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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chiers; Chiese; Chieti; Chièvres; Chiewitz; Chiffer; Chifferschrift

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Chiers - Chifferschrift.

Chiers (spr. schje oder schjähr), Fluß im nordöstlichen Frankreich, entspringt im SW. des Großherzogtums Luxemburg (deutsch hier Korn genannt) und ergießt sich nach 95 km langem Lauf, wovon nur 10 km schiffbar sind, oberhalb Sedan in die Maas.

Chiese (spr. kje-), Fluß in Südtirol und der Lombardei, der an der Vedretta di Lavio in der Adamellogruppe entspringt, das Südtiroler Val Bona, dann in der Lombardei den Idrosee und das Val Sabbia durchfließt und nach einem Laufe von 140 km unterhalb Asola in den Oglio mündet.

Chieti (spr. kje-), eine Provinz Unteritaliens, bis 1871 Abruzzo citeriore genannt, grenzt im O. an das Adriatische Meer, im N. an die Provinz Teramo, im W. an Aquila, im S. an Campobasso (Molise) und umfaßt 2861 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 3092 qkm = 56 QM.) mit (1881) 343,948 Einw. Das Land zerfällt in zwei Regionen, eine innere gebirgige (mit der rauhen, 2780 m hohen Gebirgsgruppe Majella) und eine flache Küstenregion, und wird von zahlreichen Flüssen, unter denen der Pescara, Trigno, Palena, Sangro, Sinello und Trista die bedeutendsten sind, bewässert. Der Boden ist auf den Höhen größtenteils steril, in den Ebenen und Flußthälern dagegen außerordentlich fruchtbar; dennoch sind etwa zwei Fünftel des Areals unbebaut. Als Hauptprodukte erzeugt die Provinz Getreide, Öl, Reis und Wein (besonders bei Vasto, Atessa und Chieti); auch Hülsenfrüchte, Tabak und Flachs werden angebaut. In den Eichenwäldern gedeiht die Schweinezucht, auf den ausgedehnten Weideflächen die Schafzucht; das Meer liefert Überfluß an Fischen. Die Industrie ist in Tuch, Baumwollwaren, Hüten und Mützen, Handschuhen, Schuhwaren, Essig, Seife, Zündhölzchen etc. von Bedeutung. Die Provinz zerfällt in die drei Kreise: C., Lanciano, Vasto. - Die Hauptstadt C., auf einer kleinen Hochebene in fruchtbarer Gegend an der schönen Heerstraße und der Eisenbahn gelegen, welche von Neapel zur Pescaramündung führt, ist gut gebaut, hat eine imposante Kathedrale (1070 erbaut, 1595 erneuert, mit einer Krypte), mächtige Trümmer einer altberühmten Normannenburg sowie Überreste römischer Bauten (Amphitheater, Tempel der Diana Trivia etc.). Die Einwohner, deren Zahl (1881) 12,273 beträgt, treiben ansehnliche Fabrikation von Wollwaren, Hüten, Glas, Zündhölzchen etc. sowie Handel mit Wein, Getreide, Öl etc. C. ist Sitz eines Erzbischofs, des Präfekten und eines Generalkommandos; es hat ein Lycealgymnasium, eine Normalschule, eine technische Schule, ein Seminar, eine Handelskammer und ein Theater. - Im Altertum hieß C. Theate Marrucinorum und war eine der bedeutendsten Städte dieses sabellischen Stammes. Die Stadt nahm an dem zweiten Samnitischen Kriege gegen die Römer teil und fiel 305 v. Chr. in deren Hände. Nach dem Sturz des römischen Reichs geriet sie zuerst in die Gewalt der Goten, dann der Langobarden. Von Pippin dem Kurzen zerstört, wurde sie von den Normannen wieder aufgebaut, befestigt und zur Hauptstadt der Abruzzen erhoben (1088). 1524 stiftete hier der heil. Gaetano von Theate den Orden der Theatiner.

Chièvres (spr. schjähwr, das alte Servia), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Ath, am Einfluß der Hunel in die Dender und an der Eisenbahn Ath-St.-Ghislain, hat 2 Kirchen (in der einen schöne Grabmäler), Baumwollspinnerei, Töpferei, Bierbrauerei, bedeutenden Pferdemarkt und (1884) 3325 Einw. In der Nähe das Schloß und die ehemalige Abtei Cambron.

Chiewitz, Poul, dän. Schriftsteller, geb. 1817, gest. 1854 in Kopenhagen, trat sowohl mit Romanen auf, unter denen wir als den besten und bekanntesten "Fra Gaden" (1848) hervorheben, wie auch als dramatischer Dichter mit den Lustspielen: "En hóiere Dannelses Anstalt" (1850), "En Fortid" (1853) u. a., die bisweilen frivol, allein meist treffend und mit scharfer Satire die offizielle Moral, die hohle Respektabilität und konventionelle Bildung geißeln.

Chiffer, s. Chiffre.

Chifferschrift. Die Notwendigkeit, wichtige schriftliche Mitteilungen dem allgemeinen Verständnis zu entziehen, hat bereits im Altertum den Grund zu einer Geheimschreibekunst (Kryptographie) gelegt, aus welcher sich die C. im Lauf der Zeit entwickelte. Schon Herodot führt Beispiele einer nur dem Empfänger sichtbaren Schrift aus, während die Spartaner in der von Plutarch beschriebenen Skytala eine mechanische Vorrichtung besaßen, mittels deren wichtige Mitteilungen in einer das Geheimnis sichernden Weise niedergeschrieben werden konnten. Julius Cäsar hatte sein eignes geheimes Alphabet; seine Methode, jeden Buchstaben durch einen andern zu ersetzen, wird heute noch bisweilen angewendet. Auch im Mittelalter findet man vielfach, daß berühmte Leute sich mit der Erfindung von Geheimschriften befaßten; so der bekannte Abt Johannes Trithemius, der Jesuit Kircher, Baco von Verulam, der Mathematiker Vieta, Hugo Grotius u. a. Ihre Geheimschriften erreichen zum Teil schon einen hohen Grad von Vollkommenheit. So hat Trithemius die Anwendung einer größern Anzahl von Alphabeten eingeführt, in welchen die Aufeinanderfolge der Buchstaben wechselt und deren Benutzung in der Weise erfolgt, daß je nach Verabredung entweder jedes neue Wort oder jeder neue Satz in einem andern Alphabet nach bestimmter Reihenfolge ausgedrückt wird. Dieses Verfahren ist beibehalten worden in der sogen. Multiplikationschiffer, von den Franzosen chiffre carré oder indéchiffrable genannt, welche gegenwärtig noch vielfach benutzt wird, weil sie die Leichtigkeit des Gebrauchs, die Schwierigkeit, den Schlüssel zu finden, und die Möglichkeit, denselben im bloßen Gedächtnis zu bewahren, auch schnell zu wechseln, miteinander verbindet. Sie besteht aus einem Täfelchen, worin die 25 Buchstaben des Alphabets in folgender Weise untereinander gesetzt sind:

a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z

a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z a

b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z a b

c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c

d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d

e f g b i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e

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g h i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g

h i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g h

i k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g h i

k l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g h i k

l m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g h i k l

m n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g b i k l m

n o p q r s t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n

o p q r s t u v w x y z a b c d e f g b i k l m n o

p q r s t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p

q r s t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q

r s t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r

s t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r s

t u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r s t

u v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u

v w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v

w x y z a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w

x y z a b c d e f g h i k 1 m n o p 1 r s t u v w x

y z a b c d e f g h i k 1 m n o p q r s t u v w x y

z a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u v w x y z

Hier heißt die erste Horizontalreihe die Sprachlinie, die erste Vertikalreihe links die Wahllinie. Als Schlüs-^[folgende Seite]

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