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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: China

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China (Bevölkerung, Volksklassen, Sprache).

seit den frühsten Zeiten bekannt (vgl. die Kataloge und Spezialschriften, betreffend die von der chinesischen Zollbehörde veranstaltete Ausstellung chinesischer Fischereiartikel bei Gelegenheit der ersten internationalen Fischereiausstellung in Berlin 1880). An den Südküsten sind Austern sehr gewöhnlich. An Schmetterlingen und Käfern sind C. viele Arten eigentümlich. Heuschreckenschwärme sind selten; der erste, den die Geschichte verzeichnet, fand 706 v. Chr. im nördlichen C. statt. Jährlich richten dagegen die wilden Schweine große Verheerungen an, die besonders im W. der großen Ebene sehr zahlreich sind und ungestört sich vermehren können, da die Chinesen keine Jagdliebhaber sind.

Bevölkerung. Kulturverhältnisse.

Die Bevölkerung Chinas (vgl. S. 1 und 2) bestand ursprünglich aus tibetischen, birmanischen und siamesischen Stämmen, deren Überreste, die Sisan, Lolo und Miaotse, wir heute in Jünnan, Kueitschou und im NW. der Provinz Kuangtung sehen. Sie wurden in ihre jetzigen Wohnsitze zurückgedrängt durch ein von NW. (nach der chinesischen Mythologie vom Kuenlün) einwanderndes Volk, welches gegenwärtig den Grundstock der mit allerlei andern mongolischen Elementen vermischten eigentlichen Chinesen bildet. Später kamen als Eroberer die Mandschu hinzu, ein zum tungusischen Zweig der Altaier gehöriger Stamm, welche sich des Throns bemächtigten und heute in den wichtigern Städten, wo sie die sogen. Tatarenstadt bewohnen, die Besatzung bilden. Außer diesen sämtlich der großen mongolischen Rasse und, mit Ausnahme der Mandschu, den Völkern mit einsilbigen Sprachen angehörigen Stämmen wohnen einige Tausende von Nichtchinesen in den dem fremden Handel geöffneten Traktatshäfen (s. unten). Die Zahl dieser letzten belief sich im Januar 1885 auf nur 6364 (2704 Engländer, 554 Deutsche, 790 Japaner, 21 Amerikaner, 424 Franzosen, 286 Spanier u. a.).

Die eigentlichen Chinesen (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 17) sind selten über 1,52 m groß, die Frauen meistens noch kleiner. Das Gesicht ist rund; die Augen sind klein, eng geschlitzt, weit voneinander abstehend, stets schwarz, häufig schief gestellt und mit dicken Augenbrauen überzogen; die Backenknochen sind hervorstehend; die Nase ist klein und gedrückt, die Stirn niedrig und unbedeutend; die Lippen sind dicker als bei den Europäern; selten bedeckt ein meist dünner Bart Kinn und Oberlippe; das Haar ist straff und schwarz. Das Haupthaar wird seit der Eroberung Chinas durch die Mandschu (1744) geschoren bis auf einen Büschel am Scheitel, der in einen Zopf gebunden wird und über den Rücken frei herabhängt. In der Muskelbildung stehen die Chinesen den kaukasischen Rassen nach; eine gewisse Schlaffheit der Gesichtsmuskeln verleiht dem Mann einen weibischen Typus. Die Bewohner des nördlichen C. sind im allgemeinen stärker gebaut als jene der mittlern und südlichen Provinzen; die letztern sind auch dunkler als die mehr rötlichen Bewohner des Nordens, während die des mittlern C. blaßgelb sind. Die Bewohner der Gebirge zeichnen sich unvorteilhaft durch Roheit und Unzugänglichkeit aus. Der gesellschaftlichen Stellung nach werden vier Volksklassen unterschieden: Gelehrte, Ackerbauer, Handwerker und Kaufleute. Geburtsadel spielt gegenüber dem Einfluß des Beamtenstandes eine geringe Rolle. Nicht die Prinzen, sondern die mit öffentlichen Ämtern bekleideten Männer bilden die Aristokratie; kaiserliche Prinzen ohne ein Amt sind Nullen, um die sich niemand kümmert. Würden und Titel sind nicht erblich. Der Gelehrtenstand, der geachtetste unter allen Ständen, ergänzt sich aus allen Schichten der Bevölkerung, aus Armen und Reichen. Nur Gelehrte und die aus ihnen hervorgegangenen Regierungsbeamten gelten als höhere Klassen. Da aber alle Klassen dem Geld nachstreben und sich viele Gelegenheiten finden, die fehlenden Vorbedingungen zum Regierungsamt durch Geschenke etc., statt durch Wissen, sich zu verschaffen, so fehlt es dem Wohlhabenden nicht an Stützen zur Erklimmung der Stufe eines angesehenen Mannes. Die niedern Grade sind mit zeitlichen Gütern nicht reichlich bedacht und neigen in ihrem Leben wie in ihren Bestrebungen mehr zur Einfachheit hin. Die Sklaverei, wenn auch nicht im Sinn der Negersklaverei, ist eine hergebrachte Einrichtung des chinesischen Haushalts; der als Kind gekaufte Sklave wird, wie der servus der Römer, als Glied der Familie betrachtet, kann aber auch weiter verkauft werden. Der zum Frondienst verurteilte Verbrecher wird dauernd seiner persönlichen Freiheit beraubt. Im 3. Jahrh. n. Chr. wurde den Armen erlaubt, ihre Kinder zu verkaufen; hieraus entstand die Privatsklaverei. Diese Kaufsklaven werden meist wie Kinder behandelt und sind gegen Mißhandlung durch Gesetze geschützt. Die weiblichen Haussklaven gehen mit der Verheiratung in die Gewalt des Mannes über. Beschränkungen im Genuß des vollen Bürgerrechts erleiden die Schauspieler und Prostituierten, die Scharfrichter, Gefängniswärter und unter den Dienern der Großen diejenigen, welche ihren Herren auf der Straße vorausgehen, um ihnen die gebührende Achtung zu verschaffen. Ihre und ihrer Kinder Ehre gilt bis in die dritte Generation als gemindert und zwar bei Schauspielern und Prostituierten, weil sie schamlosen Herzens seien, bei den übrigen, weil sie ein hartes Herz zeigen.

Die Sprache der Chinesen besteht aus einsilbigen Wörtern. Bildung der Wörter aus den Wurzeln derselben, wie in unsern Sprachen, ist dem Chinesischen vollkommen fremd; die bestimmte Bedeutung der Wörter im Satz wird durch ihre Stellung hervorgebracht, welche strengen Gesetzen unterworfen ist. Diese im Prinzip überall gleiche Sprache zerfällt in die Schriftsprache und die Umgangssprache. Die Umgangssprache besteht aus zahlreichen Dialekten, welche in Aussprache und Artikulation so sehr voneinander abweichen, daß die Angehörigen einer Provinz die einer andern oft kaum verstehen. Dies ist namentlich in den südlichen Provinzen der Fall. Allgemein verbreitet ist das sogen. Kuānhoá ("gemeinsame Verkehrssprache"); sie ist das Idiom der nördlichen Provinzen und als solches die Sprache des Hofes, der Beamten und der gebildeten Klassen. Die chinesische Schrift, deren Erfindung in ein hohes Altertum zurückverlegt wird, ist aus einer Bilderschrift, aus der unmittelbaren Wiedergabe der Anschauungen der Gegenstände selbst, hervorgegangen. In der ältesten Zeit schrieb man mit einem Bambusgriffel, der in schwarzen Firnis getaucht wurde; später trat an Stelle des Firnisses eine dicke Flüssigkeit, in welche fein geriebene Teile eines schwarzen Minerals eingemengt waren; endlich seit 220 n. Chr. begann man Tusche zu verfertigen und zwar aus Rückständen einer unvollkommenen Verbrennung von Firnis und Fichtenzweigen, während jetzt die beste aus dem Ruß von Schweinefett gewonnen wird; der Pinsel ersetzt den Bambus.

Die geistige Befähigung der Chinesen ist nicht gering: sie haben ganz selbständig auf eignem Boden, ohne anregende Berührungen mit fremden Völ-^[folgende Seite]

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