die überfahren wollten, mußten ihm den berühmten goldenen Zweig zeigen. Weil er den Herakles ohne denselben übersetzte, mußte er ein ganzes Jahr in Banden liegen. Die Griechen dachten sich C. als einen finstern und grämlichen Alten, mit einem dunkeln Schifferkittel bekleidet, wie er z. B. auf dem Gemälde des Polygnot in Delphi zu sehen war und vielfach auch auf attischen Gräbervasen abgebildet ist (vgl. Abbildung). Die Etrusker dagegen stellten sich ihn als eine Art von Würger dar, von einem schreckliche halbtierischen Äußern und mit einem großen Hammer bewaffnet, bald in der Schlacht mordend, bald die Verstorbenen in die Unterwelt geleitend oder Wache an der Grabespforte haltend. Schließlich ward er zum Repräsentanten der Unterwelt und des Todes und lebt in dieser Bedeutung noch jetzt in den Liedern der Neugriechen fort als Charos oder Charontas, der mürrische Greis, der bald wie ein schwarzer Vogel auf sein Opfer niederschießt, bald als fließender Reiter die Scharen der Verstorbenen durch die Lüfte zum Totenreich führt. Vgl. Krüger, C. und Thanatos (Berl. 1866); Ambrosch, De Charonte etrusco (Bresl. 1837).

^[Abb.: Charon, Hermes Psychopompos und eine Verstorbene (Vasenbild in München).]

Charondas, gebürtig aus Katane, gab im 7. Jahrh. v. Chr. seiner Vaterstadt und andern chalkidischen Kolonien in Italien und Sizilien Gesetze, welche, ursprünglich in Versen abgefaßt, sich auf das gesamte öffentliche und häusliche Leben bezogen und eine streng sittliche Geistes- und Charakterbildung bezweckten. Sie standen in großem Ansehen und wurden nicht bloß von vielen Städten Großgriechenlands

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]