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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chautauqua - Chavanne.

Chautauqua (spr. schatahkwa), ein Binnensee im westlichen Teil des Staats New York, 28 km lang, bis 5 km breit, liegt 394 m ü. M., dem Eriesee nahe, sendet aber sein Wasser nicht diesem, sondern durch den Alleghanyfluß dem Ohio zu. Er wird, solange die Schiffahrt offen ist, von Dampfern zwischen Mayville und Jamestown befahren.

Chauveau (spr. schowo), 1) Chauveau-Lagarde, Claude François de, berühmter franz. Advokat, geb. 21. Jan. 1756 zu Chartres, machte sich während der Revolutionszeit als Advokat besonders durch die Verteidigung der Königin Marie Antoinette und der Prinzessin Elisabeth, Charlotte Cordays, Brissots, Mirandas, den er vom Tod rettete, und des Abbé Brottier bekannt, wurde verhaftet und vor der Hinrichtung nur durch den Sturz Robespierres gerettet. Napoleon I. ernannte ihn 1806 zum Advokaten beim Staatsrat. 1814 von Ludwig XVIII. geadelt, führte C. während der Hundert Tage die Sache des Generals Bonnaire, über die er 1816 einen "Expose simple et fidèle de la conduite du général Bonnaire" veröffentlichte. Die freien Farbigen auf Martinique vertrat er 1826 gemeinschaftlich mit Isambert. 1828 wurde er Rat am Kassationshof. Er starb 28. Febr. 1841. Von seinen Schriften ist hervorzuheben: "Notice historique sur le procès de Marie Antoinette et de Mme. Élisabeth" (Par. 1816).

2) Adolphe, franz. Rechtsgelehrter, geb. 28. Mai 1802 zu Poitiers, studierte in seiner Vaterstadt, ward dann in Paris Advokat, später am Kassationshof, und widmete sich seit 1836 ganz den Studien. Er ward 1838 Professor der Rechte in Toulouse und starb als solcher 16. Dez. 1868. Seine gesuchtesten Schriften sind: "Code de la saisie immobilière" (1829; 3. Aufl. 1862, 2 Bde.); "Théorie du code pénal" (1834-1843; 5. Aufl. 1872-73, 6 Bde.); "Code d'instruction administratif" (1848; 4. Aufl. 1873, 2 Bde.); "Formulaire général et complet" (1852; 6. Aufl. 1879, 2 Bde.). Vgl. H. Rozy, Adolphe C. (Toulouse 1870).

Chauvelin (spr. schöw'lang), Bernard François, Marquis von, franz. Staatsmann, geb. 29. Nov. 1766, Enkel des 1762 verstorbenen Ministers und Vertrauten Fleurys, Germain Louis de C., Sohn des Marschalls François Claude de C., wurde Offizier, huldigte aber trotz aristokratische Abstammung der Revolution und wurde 1792 zum Gesandten in London ernannt. Als nach Ludwigs XVI. Hinrichtung England völlig mit Frankreich brach, kam C. nach Paris zurück. Den Schreckensmännern verdächtig, saß er bis zum 9. Thermidor im Gefängnis. Nach dem 18. Brumaire zum Mitglied des Tribunats ernannt, bekämpfte er die Übergriffe des Konsulats, namentlich die Errichtung der Ehrenlegion. Bonaparte entfernte ihn daher und zog ihn erst 1803 wieder in den Dienst als Präfekt des Departements Lys. Hier wirkte C. acht Jahre, wurde dann Staatsrat und ging 1812 als Generalintendant nach Katalonien. Nach der Restauration in die Deputirtenkammer gewählt, vertrat er mit Beredsamkeit, Geist und Ausdauer die Rechte und die Freiheit der Nation gegen die ultraroyalistische Reaktion. 1829 mußte er wegen Kränklichkeit aus der Kammer austreten, trat aber nach dem Sieg der Julirevolution wieder ein und wirkte wie zuvor, bis ihn 9. April 1832 die Cholera wegraffte.

Chauve-souris (franz., spr. schöw'ssurih), Fledermaus; dann Art Maskenanzug, dunkler Domino mit Kapuze und schwarzer, ganzer Maske.

Chauvin (spr. schowäng), Auguste, belg. Maler, geb. 1810 zu Lüttich, widmete sich anfangs der Baukunst und seit 1831 der Malerei auf der Düsseldorfer Akademie, wo er sich besonders an Schadow anschloß. Er mußte jedoch, um seine Existenz zu sichern, eine Zeichenlehrerstelle annehmen und konnte erst seit 1841 ausschließlich seiner Kunst leben. Seine religiösen Bilder: das Gebet des Moses, Ruhe aus der Flucht und Hagar in der Wüste sind im Stil der ältern Düsseldorfer Schule gemalt. Diese Richtung übertrug er auch nach Lüttich, wohin er als Lehrer an die Akademie berufen wurde, und wo er noch jetzt als Direktor derselben thätig ist. Von seinen spätern Bildern sind zu nennen: die Flucht nach Ägypten, die Anbetung der Könige, die drei Marien am Grab, die Bekehrung des Saulus und das Gastmahl des Pippin von Heristall (Museum zu Lüttich).

Chauvin (spr. schowang), Jean, s. v. w. Calvin.

Chauvinismus (franz., spr. schow-), erst neuerdings in Frankreich in Gebrauch gekommenes Wort, ist zurückzuführen auf einen abgedankten Napoleonischen Soldaten, Chauvin, welcher in Paris wegen seiner blinden Schwärmerei für den Kaiser bekannt war. Sein Name ward daher von den Brüdern Cognac in ihrem Lustspiel "La cocarde tricolore" und von Scribe in "Le soldat laboureux" einem säbelrasselnden Soldaten beigelegt, der für den Kriegsruhm und die Machtvergrößerung Frankreichs schwärmt. Im allgemeinen bezeichnet daher C. einen übertriebenen Patriotismus, der sich in nationaler Eitelkeit und Vergrößerungssucht äußert. Chauvinist, Anhänger des C.

Chaux de Fonds, La (spr. schö d'fóng), Hauptort des gleichnamigen Bezirks im schweizer. Kanton Neuenburg, in rauher, wasserarme Gegend (998 m ü. M.) gelegen, ist ein stattliches Dorf mit palastähnlichen Gebäuden (Theater, Kasino, Spital etc.) und (1880) 22,456 Einw. Der Jura industriel, eine Bergbahn, deren Minimalsteigung 28 pro Mille beträgt, verbindet das Dorf mit der am See gelegenen Hauptstadt Neuchâtel und dem Fabrikort Le Locle. In das Hochthal von La C. und Le Locle hat seit 200 Jahren die Uhrmacherei einen ungeahnten Aufschwung gebracht; sie wurde durch Jean Richard, einen Schmied aus dem Inradorf La Soane, begründet. Ihre jetzige Ausdehnung erhielt die Uhrmacherei durch Teilung der Arbeit, bei der auch Kinder beschäftigt werden. Auch Chronometer und andre künstliche Uhrwerke werden verfertigt, und in C., Le Locle und Neuchâtel existieren (seit 1868) Uhrmacherschulen. Die Uhrenproduktion von C., Le Locle und Umgebung beträgt jährlich ca. 300,000 Stück und repräsentiert einen Wert von 32-36 Mill. Frank. Wie nach Neuenburg in neuerer Zeit, so hat sich schon früher das Gewerbe auch in die umliegenden Gebiete verpflanzt, nach Biel, Murten, Solothurn etc., zu der Zeit der ersten französischen Revolution, als die Neuenburger Patrioten sich verfolgt sahen, auch nach Besançon. Der Ort C. selbst zählte zu Richards Zeit erst sieben Häuser, 1834 schon 6500 Einw.

Chaux métallique (spr. schoh metallihk), s. Kobaltrosa.

Chavanne (spr. schawann), Joseph, geograph. Schriftsteller und Reisender, geb. 7. Aug. 1846 zu Graz, studierte in Prag und Graz, machte 1867-69 eine größere Reise durch Mexiko, Westindien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika, besuchte verschiedene Hafenstädte von Marokko und drang von Oran aus nach der algerischen Sahara vor. 1869-1870 war C. an der meteorologischen Reichsanstalt in Wien thätig und übernahm 1875 die Redaktion der "Mitteilungen der Wiener Geographischen Gesellschaft". Außer zahlreichen Aufsätzen publizierte C.: "Die Temperaturverhältnisse von Österreich-^[BINDESTRICH!]

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