Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chillon; Chiloe; Chilognathen; Chilon; Chilpancingo; Chilperich; Chiltern Hills; Chimaltenango

1024

Chillon - Chimaltenango.

Livingston im nordamerikan. Staat Missouri, in fruchtbarer Prärie, nahe der Mündung des Thomson Fork in den Grand River (Nebenfluß des Missouri), mit (1880) 4078 Einw.

Chillon (spr. schijóng), düsteres Inselschloß im schweizer. Kanton Waadt, zwischen Villeneuve und Montreux, auf einem bis zum Wasserspiegel emporragenden Felsen des Genfer Sees erbaut und mit dem nur einige Meter entfernten Ufer durch eine Brücke verbunden. Es besteht aus mehreren unregelmäßigen Gebäuden mit einem viereckigen Turm in der Mitte und ist mit seinen weißen Mauern weithin sichtbar. Die Gewölbe sind in den Felsen gehauen. Das Schloß soll von dem Grafen Amadeus IV. 1328 erbaut worden sein, wurde 29. März 1536 von den Bernern erobert, welche den auf Philipps von Savoyen Befehl seit sechs Jahren in einem unterirdischen Kerker gefangen gehaltenen Reformator Franz Bonivard, Prior von St. Viktor zu Genf, den standhaften Verteidiger der Unabhängigkeit Genfs gegen die savoyischen Fürsten, aus schrecklicher Haft befreiten. Byrons Gedicht "The prisoner of C." verherrlicht den Namen dieses Märtyrers (vgl. Bonivard). Bis 1732 diente C. als Sitz des Berner Landvogts von Vivis und seit 1733 als Staatsgefängnis; jetzt ist es Arsenal des Waadtlandes. Vgl. Vulliemin, C., étude historique (Lausanne 1851).

Chiloe (spr. tschilóe), Provinz in der Republik Chile, besteht aus der Insel C., den Chonosinseln (s. d.) und dem diesen Inseln gegenüberliegenden Festland von Patagonien, südlich bis zum Kap Tres Montes, dem äußersten Punkte der großen Halbinsel Taytao. Ihr Areal beträgt 54,000 qkm (980 QM.). Die Bevölkerung ist unbekannt, denn die offiziell für 1882 angegebene Zahl von 73,041 Einw. bezieht sich offenbar nur auf die Insel C., den einzigen Teil des Gebiets, in welchem sich Ansiedelungen befinden. Der von wenigen Indianern bewohnte festländische Teil der Provinz ist ein Waldland mit steilen Küsten und von tiefen Fjorden durchschnitten, wo zahlreiche Gipfel der Kordilleren bis über die Schneegrenze ansteigen, wie der Vulkan Minchinmádiva oder Chayapiren (2438 m), der Volcano del Corcovado (2289 m), der Yanteles (2050 m) und der Macá (2960 m).

Chiloe (spr. tschilóe, ursprünglich Chilihue, "Ende von Chile"), Insel an der Westküste Südamerikas, zu Chile gehörig, wird durch den engen Kanal von Chacao im N. und durch eine 50 km breite Straße (der Golf von Ancud im N. und von Corcovado im S.) gegen O. vom Festland getrennt. Sie ist 185 km lang, 67 km breit und hat ein Areal von 8570 qkm (155,7 QM.), mit den Nebeninseln aber 9480 qkm (172,2 QM.). Ihre Küsten sind an der Ost- und Westseite gleichmäßig hoch und steil, doch an jener ebenso reich an Vorsprüngen und Häfen wie an dieser einförmig und ohne Gliederung. Das noch wenig bekannte Innere enthält Hügelreihen bis zu 600 m Höhe, und bis aus wenige schmale Striche an den Küsten ist alles mit fast undurchdringlichen Urwäldern bedeckt. Das Klima ist mild, aber außerordentlich feucht, Regen überaus häufig (bei Ancud fallen jährlich 2035 mm), namentlich im Westteil der Insel. Diese Feuchtigkeit erklärt die starke Entwickelung der Vegetation, die der fruchtbare Boden noch befördert. Die Einwohner (1882: 73,041) sind zum größten Teil Indianer (von dem Stamm der Huilliche), die schon lange von den Spaniern unterworfen und zum Christentum bekehrt und, wenn auch in der Bildung gegen andre indianische Stämme zurückgeblieben, doch durch Sanftmut des Charakters, Redlichkeit und Sittlichkeit ausgezeichnet sind. Ihre Hauptbeschäftigung ist nächst dem Fischfang das Fällen des Holzes, das den hauptsächlichsten Handelsartikel bildet; der Landbau liegt ganz danieder, auch die Viehzucht ist vernachlässigt, von Industrie wenig die Rede. Die Hauptstadt ist Ancud (San Carlos de A.), an der Nordküste der Insel, mit einem schönen Hafen, unansehnlich gebaut, mit (1883) 6000 Einw., Sitz eines Bischofs, einer Schiffahrtsschule und der Haupthandelsplatz der Provinz. Ancud blieb bis 1826 in den Händen der Spanier. Die frühere Hauptstadt Castro an der Ostküste, 1566 durch den Spanier C. G. de Castro gegründet, ist seit der Verlegung der Regierung nach Ancud ganz verfallen.

Chilognathen, Chilopoden, s. Tausendfüßer.

Chilon, s. Cheilon.

Chilpancingo (spr. tschilpanssingo, Ciudade de los Bravos), Hauptstadt des mexikan. Staats Guerrero, 1380 m ü. M., auf einer Hochebene zwischen dem Stillen Ozean und dem Rio Mexcalu, hat ein Regierungsgebäude, eine höhere Schule (Colegio) und (1877) 6359 Einw.

Chilperich, Name zweier fränk. Könige aus dem Geschlecht der Merowinger:

1) C. I., Chlotars I. Sohn, gewann nach des Vaters Tod (561) durch Geschenke die tapfersten Franken, ging dann nach Paris und bestieg den Thron, mußte aber mit seinen Halbbrüdern Charibert, Guntram und Siegbert das Reich teilen und erhielt Aremorica und das salische Land mit Soissons. Als ein kluger und unternehmender Fürst brachte er auch in den Gebieten seiner schwachen Brüder die eigentliche Gewalt an sich, zumal er die fränkischen Großen für sich zu gewinnen wußte. Seine Gemahlin war die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild, Galswintha, welche aber seinem Kebsweib Fredegunde weichen mußte: Galswintha wurde 567 ermordet, weshalb ihre Schwester Brunhilde, die Gemahlin des austrasischen Königs Siegbert, diesen zum Kriege gegen C. antrieb. C. war im Nachteil, wurde aber dadurch von der Gefahr befreit, daß Fredegunde den Siegbert ermorden ließ (575). C. führte darauf mit seinem Bruder Guntram und seinem Neffen Childebert mehrere erfolglose Kriege. Er wurde 584 in Chelles bei Paris auf der Jagd ermordet. C. war ausschweifend, kein Freund der Kirche, daher von Gregor von Tours als Herodes und Nero bezeichnet, despotisch und grausam, dabei aber gebildet, wie er denn lateinische Gedichte machte.

2) C. II., Childerichs II. Sohn, ward nach dem Tod seines Vaters (673) in ein Kloster gesteckt, aber, als Dagobert III. 715 gestorben, von den Neustriern zum König gewählt. Er verband sich 716 mit Ratbod, dem Fürsten der Friesen, gegen Karl Martell, den Majordomus von Austrasien, wurde jedoch von diesem überfallen und geschlagen; 717 kam es bei Vincy zu einer zweiten Schlacht, in welcher C. wieder besiegt wurde. Nach einer abermaligen Niederlage bei Soissons 719 floh C. zu Herzog Eudo von Aquitanien, ward aber nach Chlotars IV. Tod (719) von Karl als Scheinkönig anerkannt und starb 720.

Chiltern Hills (spr. tschill-), Hügelkette in Buckinghamshire (England), am linken Themseufer, oberhalb Reading, im Wendower Hill 290 m hoch. In den Buchenwäldern, die früher ihre Abhänge bekleideten, hausten Räuberbanden, deren Unterdrückung einem von der Krone ernannten Steward oblag. Das Amt besteht noch und wird Parlamentsmitgliedern verliehen, die sich zurückzuziehen wünschen.

Chimaltenango (spr. tschi-), Hauptstadt des gleichnamigen Departements im zentralamerikan. Staat

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]