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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chile

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Chile (Bergbau, Industrie, Handel).

Dienstboten, 34 mit Handel, 33 mit Bergbau. Die Landwirtschaft hat wohl in jüngerer Zeit bedeutende Fortschritte gemacht, leidet aber noch immer unter dem Fluch des Großgrundbesitzes, der allerdings für den mittlern Teil des Landes, wo der Feldbau großartige Bewässerungsanstalten bedingt, einige Berechtigung hat. Aber auch in den jüngst erworbenen Bezirken Araucanias hat die Regierung den größten Teil des Landes abermals an große Kapitalisten verkauft und nur kleinere Bezirke für kleinere Landwirte reserviert. Die Majorate, auf denen die Wirtschaft durch Fronbauern (Inquilinos) betrieben wurde, sind bereits 1828 aufgehoben worden, und während es 1832 nur 12,028 ländliche Grundbesitzer gab, zählte man deren 1875 bereits 121,055. Die größern Güter werden jetzt vielfach durch Pachter bewirtschaftet, die einen Teil des Ertrags als Pacht zahlen. Angebaut werden namentlich: Weizen, Mais, Gerste, Hafer und Roggen; Bohnen, Linsen und Erbsen, und als Futter Luzerne. Der Anbau von Runkelrüben ist 1883 mit Erfolg eingeführt worden. Kartoffeln und die verschiedensten Gemüse werden namentlich von kleinen Leuten gebaut. Unsre europäischen Obstbäume gedeihen vorzüglich. Der Tabaksbau hat sich seit Beseitigung des Monopols (1880) bereits bedeutend entwickelt. Außerdem baut man Flachs, Hanf, Hopfen, spanischen Pfeffer, und in der That gedeihen alle Gewächse der gemäßigten und subtropischen Zonen, ja in den neuerworbenen Provinzen des Nordens sogar Baumwolle und Kakao. Der Wein kommt dem besten spanischen gleich. Im J. 1882 gewann man 31,894,724 Lit. Wein, 6,017,562 L. Branntwein und 22,042,239 L. Chicha.

Die Gräser der Ebene wie die Gebirgswiesen geben vortreffliche Futterkräuter und begünstigen die Viehzucht. Die Pferde, von andalusischer Rasse, sind lebhaft, gelehrig und unermüdlich, aber als Zugtiere nicht schwer genug. Man hat daher englische und französische Rassen eingeführt. Die Rinder, spanische Rasse, sind von Mittelgröße und stark, geben aber nur wenig Fleisch. Für die Milchwirtschaft, die übrigens, namentlich was die Käsebereitung betrifft, noch wenig entwickelt ist, hat man daher englisches Vieh importiert. Von Rindvieh kommt auch viel aus Argentinien, um auf den fetten Weiden gemästet zu werden. Für Verbesserung der Schafzucht durch Kreuzung ist bereits viel geschehen. Im ganzen zählte man 1875: 586,073 Rinder, 1,183,591 Schafe und Ziegen, 196,174 Pferde. An der Sonne getrocknetes Rindfleisch (Charqui) bildet einen wichtigen Artikel der Ausfuhr. Außerdem liefert die Viehzucht zum Export Horn, Häute, Knochen, gesalzenes Fleisch, Fett, geräucherte Zungen und Schinken. Die Bienenzucht ist erst seit 1844 eingeführt. Die Fischerei ist von ganz untergeordneter Bedeutung. Die Wälder des Südens liefern neben Nutzholz noch wertvolle Rinden, wie die des Quillaybaums, die zum Waschen von Wolle benutzt wird, und verschiedene Gerberrinden. Alles in allem schätzte man 1883 den Wert der ausgeführten Produkte der Landwirtschaft und der Wälder auf 11,864,524 Pesos.

Ungemein reich ist C. an nutzbaren Metallen und Mineralien, und schon 1875, ehe noch Tarapacá in Besitz genommen war, beschäftigte der Bergbau 29,000 Menschen. Der regenlose Norden liefert namentlich Salpeter, Jod und Borax, der mittlere Landstrich Kupfer und Silber, der Süden Steinkohlen, Eisen und Gold. Sämtliche Produkte des Bergbaues und Hüttenbetriebes, die ausgeführt wurden, schätzte man 1882 auf 56,051,845 Pesos, 1883 auf 57,679,240 Pesos, wovon 30 Mill. auf salpetersaures Natron, 16,5 Mill. auf Kupfer, 5 Mill. auf Silber, 3 Mill. auf Jod und 1 Mill. auf Borax kamen. Die ergiebigsten Kupfergruben liegen in den Provinzen Coquimbo (Tamaya) und Aconcagua (Manatiel). Der größte Teil des Kupfers wird im Land selbst verschmolzen und in Gestalt von Stangen ausgeführt. 1884 soll die Kupferausbeute Chiles 41,148 Ton. betragen haben, wogegen in den Vereinigten Staaten 63,950 T., in der ganzen Welt aber 211,613 T. gefördert wurden. Für Silber bildet Copiapo den wichtigsten Zentralpunkt, und Chanarcillo und Caracoles sind die ergiebigsten Minenreviere. Gold findet sich sowohl im Alluvium als eingesprengt und wurde bald nach der Eroberung bei Osorno, Villarica etc. mit Erfolg ausgebeutet, spielt aber jetzt eine sehr untergeordnete Rolle. Eisen kommt an vielen Stellen vor, ist aber bisher wenig beachtet worden. Dagegen sind die ungeheuern Lager an Natron, Salzen etc., in deren Besitz C. durch seine jüngsten Eroberungen gelangt ist, von großer Bedeutung. Ebendort finden sich auch noch reiche Lager von Guano; Steinkohle wird namentlich an der Araucobai bei Lota gewonnen, wo auch die wichtigsten Hüttenwerke liegen, sowie zu Punta Arenas im Territorium Magallanes. Die Gesamtausbeute von jährlich 500,000 Ton. dient fast ausschließlich zur Versorgung der vielen Schmelzwerke an der Küste und der verschiedenen Dampfschiffahrtsgesellschaften.

Die Industrie, abgesehen von den Hüttenwerken und der Gerberei, ist noch ziemlich unbedeutend, obschon sich ein Aufschwung darin nicht verkennen läßt. Von Wichtigkeit sind namentlich die Kornmühlen, die Stärkefabriken, die Sägemühlen (im S.), die Seifensiedereien und Kerzenfabriken, die Brauereien und Brennereien. Auch ist die häusliche Industrie von Bedeutung. Sie liefert namentlich Gewebe, Stickereien, Teppiche, Körbe und irdene Waren.

Für den Handel liegt C. mit seiner langgestreckten Küste und seinen zahlreichen guten Häfen, unter denen Arica, Iquique, Antofagasta, Caldera, Coquimbo, Valparaiso, La Concepcion und Valdivia die bedeutendsten sind, ungemein günstig. Dampferlinien, unter denen eine chilenische Gesellschaft, die englische Pacific Steam Navigation Company und die deutsche Kosmoslinie die wichtigsten sind, verbinden diese Häfen mit Panama einerseits und durch die Magelhaensstraße direkt mit Europa. 1883 liefen vom Ausland 1736 Schiffe von 1,816,072 Ton. ein (davon 778 Dampfer von 1,136,974 T.), darunter 937 englische von 985,357 T. und 221 deutsche von 211,503 T. Im Küstenhandel liefen 6391 Fahrzeuge von 5,300,680 T. ein, davon 252 deutsche von 202,265 T. Eisenbahnen führen von den Häfen ins Innere des Landes. Die wichtigste dieser Bahnen verbindet Valparaiso mit der Hauptstadt Santiago und führt von dort südlich bis nach Ancud. Ihre Verlängerung, bis nach Valdivia, ist im Bau. Im J. 1883 waren bereits 2217 km Eisenbahnen im Betrieb, wovon 965 km Staatseigentum waren. Die Landstraßen sollen eine Länge von 40,000 km haben. Unter den Pässen ist der besuchteste der von Uspallata oder der Cumbrepaß (s. d.), über den eine Eisenbahn nach Mendoza in Argentinien projektiert ist. Die Handelsmarine zählte 1883: 131 Schiffe von 53,071 T. Gehalt (einschließlich von 27 Dampfern von 12,512 T.). Die bedeutende Entwickelung des auswärtigen chilenischen Handels seit 1844 geht aus folgender Tabelle hervor:

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]