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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Charpie; Charput; Charque; Charras; Charrière; Charron; Charta

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Charpie - Charta.

verbesserten Amalgamierverfahrens wurde das Amalgamierwerk in Freiberg angelegt. C. starb als Wirklicher Berghauptmann 27. Juli 1805 in Freiberg. Er hat sich um den wissenschaftlichen Betrieb des Bergbaues große Verdienste erworben und förderte die geognostische Untersuchung des Landes unter der Leitung der Bergakademie. Er schrieb: "Mineralogische Geographie der kursächsischen Lande" (Leipz. 1778); "Beobachtungen über die Lagerstätten der Erze, hauptsächlich aus den sächsischen Gebirgen" (das. 1799); "Beiträge zur geognostischen Kenntnis des Riesengebirges schlesischen Anteils" (das. 1804).

4) Toussaint von, Sohn des vorigen, geb. 22. Nov. 1779 zu Freiberg, studierte daselbst das Bergfach und seit 1797 in Leipzig Rechtswissenschaft. Er trat 1802 als Bergsekretär in preußische Dienste und wurde 1810 Oberbergrat im Oberbergamtskollegium zu Breslau. Im J. 1828 wurde er zum Vizeberghauptmann von Schlesien, 1830 zum Berghauptmann und Direktor des westfälischen Bergamts in Dortmund und 1835 zum Berghauptmann in Schlesien ernannt. Er starb 4. März 1847 in Brieg. Neben mineralogischen und das Bergwesen betreffenden Studien beschäftigte er sich auch mit entomologische Untersuchungen, welche er durch seine "Horae entomologicae" (Bresl. 1825, mit 9 Tafeln Abbild.), "Libellulinae europaeae" (Leipz. 1840) und "Orthoptera" (das. 1841-43, 10 Hefte) sowie durch die Veranstaltung einer neuen Ausgabe von Espers Werken: "Die europäischen Schmetterlinge" (Erlang. 1829-39, 6 Bde. nebst Suppl.) und "Die ausländischen Schmetterlinge" (das. 1830, 16 Hefte) wesentlich förderte.

5) Johann G. F., Geognost, Bruder des vorigen, geb. 7. Dez. 1786 zu Freiberg, Direktor der Saline zu Bex im Waadtland, Professor der Geologie in Lausanne; starb 12. Sept. 1855 in Bex. Er schrieb: "Essai sur la constitution géognostique des Pyrénees" (Par. 1823); "Sur la cause probable du transport des blocs erratiques de la Suisse" (das. 1835); "Essai sur les glaciers et sur le terrain erratique du bassin du Rhône" (Lausanne 1841).

Charpie (franz.), s. Scharpie.

Charput, seit 1876 Hauptstadt des Wilajets Ma'-amuret el Aziz (früher zum Wilajet Diarbekr gehörig), liegt aus dem Nordrand einer vom Euphrat umflossenen Hochebene, mit den malerischen Trümmern einer Burg, hat eine merkwürdige uralte Kirche nebst Jakobitenkloster mit kostbaren Handschriften, welche aber durch einen Brand stark gelitten haben (darunter ein Evangelienbuch in altirischer Sprache), und zählt 16-18,000 Einw., vorwiegend Türken. Wegen der militärisch wichtigen Lage ist C. Mittelpunkt eines starken Truppenkommandos unter einem Pascha, der in dem 6 km entfernten Ort Mesere (Jeni-C.) seinen Sitz hat.

Charque (span., spr. dscharke), an der Luft getrocknetes Fleisch (s. d.).

Charras (spr. schara), Jean Baptiste Adolphe, franz. Militärschriftsteller, geb. 7. Jan. 1810 zu Pfalzburg in Lothringen, mußte 1830, als Republikaner verdächtig, die polytechnische Schule verlassen, führte in den Julitagen eine Sturmkolonne, trat sodann in die Artillerie- und Ingenieurschule zu Metz, wurde aber 1833 entlassen, weil er sich weigerte, aus einem politischen Verein auszutreten. Zwar wurde er kurz darauf zum Artillerieoffizier ernannt, aber wegen politischer Artikel, die er für den "National" schrieb, nach Algier versetzt, wo er sich in kurzem rühmlich hervorthat. Der glückliche Ausgang eines kühnen Angriffs auf Abd el Kaders Lager hatte 1844 seine Beförderung zum Bataillonschef in der Fremdenlegion zur Folge; 1846 erhielt er das erste Bataillon der leichten afrikanischen Infanterie, der sogen. Zephyrs, und legte mit ihnen die befestigte Kolonie am Sig zwischen Oran und Mascara an. Namentlich Lamoricière hielt sehr viel auf ihn. Auf Urlaub in Paris anwesend, wurde er 7. April 1848 von der provisorischen Regierung zum Unterstaatssekretär im Kriegsministerium ernannt. In dieser Stellung hielt er die Disziplin streng aufrecht und zeigte ein hervorragendes Organisationstalent. Von der Nationalversammlung zum Generalstabschef des Kriegsministers Cavaignac, dessen Portefeuille er kurze Zeit provisorisch innegehabt, ernannt, half er den Juniaufstand unterdrücken, zeigte sich aber stets als Gegner strenger Maßregeln gegen die revolutionäre Partei. Als Cavaignac Diktator ward, blieb der starre Republikaner nur widerstrebend auf Lamoricières Bitten in seiner Stellung. Nach Ludwig Bonapartes Wahl zum Präsidenten schied C. aus dem Ministerium. Als Hauptgegner des Präsidenten wurde er beim Staatsstreich 2. Dez. 1851 verhaftet, aus der Armeeliste gestrichen und verbannt. Er begab sich nach Belgien, dann nach dem Haag; 1858 vermählte er sich mit einer Enkelin der durch Goethes "Werther" berühmten Charlotte Buff, lebte später in Basel und starb dort 23. Jan. 1865. Im Exil schrieb er: "Histoire de la campagne de 1815. Waterloo" (Brüssel 1858, 2 Bde.; 6. Aufl., Par. 1869; deutsch, Dresd. 1858), worin er mit großer Schärfe die Fehler Napoleons I. nachzuweisen suchte. Unvollendet erschien nach seinem Tod: "Histoire de la guerre de 1813 en Allemagne" (Leipz. 1866; 2. Aufl., Par. 1870; deutsch, Leipz. 1867).

Charrière (spr. schariähr), Isabelle Agnes van Tull, Mad. de Sainte-Hyacinthe de, franz. Schriftstellerin, geb. 1746 zu Utrecht aus einer reichen holländischen Familie, lebte in ihrer Jugend am Hof des Erbstatthalters, heiratete dann, ihrem Stand und ihrer Familie entsagend, Herrn de C., den Hofmeister ihres Bruders, und ließ sich mit demselben auf einem Landgut unfern Neuchâtel nieder. Durch die französische Revolution fast um ihr ganzes Vermögen gekommen, starb sie 27. Dez. 1805. Sie verfaßte, zum Teil unter dem Namen Abbé de la Tour, eine Reihe von Schriften (Romane, Dramen etc.), die sich sämtlich durch geistvolle Darstellung und sittlich ernste Haltung auszeichnen und von Huber meist auch ins Deutsche übersetzt wurden. Wir nennen davon: die "Lettres Neuchâteloises" (1784, 1833); "Caliste, ou lettres écrites de Lausanne" (1786, 1845); "Lettres de Mistress Henley" (1786); "Les trois femmes" (1797); die Dramen: "L'émigré" (1793), "Le Toi et le Vous", "Sir Walter Finch" (1806) u. a. Ihre "OEuvres" erschien in 5 Bänden (Genf 1801).

Charron (spr. schärong), Pierre, bekannter franz. Kanzelredner und Schriftsteller, geb. 1541 zu Paris, war erst Advokat und erwarb sich dann einen Namen als Prediger und Polemiker gegen die Reformierten. Er wurde Hofprediger der Königin Margareta und starb 16. Nov. 1603. In seinem "Traité des trois vérités" (Bordeaux 1594) suchte er die Wahrheit der christlichen Religion, insbesondere der römisch-katholischen Form derselben, zu beweisen; dagegen zog ihm der "Traité de la sagesse" (das. 1595; beste Ausg. von Amoury Duval, Par. 1821, 4 Bde.) den Vorwurf des Atheismus zu.

Charta (Chartula, lat.), bei den Römern ursprünglich ein Blatt von den getrennten Lagen des ägyptischen Papyrus (s. d.), dann die Papyrusstaude selbst. Weil diese aber als Material zum Schreiben diente, sind

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]