Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chenciny; Chénebier; Chénedollé; Chênée; Chenery; Chénier

991

Chenciny - Chénier.

Konkurrenz für eine Episode aus dem Nationalkonvent von 1789, erhielt aber nicht den Preis und stellte deshalb einige Monate später das Todesurteil Ludwigs XVI. in einer Zeichnung aus, die zwar große Anerkennung fand, jedoch aus politischen Gründen von Ludwig Philipp wieder entfernt wurde. Nach der Februarrevolution legte er dem Minister Ledru-Rollin jene mittlerweile vollendeten weltgeschichtlichen Kompositionen vor und erhielt den Auftrag, sie in größern monochromen Kartons für Wandgemälde im Panthéon auszuführen. Als er aber den größten Teil dieser Kartons vollendet hatte, wurden sie als atheistisch abgelehnt. Das Panthéon wurde 1851 dem Kultus zurückgegeben, und das ganze Projekt war gescheitert. Wie barock und destruktiv auch die Tendenz dieser Kartons war, so erregten sie doch durch die Fülle der Gedanken und die echt künstlerische Komposition große Bewunderung. Unter seinen übrigen Bildern ist la divina tragedia (Museum des Luxembourg) das bedeutendste.

Chenciny, Stadt im polnisch-russ. Gouvernement Kjelzy, 11 km von der Stadt Kjelzy, hat ein auf hohem Berge gelegenes Schloß und (1881) 5768 Einw. (viele Juden). In der Nähe sind alte Blei- und Silbergruben, die stark bebaut werden, auch Marmorbrüche. Die Umgegend ist getreidereich, und es bilden daher Cerealien nebst bergmännischen Produkten, Mühlsteinen, Marmorplatten etc. Gegenstände der Ausfuhr.

Chénebier (spr. schen'bjeh), franz. Dorf bei Belfort, in der Schlacht bei Belfort (s. d.) Stützpunkt des rechten deutschen Flügels, wurde 16. Jan. von den Franzosen genommen.

Chénedollé (spr. schähndolleh), Charles Lioult de, franz. Dichter, geb. 4. Nov. 1769 zu Vire in der Normandie, wanderte 1791 aus, machte zwei Feldzüge im Emigrantenheer mit, ging dann nach Holland, Deutschland und der Schweiz, kehrte 1799 nach Paris zurück, wurde 1812 zum Inspektor der Akademie von Caen, 1830 zum Generalinspektor des Unterrichts ernannt und starb 2. Dez. 1833. Mit seinem weichen, enthusiastischen Herzen strebte er nur danach, die Natur zu besingen, wie Rousseau und Bernandin de Saint-Pierre; erst nach der Begegnung mit Rivarol, den er während eines Hamburger Aufenthalts (1795-97) kennen und bewundern lernte, wagte er sich auch an höhere Aufgaben und unternahm nun sein großes Gedicht "Génie de l'homme" (1807 u. öfter), ein Thema, woran sich schon Voltaire, Lebrun und Fontanes vergeblich versucht hatten, gewann aber nicht den Beifall des Publikums. Großen Einfluß auf ihn haben auch Klopstock, Frau v. Staël und Chateaubriand gehabt. Sein bestes Werk sind seine "Études poétiques" (1820), in denen sich an vielen Stellen wahre Lyrik, natürliches Gefühl und schöne Verse finden, und deren moderne Anklänge ihn zum Vorgänger der romantischen Schule machen. Außerdem veröffentlichte er: "Ésprit de Rivarol" (1808) und mit Fayolle die Gesamtwerke Rivarols (1808, 4 Bde.). Vgl. Sainte-Beuve in der "Revue des Deux Mondes", Juni 1849; Helland, Étude biographique et littéraire sur C. (Par. 1857).

Chênée (spr. schäueh), Fabrikort in der belg. Provinz und im Arrondissement Lüttich, unweit der Vereinigung von Ourthe und Vesdre, an der Bahn Lüttich-Verviers, mit Eisenhämmern und Hütten, Zinkhütten, Glasfabriken und (1884) 6163 Einw.

Chenery (spr. tschenneri), Thomas, engl. Orientalist, geb. 1826 aus Barbados, studierte in Eton und am Cajus College zu Cambridge und trat zunächst als Advokat auf. Tüchtige Leistungen auf dem Gebiet der orientalischen Philologie führten 1868 zu seiner Anstellung als Almoner-Professor des Arabischen an der Universität Oxford, zugleich ward er Mitglied des Christ-Church College und 1870 einer der Revisoren der autorisierten Übersetzung des Alten Testaments. C. war außerdem Ehrensekretär der königlichen Asiatischen Gesellschaft zu London. Als Orientalist hat er sich besonders durch "The assemblies of Al Hariri" (1867), "The Arabic language" (1869) sowie durch die Herausgabe von Alcharizis "Machberoth Ithiel", nach Manuskripten der Bodleyanischen Bibliothek (1872), bekannt gemacht. Daneben hat er verschiedene litterarische und politische Schriften veröffentlicht. Er starb 11. Febr. 1884.

Chénier (spr. schenjeh), 1) André Marie de, franz. Dichter, geb. 30. Okt. 1762 zu Konstantinopel, Sohn von Louis de C., einem historischen Schriftsteller, der damals Generalkonsul daselbst war (gest. 1796 in Paris) und einer schönen und geistreichen Griechin aus dem Hause Santi-l'Homaka, kam 1765 nach Frankreich zurück und trat, nachdem er 1773-81 das Collège de Navarre besucht hatte, als Cadetgentilhomme in das Heer, entsagte aber diesem Beruf bald aus Liebe zur Poesie. Eine mit seinen Freunden unternommene Reise nach Italien und Griechenland mußte er aus Kränklichkeit in Italien abbrechen; nach einjähriger Abwesenheit kehrten die Freunde nach Paris zurück. Hier verlebte C. drei glückliche Jahre, nur dem Studium, der Poesie und dem Vergnügen gewidmet. 1787 versuchte er es noch einmal mit einer Berufsthätigkeit, indem er Herrn v. Luzerne als Gesandtschaftssekretär nach London begleitete. Allein er fühlte sich dort nicht glücklich und kehrte 1790 in die Heimat zurück. Hier trat er in den Klub der Gemäßigten und verfaßte die berühmte Schrift "Avis aux Français sur leurs véritables ennemis", in der sich seine leidenschaftliche Liebe zur Freiheit und zu den Prinzipien der Revolution, aber auch seine heftige Abneigung gegen ihre Schandthaten und Exzesse aussprach. Bei seinen Angriffen auf die Jakobiner im "Journal de Paris" (1792) geriet er mit seinem Bruder Marie Joseph, einem wütenden Jakobiner, in eine peinliche Differenz, die indessen bald beigelegt wurde. Seit 1793 war auch sein Leben in Gefahr; er verbarg sich im stillen Versailles und erholte sich nur durch fast tägliche Besuche im nahen Lucienne bei Frau Pourrat, für deren Tochter, Frau v. Lecoulteux (die "Fanny" seiner Oden), er eine tiefe Neigung empfand. 1794 wagte er es, nach Paris zurückzukehren; allein ein Zufall führte seine Verhaftung herbei, und 25. Juli fiel sein Haupt, drei Tage vor dem Sturz Robespierres. Die Mythen, welche sich um seine Gefangenschaft und seinen Tod bildeten, sind erst durch Becq de Fouquières endgültig beseitigt worden. Chéniers Bildung beruht ganz und gar auf dem klassischen Altertum. Seine Lieblingsdichter sind die griechischen und römischen Lyriker, vor allen Tibull, Properz, Theokrit; mit seltener Reinheit und Tiefe spiegelt sich die Harmonie und Schönheit seiner Vorbilder in seinen Poesien wider. Aber auch französische, englische, italienische, deutsche Dichter studierte er und beschäftigte sich viel mit geographischen, historischen und astronomischen Forschungen, die er für seine beiden großen Lehrgedichte: "Hermès" und "L'Amérique" zu verwerten gedachte. Leider sind von diesen Epen nur geringe Bruchstücke vorhanden; doch geben dieselben im Verein mit den Entwürfen immerhin ein ziemlich deutsches Bild von der Großartigkeit der

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]